05.06.2014

Koronare Herzkrankheit: Resorbierbares Gefäßgerüst vielversprechende neue Therapieoption in der Behandlung von KHK-Patienten

Das weltweit erste biologisch abbaubare*, Medikament freisetzende Gefäßgerüst (bioresorbable vascular scaffold, BVS) kann Patienten mit verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäßen den Rückgewinn natürlicher Venenfunktionen ermöglichen

Koronare Herzkrankheit: Resorbierbares Gefäßgerüst vielversprechende neue Therapieoption in der Behandlung von KHK-PatientenDie Koronare Herzkrankheit (KHK) zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Dabei handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Herzens, die durch arteriosklerotische Veränderungen der Herzkranzgefäße ausgelöst wird. Die KHK zeigt sich durch Symptome wie Angina pectoris und kann zu Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen sowie plötzlich auftretendem Herztod führen. Zum Herzinfarkt kommt es, wenn sich das Blutgefäß komplett verschließt. Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, eine KHK zu therapieren wie beispielsweise das Einsetzen von Metallstents oder Bypass-Operationen. Ein aussichtsreiches neues Behandlungskonzept stellt das resorbierbare Gefäßgerüst dar.

Von einer koronaren Herzkrankheit spricht man, wenn die Koronararterien krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage sind, den Herzmuskel mit ausreichenden Mengen an sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Allein in Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Herzstiftung rund 1,5 Millionen Menschen davon betroffen. Im schlimmsten Fall – bei komplettem Gefäßverschluss – führt die KHK zu einem Herzinfarkt. „Die hauptsächliche Behandlung der KHK besteht in einer medikamentösen Therapie“, erläutert Professor Dr. Holger Nef vom Universitätsklinikum Gießen. „Ist eine KHK durch eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend kontrollierbar, kommt zusätzlich eine Aufdehnung der Herzkranzgefäße (PCI) oder eine Bypass-Operation in Frage.“ Mit der Einführung des bioresorbierbaren Gefäßgerüsts besteht nun die Möglichkeit, Gefäßverengungen oder -verschlüsse behandeln zu können, ohne ein permanentes Implantat im Körper zu hinterlassen. „Ein Vorteil in der Behandlung mit einem bioresorbierbaren Scaffold könnte darin liegen, dass Spätfolgen eines Fremdkörpers wie beim Metallstent, z.B. Wiederverschluss durch Blutgerinnsel, möglicherweise nicht auftreten“, so Nef.

Gefäß kann durch BVS zu natürlicher Funktion zurückkehren

Ziel der Therapie mit resorbierbaren Gefäßgerüsten ist, zunächst das Gefäß zu öffnen, wie mit klassischen Medikament freisetzenden Stents. Darüber hinaus löst sich aber in der zweiten Phase das Gerüst auf, d.h. es bleibt kein Permanentimplantat im Gefäß zurück, wodurch die Rückkehr in einen natürlicheren Zustand ermöglicht wird. Damit kann die zuvor verengte und damit auch unflexibel gewordene Ader wieder pulsieren und ihre ursprüngliche Funktion übernehmen. Eine starre Gefäßstütze aus Metall hingegen verbliebe als permanentes Implantat und würde das Gefäß einschränken. Spätestens nach der vollständigen Auflösung* des Gerüsts nach etwa 2 bis 3 Jahren bleibt eine stabilisierte und offene Ader zurück; die natürlichere Beweglichkeit wird wieder hergestellt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Behandlungsmethoden bei KHK wie PTCA, Metall-Stents und DES bietet der BVS die Möglichkeit einer nachhaltigen Therapie, bei der kein Fremdkörper auf Dauer zurückbleibt – mit der möglichen Aussicht Langzeitkomplikationen vorzubeugen.

Hintergrund: Was genau ist eine PCI (Perkutane Koronarintervention)?

Bei der PCI handelt es ein interventionelles Verfahren, bei dem durch einen Katheter ein Ballon in die Herzkranzgefäße eingebracht und die Verengung
aufgedehnt wird. Dies geschieht meistens über eine große Arterie in der Leiste oder vom Arm kommend. Mit dem Ballon kann zusätzlich auch ein Stent in die Gefäßverengung eingebaut werden.

*Kleine Platinmarker an den Gerüstenden verbleiben im Gefäß zur Röntgenkontrolle
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