27.06.2012

Gel-Implantat zur minimal-invasiven Behandlung bei Harninkontinenz

Paraurethrale Injektion von Polyacrylamid-Hydrogel kann von Belastungs- und Mischinkontinenz befreien – ein kleiner, schonender Eingriff

Schätzungsweise sechs bis acht Millionen Deutsche leiden an einer Form von Harninkontinenz. Zwei Drittel davon sind Frauen. Oftmals sind die Belastungen einer Schwangerschaft oder die Hormonumstellungen während der Menopause Auslöser. Aber auch Übergewicht, Diabetes oder andere Krankheitsbilder können eine Harninkontinenz auslösen. Unbehandelte Harninkontinenz kann so schwere Folgen für die Betroffenen haben und weitere Krankheitsbilder hervorrufen.
Es gibt verschiedene Formen der Harninkontinenz: Belastungsinkontinenz (auch als Stressinkontinenz bezeichnet), Dranginkontinenz und Mischinkontinenz. Bei der Belastungsinkontinenz, kommt es während körperlicher Belastung (Heben, Niesen, Husten, etc.) zu unwillkürlichem Harnverlust. Dranginkontinenz ist durch plötzlich auftretenden, sehr starken, nicht beherrschbaren Harndrang mit anschließendem unwillkürlichem Harnverlust charakterisiert. Die Mischinkontinenz beschreibt eine Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz.
Die mit Abstand häufigste Form der Inkontinenz ist die Belastungsinkontinenz – entweder in reiner Form oder als Bestandteil der Mischinkontinenz. Etwa jede zweite Frau mit Inkontinenz leidet an Belastungsinkontinenz und die Prävalenz steigt ab dem 40. Lebensjahr stark an. Darüber hinaus kann die Harninkontinenz ein Grund für eine Heim- oder Krankenhauseinweisung sein und innerhalb dieser für vermehrtes Wundliegen und Infektionen sorgen. Die Sturzgefahr für ältere, mobile Betroffene steigt dadurch ebenfalls enorm an, da bewusst weniger getrunken wird und es dadurch zu Schwindel und auch Gedächtnisproblemen kommt. Die Reduzierung der Trinkmenge ist jedoch nicht zu empfehlen. Eine erfolgreiche Therapie, die in den meisten Fällen möglich ist, kann den Patientinnen wieder die Kontrolle zurückgeben und damit vor Folgeschäden schützen.

Erste Maßnahmen

Als erste Maßnahmen wird den meisten Patientinnen eine Lebensstiländerung empfohlen: Gewicht reduzieren, Rauchen einstellen und gezielte Übungen für den Beckenboden. Ist die Belastungsinkontinenz weiter fortgeschritten, kommen die Patientinnen oft nicht um einen Eingriff herum. Mittlerweile gibt es jedoch minimal-invasive Verfahren, die Patientinnen sehr wenig belasten.

Paraurethrale Injektion: minimal-invasiv und schonend

Dazu zählt auch die Injektion eines Polyacrylamid-Hydrogels um die Harnröhre. Der Eingriff dauert ca. 15 Minuten und nach einer kurzen Beobachtungszeit können die Patientinnen in der Regel am nächsten Tag das Krankenhaus wieder verlassen. Das Gel wird in kleinen 0,3 bis 0,6 ml Dosen in das submuköse Gewebe um die Harnröhre injiziert. Nach der Applikation werden die Geldepots im umliegenden Bindegewebe integriert und bilden Poster, die helfen, die Harnröhre wieder dauerhaft zu schließen.
Das sterile Polyacrylamid-Hydrogel besteht zu 97,5% aus Wasser und zu 2,5% aus vernetzten Polyacrylamiden. Es ist nicht toxisch, migriert nicht, ist nicht allergen, wird nicht vom Körper abgebaut und es treten in der Regel keine langfristigen Nebenwirkungen auf. Der Eingriff kann zudem wiederholt werden.
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