07.09.2011

Postoperative Wundinfektionen: Bakterien auf dem Vormarsch

Durch die Verwendung von antibakteriell beschichtetem Nahtmaterial lässt sich das Risiko einer postoperativen Wundinfektion minimieren

Eltville, 01. Juli 2011 (Aktion Meditech) – Die aktuellen EHEC-Infektionen in Deutschland zeigen erneut, wie wichtig das Thema Hygiene für die Gesundheitsvorsorge ist. Dies gilt im Besonderen für Gesundheitseinrichtungen, wo sich infektiöse multiresistente Erreger immer schneller ausbreiten: Etwa 400.000 bis 600.000 Patienten erkranken jährlich in Deutschland an Krankenhausinfektionen, die die Verweildauer in der Klinik verlängern und unter Umständen sogar zum Tode führen können. Unter allen Krankenhausinfektionen stellen postoperative Wundinfektionen die größte Gruppe dar und sind ein Problem aller chirurgischen Fachdisziplinen. Diese Infektionen werden durch Bakterien verursacht, die unter anderem chirurgische Implantate wie zum Beispiel Nahtmaterial besiedeln.

Die meisten postoperativen Infektionen werden während des Eingriffs erworben. Unabhängig von der Art des Eingriffs stammen die Keime dabei meist aus der so genannten endogenen Flora des Patienten, seltener aus einer exogenen Mikrobenquelle wie der Luft oder der unbelebten Umgebung. Es gibt zahlreiche Faktoren, die bestimmen, ob es zu einer postoperativen Wundinfektion kommt. Dazu gehören unter anderem die Art der Wunde, ihre Tiefe und Lokalisation sowie der Grad der Gewebeperfusion (Blutfluss). Bei Fremdkörperimplantaten einschließlich Nahtmaterial oder Klammern reichen oft schon einige hundert Bakterien zur Entstehung einer Infektion aus. „Kritisch ist dabei, dass die Erreger das Nahtmaterial besiedeln können, das damit als Gleitschiene der Infektion in den Körper dient“, sagt Prof. Dr. med. Axel Kramer, Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Universtätsmedizin Greifswald. Problematisch ist zudem, dass die an den Fäden kolonisierten Bakterien einen so genannten Biofilm bilden können. Ein Biofilm besteht aus einer dünnen Schleimschicht, in der die Mikroorganismen eingebettet sind. Dieser stellt eine mikrobielle Überlebensstrategie dar und ist eine Herausforderung für die Antibiotikatherapie: Bakterien in Biofilmen sind bis zu tausendmal resistenter gegenüber Chemotherapeutika als nicht festsitzende Bakterien. Welche Bedeutung das Nahtmittel bei der Infektionsverhütung spielt, verdeutlichen auch folgende Zahlen: Der beispielsweise für eine Bauchnaht eingesetzte chirurgische Faden kann eine Oberfläche von etwa 130 Quadratzentimetern besitzen. Dies entspricht in etwa der Oberfläche einer Seite einer CD-Hülle. Auf diese Fläche passen in einschichtiger Lage etwa 325 Milliarden Bakterien, bei Ausbildung eines mehrschichtigen Biofilms sogar über eine Billion!

Infektionen vermeiden

Die konsequente Einhaltung von Hygieneregeln und der verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika sind wesentliche Waffen gegen Klinikkeime. Wichtig ist jedoch ein umfassendes Infektionsverhütungskonzept. Im Falle der postoperativen Wundinfektionen ist der Einsatz von antibakteriell beschichtetem Nahtmaterial ein entscheidender Faktor. „Es bildet um den chirurgischen Faden eine Hemmzone gegen die häufigsten Erreger und bietet damit ein zusätzliches Maß an Sicherheit für den Patienten“, erläutert Kramer. Der Faden ist mit dem Wirkstoff Triclosan beschichtet, der sich als ein sehr gut geeignetes Antiseptikum – also Desinfektionsmittel – erwiesen hat. Triclosan schädigt die innere Zellwand der Bakterien und verhindert so deren Vermehrung. Die Erreger können sich nicht mehr am Nahtmaterial niederlassen, da sie vorher abgetötet werden. Die Substanz wirkt gegen ein breites Spektrum an Erregern und reduziert auch die Biofilmbildung. Für den Chirurgen ist wichtig, dass darüber hinaus Triclosan keine Auswirkungen auf die Handhabungs- und Materialeigenschaften des Fadens hat. Die antibakteriell beschichteten Nahtmaterialien können daher für die gleichen Indikationen verwendet werden wie ihre Pendants ohne antimikrobielle Imprägnierung.
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