27.06.2012

Minimal-invasive Behandlung der Harninkontinenz

Interview mit Dr. med. Kurt Lobodasch, Chefarzt der Frauenklinik am DRK Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein und Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Im Interview erklärt Dr. med. Kurt Lobodasch, Chefarzt der Frauenklinik am DRK Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein und Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die Möglichkeit der Injektionsbehandlung mit einem Gel-Implantat bei Frauen mit Harninkontinenz.

1. Welche Folgen kann eine nicht oder unzureichend behandelte Harninkontinenz haben?

Unbehandelt kann die Harninkontinenz zu psychischen, sozialen und medizinischen Problemen führen. Die Patienten haben häufiger Depressionen, isolieren sich sozial, leben zurückgezogen. Neben der Entzündung im Bereich der Genitale durch die ständig nassen Windeln führt die unbehandelte Harninkontinenz bis zur Entzündung der Nieren mit schwersten Einschränkungen der Nierenfunktion. Eine wenig beachtete Folge ist gerade bei älteren Menschen der häufige und eilige Gang zur Toilette mit Harndrang. Indem versucht wird, diesen durch Reduzierung der Trinkmenge zu umgehen, kann es jedoch zu Schwindel und zu Stürzen mit Knochenbrüchen kommen.

2. Welche Erfolgchancen bietet die Behandlung mit dem Hydrogel?

Die Therapie ist bei zwei Drittel der Patientinnen erfolgreich.

3. Ist diese Art der Behandlung für alle Patientinnen geeignet?

Die Injektionsbehandlung mit einem Gel-Implantat ist für Frauen mit einer Belastungsharninkontinenz und einer Mischharninkontinenz mit dominierender Belastungskomponente geeignet. Die so genannte hypermobile Urethra, die hypotone Urethra und die Trichterbildung der Urethra beeinflussen das Behandlungsergebnis nicht. Auch das Alter der Patientin und der Body-Mass-Index haben keinen Einfluss auf den Behandlungserfolg.

4. Wie genau läuft der Eingriff ab und was ist in der Nachsorge zu beachten?

Der Eingriff kann in örtlicher Betäubung oder Allgemeinanästhesie im Sinne einer Kurznarkose durchgeführt werden. Eine entsprechende exakte Diagnose der Harninkontinenz ist selbstverständlich Voraussetzung. Wichtig ist, dass der Harnfluss (Uro-Flow) gemessen wird, der größer als 10 ml/s sein muss. Unter Sicht wird dann das Gel-Implantat bei 3, 6 und 9 Uhr gespritzt. Ziel des Eingriffes ist ein Verschluss der Harnröhre, eine so genannte Koaptation der Wände. Während der unmittelbaren Nachsorge muss auf Blutungen und Blasenentleerungsstörungen geachtet werden. Es wird eine regelmäßige Restharnkontrolle durchgeführt. Kann die Blase restharnfrei entleert werden, kann die Patientin nach Hause entlassen werden. Eine besondere körperliche Schonung ist nicht erforderlich. Die Depots können im Ultraschall nachgewiesen und damit leicht kontrolliert werden.

5. Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser Behandlungsmethode bei Ihren Patientinnen gemacht?

Wir haben bisher 575 Patientinnen so behandelt. Die erste Behandlung erfolgte im Oktober 2005. Unsere Ergebnisse sind durchweg sehr gut. Wir erreichen eine fast 80-prozentige Heilung und Besserung der Harninkontinenz. Ernstere Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Die Harnentleerungsstörung ist unkompliziert in der Folge zu beheben und verschwindet meist nach drei bis vier Tagen von selbst. Sie kommt bei etwa zwei Prozent der Patientinnen vor. Nach unserer Erfahrung gehört die Option der Injektionstherapie zur Alternativaufklärung vor Inkontinenzeingriffen. Das Material – Polyacrylamid – hat bisher in unserem Krankengut noch nie zu Nebenwirkungen, allergischen Reaktionen, Fibrosen, Abszessen oder Migration geführt.
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