02.12.2010

Tuberkulose wieder auf dem Vormarsch

Für eine wirksame Therapie der lebensbedrohlichen Infektion ist eine schnelle Diagnose entscheidend – neue, automatisierte Testverfahren können dabei Leben retten

Eltville, 02. Dezember 2010 (Aktion Meditech)
Die Infektionskrankheit Tuberkulose (TB) gewinnt in Europa seit einigen Jahren wieder an Bedeutung. Neue, automatisierte Testverfahren können dem Arzt helfen, schnell die richtige Diagnose zu stellen und die passende Therapie einzuleiten. Rechtzeitig erkannt, ist Tuberkulose dann in vielen Fällen sogar heilbar. Dass Tuberkulose noch immer eine ernstzunehmende Gefahr darstellt, erlebte die Öffentlichkeit erst vor wenigen Monaten, als mitten in Europa, im schweizerischen Baar, 16 Schüler an der lebensgefährlichen Infektion erkrankten. Verantwortlich für den Vormarsch der Tuberkulose sind vor allem eine erhöhte Migration, medikamentenresistente Erregerstämme sowie HIV-Infektionen.

Weltweit ist Tuberkulose nach wie vor die am häufigsten zum Tode führende Infektionskrankheit. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist etwa ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Bakterium infiziert. Besonders alarmierend: Jedes Jahr treten weltweit mehr als acht Millionen Neuinfektionen auf, davon sind rund 500.000 Fälle durch multiresistente Erreger verursacht. Diese Stämme sind resistent gegen ein oder mehrere Tuberkulosemedikamente (spezielle Antibiotika) – zumeist ist die Standardtherapie in diesen Fällen wirkungslos; umso bedeutsamer ist eine schnelle, exakte Identifizierung der Erreger mit Hilfe moderner Testverfahren. „Nur durch eine zeitnahe, verlässliche Diagnose gelingt es, dem Patienten rasch eine adäquate, individuelle Antibiotikatherapie zu verabreichen. Seine Überlebenschancen steigen dadurch erheblich und letztlich wird auch die Verbreitung der Infektion eingedämmt“, erklärte der Facharzt für Lungenheilkunde Dr. med. Ulf Greinert.

Symptome häufig nicht eindeutig

In Deutschland leben momentan rund 4.500 Menschen mit dieser meldepflichtigen Erkrankung, die von Mykobakterien, meistens vom sogenannten Mykobakterium tuberkulosis, verursacht wird. Sehr häufig sind die Lungen von den Erregern befallen. Verbreitet wird TB als klassische Tröpfcheninfektion: Die Bakterien werden durch Sekrettröpfchen übertragen, die der Infizierte beim Husten oder Sprechen an die Umgebung abgibt. In 90 Prozent der Fälle bricht die Tuberkulose bei Menschen mit einem intakten Immunsystem nicht aus, während die Bakterien bei einer geschwächten Immunabwehr „freie Bahn“ haben. Besonders kritisch: Die typischen Symptome wie lang anhaltender Husten, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Kurzatmigkeit treffen auf eine Vielzahl an Krankheiten zu, wodurch es dem Arzt erschwert wird, die richtige Diagnose zu stellen. „Nicht selten verhindern zudem ungenaue, langsame Testmethoden eine frühzeitige, lebensrettende Behandlung“, so Dr. Greinert. Mit dramatischen Folgen: Mehr als 50 Prozent der TB-Patienten sterben innerhalb von zwei Jahren, sofern keine zielgerichtete Therapie eingeleitet wird.

Schnelle Diagnose entscheidend

Der Faktor Zeit ist für eine erfolgreiche Therapie der Tuberkulose ausschlaggebend. Rechtzeitig erkannt, ist diese fast immer mit einer effektiven Antibiotikatherapie innerhalb von sechs bis acht Monaten heilbar. Voraussetzung ist eine frühzeitige, genaue Diagnose. Problem: Die Ausbreitung von medikamentenresistenten Bakterienstämmen, die von bisherigen Analyseverfahren nicht zuverlässig und schnell genug entdeckt werden konnten.

Gewissheit für Arzt und Patient

Bei der neuesten Testmethode werden auf Basis einer Sputumprobe (Auswurf) des Patienten Erreger in flüssigem Nährmedien angezüchtet. Meistens führen spezialisierte Laboratorien diese Untersuchungen durch. Nach nur sieben Tagen ist eine ausreichende Anzahl an Erregern herangewachsen, um Resistenzen nachweisen und ihren Typ bestimmen zu können. Nach etwa 15 Minuten werden die Bakterien mittels eines Streifentests identifiziert und bei positiver Testung im Anschluss mit Hilfe des Analyseautomaten auf Medikamentenresistenzen untersucht. Im Gegensatz zu bisherigen Verfahren kann die Diagnose deutlich schneller gestellt und dem Patienten frühzeitig geholfen werden.
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