27.04.2016

Tag gegen den Schlaganfall: Die mechanische Thrombektomie ist ein Quantensprung bei der Behandlung von Blutgerinnseln im Gehirn

Tag gegen den Schlaganfall: Die mechanische Thrombektomie ist ein Quantensprung bei der Behandlung von Blutgerinnseln im GehirnAm 10. Mai 2016 findet der Tag gegen den Schlaganfall statt: Bundesweit gibt es an und um den von der Deutschen Schlaganfall-Hilfe ins Leben gerufenen Tag vielfältige Aktionen und Informationsveranstaltungen zum Thema. Rund 80 Prozent der 250.000 Schlaganfälle pro Jahr werden dabei durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verursacht, das ein Blutgefäß verschließt. In der Folge können Teile des Gehirns nicht mehr mit Blut versorgt werden.

Die in den entsprechenden Leitlinien empfohlene Ersttherapie ist die so genannte intravenöse Thrombolyse, bei der ein Medikament bis zu 4,5 Stunden nach Beginn der Symptome in die Blutbahn gespritzt wird, welches das Blutgerinnsel auflösen soll. Besonders für große Arterien und größere Thromben ist die medikamentöse Behandlung jedoch nur bedingt geeignet. Eine bahnbrechende neue Methode ist hier die mechanische Thrombektomie: Wegweisende klinische Studien zur akuten Schlaganfallbehandlung haben 2015 die sehr hohe Wirksamkeit des Verfahrens gezeigt. Auch eine neue Leitlinie empfiehlt in bestimmten Fällen eine Kombination aus medikamentöser Thrombolyse und der mechanischen Methode mittels Katheter.

Je schneller der Patient bei einem ischämischen Schlaganfall behandelt wird, desto größer sind seine Überlebenschancen und umso geringer das Risiko von bleibenden Behinderungen. Die Medizintechnologie hat hier immense Fortschritte in der Schlaganfallbehandlung gebracht: Im Rahmen der mechanischen Thrombektomie kommen sogenannte Stent Retriever zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein spezielles System, an dessen Spitze ein entfaltbares Gittergeflecht enthalten ist. Das Thrombektomie-System wird über die Leistenarterie bis in das Hirngefäß vorgeschoben und in das verschlossene Gefäß eingeführt. Der Thrombus verfängt sich dabei in dem Stent Retriever und kann in diesem Gittergeflecht aus dem Gefäß herausgezogen werden.

Im Rahmen einer Aktion Meditech-Veranstaltung Ende vergangenen Jahres in Berlin betonte Prof. Dr. Jens Fiehler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neuroradiologische Diagnostik und Intervention am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, dass es sich bei dem Thrombektomie-Verfahren um einen „Quantensprung“ und eine „Revolution“ in der Schlaganfallbehandlung handele. Es gebe im Bereich der Medizin wenig vergleichbare Erfolge. Eine in der Fachzeitschrift Lancet publizierte Meta-Analyse von fünf Studien hat gezeigt, dass vielen Patienten durch die mechanische Thrombektomie schwerwiegende Behinderungen infolge des Schlaganfalls erspart blieben. Derzeit bieten in Deutschland 113 Zentren diese Methode an.
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