29.07.2010

Ein lebensrettender Schock

Studie zeigt: Spezieller Schrittmacher mit integriertem Defibrillator rettet bei Herzinsuffizienz Frauenleben

Ein lebensrettender SchockEltville, 29. Juli 2010 (Aktion Meditech)
Alleine in Deutschland leiden circa eineinhalb Millionen Menschen an einer Herzinsuffizienz. Bei vielen von ihnen entgleist zudem plötzlich die elektrische Erregung der Herzkammern und die Pumpleistung des Herzens sinkt auf Null. Mediziner sprechen dann von einem Kammerflimmern, das ohne sofortige Behandlung zum Plötzlichen Herztod führt. In diesen Fällen kann ein spezieller Herzschrittmacher mit eingebautem Defibrillator (CRT-D) Leben retten. Eine aktuelle Studie amerikanischer Herzspezialisten hat nun gezeigt, dass insbesondere an der Herzmuskelschwäche erkrankte Frauen von einem CRT-D Gerät profitieren.

Weltweit diagnostizieren Mediziner jährlich fast eine Million neue Fälle von Herzinsuffizienz. Alleine hierzulande werden im Jahr circa 265.000 Betroffene stationär in einer Klinik aufgenommen, rund 100.000 Menschen versterben. Die meisten davon am Plötzlichen Herztod, einem unerwartet eintretenden Kreislaufstillstand.

Aus dem Lebensrhythmus

Der Schlag unseres Herzens begleitet uns ein Leben lang, seinem Takt folgt unser ganzer Organismus. Herzinsuffizienz ist eine langsam fortschreitende Erkrankung, bei der das Herz mit der Zeit immer mehr aus dem Rhythmus kommt: Es wird schwächer, das Zusammenspiel der Kammern geht verloren, wodurch nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper gepumpt wird. Der Unterschied bei den Geschlechtern: Bei Frauen erkrankt in der Regel das gesamte Herz, bei den Männern häufig nur einzelne Abschnitte. Die allgemeingültigen Symptome wie Atemlosigkeit und Müdigkeit treten anfangs nur bei körperlicher Belastung auf, später auch in Ruhe. Die Behandlung der Herzschwäche erfolgt heute medikamentös. Die Medikamente können allerdings nur die Symptome lindern, den notwendigen koordinierten Herzrhythmus stellen sie nicht wieder her. Deshalb greifen Kardiologen bei der Behandlung der Patienten häufig auf eine spezielle Schrittmacher-Therapieform, die so genannte Cardiale Resynchronisations Therapie (CRT) zurück. Voraussetzung für deren Einsatz: Die Kontraktionskraft des Herzens ist durch eine unkoordinierte Pumpbewegung des Herzens reduziert. Die Praxis zeigt, dass Frauen diesen speziellen Schrittmacher zur Herstellung des regelmäßigen Herzschlags traditionell seltener oder erst später eingesetzt bekommen als männliche Herzpatienten. Das ist unter anderem damit zu erklären, dass die Erkrankungs-Symptome bei Frauen häufig weniger eindeutig feststellbar sind bzw. nur selten Enge oder Schmerzen in der Brust auftreten. Zudem nehmen Frauen Vorboten oft nicht ernst oder bringen sie nicht mit einem möglichen Infarkt in Verbindung – so erfolgt die Diagnose meist auch später. Frauen haben oft auch eine größere Hemmschwelle vor operativen Eingriffen als Männer.

CRT-D: Rettender Schock

Manche Patienten leiden nicht nur unter einem unkoordinierten Zusammenspiel der Kammern, sondern auch unter zu schnellem Herzschlag. Sie haben dadurch ein neunfach erhöhtes Risiko, ein Kammerflimmern zu erleiden. Ein gezielter elektrischer Schock (Defibrillation) kann das Flimmern beenden, der Herzschlag wird wieder regelmäßig. Viele CRT-Geräte verfügen deshalb über einen eingebauten Defibrillator (CRT-D). Das technisch anspruchsvolle Implantat erkennt automatisch die Gefahr und gibt dann den rettenden Schock ab. Durch ihn zucken alle Herzmuskeln gleichzeitig zusammen und entspannen sich dann wieder. Das Herz kann dadurch wieder kontrolliert und gleichmäßig schlagen. Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt, dass die CRT-D-Therapie gerade herzkranke Frauen vor dem Herzversagen bewahrt. Deren Sterblichkeit senkt sich durch das Gerät um 73 Prozent. Ereignisse, die durch die Herzinsuffizienz bedingt sind, konnten um 70 Prozent reduziert werden. Grund für die sehr guten Behandlungserfolge ist die spezielle Ausprägung der Herzerkrankung bei Frauen: Sie ist meist nicht-ischämisch, betrifft also das ganze Herz und nicht nur bestimmte Regionen. Bei dieser Art der Herzerkrankung kann das Gerät besonders erfolgreich intervenieren. Es gilt nun, auch Frauen häufiger und früher – wenn dies medizinisch sinnvoll ist – mit dem richtigen Herzschrittmacher zu versorgen und so Leben zu retten.
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