26.05.2009

Wenn der Körper Schwäche zeigt: "Drei starke Helfer"

Schonende Therapien mit Hilfe von innovativen Medizintechnologien

Wenn der Körper Schwäche zeigt: "Drei starke Helfer"Eltville, 26.05.2009 (Aktion Meditech)
Es gibt sie, die starken medizinischen Helfer: Moderne Therapieverfahren, die Patienten bei Beckenbodensenkungen, Wirbelkörperbrüchen, sowie Schlafapnoe helfen können. Manchmal sind sie aber den Betroffenen nicht bekannt. Aktion Meditech stellte im Rahmen des 5. Medien-Seminars Ende April 2009 in Hamburg drei dieser schonenden und sicheren Behandlungsmethoden vor: die Beckenbodenchirurgie mithilfe von Kunststoffnetzen, die Osteoporose-Therapie bei Wirbelbrüchen mit den Verfahren Vertebroplastie und Ballonkyphoplastie, sowie die kontinuierliche Druckbeatmung zur Behandlung der Schlafapnoe.

Wie von Beckenbodensenkung betroffenen Frauen mit einem schonenden minimal-invasiven Eingriff geholfen werden kann, zeigte Dr. med. Christiane Thein, Chefärztin der Gynäkologie der Asklepios Klinik Wandsbek. Dabei wird dem Patient ein Kunststoffnetz eingesetzt. Dieses ist teilweise resorbierbar d.h. ein Großteil wird vom Körper innerhalb von knapp 3 Monaten abgebaut, der Rest wächst als stützende Struktur im Bindegewebe ein. "Das Netz stärkt erschlafftes Gewebe und gibt den abgesackten Organen wieder dauerhaft Halt," so Thein.

Senkungen des Beckenbodens sind bei Frauen über 50 Jahren eines der häufigsten gynäkologischen Leiden. Fast jede zehnte Frau in Deutschland ist von dieser Krankheit betroffen. Ursache ist ein allmähliches Versagen der Beckenbodenmuskulatur, welche schließlich zu einem Absacken der Genitalien führt. In schweren Fällen kann sich die Scheide vollständig nach außen stülpen.

Mit Knochenzement gegen schmerzhafte Wirbelbrüche

Osteoporose kann durch die verminderte Tragfähigkeit des Knochengerüstes schmerzhafte Wirbelkörpereinbrüche zur Folge haben. In Deutschland sind jährlich ca. 75.000 Patienten - meist Frauen, davon betroffen. Die Langzeitfolgen unbehandelter Wirbelkörperfrakturen sind fatal: Die Patienten haben ein 24 Prozent höheres Sterblichkeitsrisiko, beispielsweise durch Lungen-erkrankungen, als Gesunde.

Zwei relativ neue Verfahren, die Ballonkyphoplastie und die Vertebroplastie, nutzen die stabilisierende Wirkung von Knochenzement. Bei der Ballonkyphoplastie wird entweder unter Lokalanästhesie oder auch Vollnarkose zunächst über einen sehr schmalen Schnitt ein "Kanal" zum eingebrochenen Wirbelkörper gelegt. Durch diesen wird ein spezieller Ballon mittels Katheter in den Wirbel eingeführt. An Ort und Stelle dehnt sich der Ballon vorsichtig auf - so wird die Höhe des zusammengefallenen Wirbelkörpers wieder hergestellt. Ist die richtige Position erreicht, entfernt der Arzt den Ballon wieder. In einem weiteren Schritt wird der entstandene Hohlraum unter Röntgenkontrolle mit einem speziellen, dickflüssigen Knochenzement ausgefüllt, der Knochen dadurch gestützt, die Fraktur stabilisiert und der Wirbelkörper kann in natürlicher Stellung verheilen.

Die Vertebroplastie verläuft in großen Teilen ähnlich der Ballonkyphoplastie. Dr. med. Clayton Kraft, Chefarzt der Klinik für Orthopädie Helios Klinikum Krefeld, erläuterte in seinem Vortrag, dass bei der Vertebroplastie statt eines Ballons unter Röntgenkontrolle eine Nadel direkt in den betroffenen Wirbelkörper eingesetzt werde. Danach leite der Operateur Knochenzement hinein und stabilisiere so den Wirbel.

Eindrücklich veranschaulicht wurde das Verfahren der Ballonkyphoplastie durch den Bericht von Werner Kantehm, der unter vier Wirbelbrüchen litt und im Januar 2009 erfolgreich behandelt wurde. Kantehm machte deutlich, welche Qualen er vor dem Eingriff zu durchleiden hatte: "Es war beinahe unerträglich. Durch die Behandlung sind die Schmerzen stark zurückgegangen und ich kann nun endlich wieder normal leben." Die Ballonkyphoplastie kann den Betroffenen nicht nur zu einer starken Schmerzlinderung verhelfen, sondern auch zu einer "signifikanten Verbesserung des Allgemeinbefindens und der Lebensqualität beitragen", unterstrich Prof. Leonard Bastian, Direktor der Klinik für Orthopädie Klinikum Leverkusen und behandelnder Arzt von Werner Kantehm, in seinem Vortrag.

Schlafapnoe ist mehr als nur lästiges Schnarchen

Die Schlafapnoe geht nicht nur mit einem gestörten Schlaf und lautem Schnarchen einher, sondern mit regelmäßigen Atemstillständen. Der Körper schützt sich vor dem drohenden Ersticken durch Weckreaktionen, die einerseits den normalen Schlaf stören und bei denen andererseits Stresshormone ausgeschüttet werden. Langfristig führt das zu einer Schädigung des Herz-Kreislaufsystems, und die Schlafstörung bewirkt eine verstärkte Tagesmüdigkeit mit Einschlafneigung. "Atemaussetzer können bis zu 60 Sekunden oder in Einzelfällen sogar länger andauern. Wird die Schlafapnoe nicht behandelt, so haben die Betroffenen ein stark erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall", warnte Prof. Heinrich Becker von der Abteilung für Pneumologie und internistische Intensivmedizin der Asklepios Klinik in Barmbek. Genau an diesem Punkt kommt der dritte starke Helfer ins Spiel: Mithilfe von Beatmungsgeräten mit kontinuierlichem positiven Atemdruck (n-CPAP = nasal-Continuous Positive Airway Pressure) gelingt eine erfolgreiche Behandlung der Schlafapnoe. Die nächtlichen Atemstillstände werden nahezu komplett verhindert, die Sauerstoffsättigung des Körpers normalisiert sich. Die Patienten schlafen wieder erholsam und die Tagesmüdigkeit wird beseitigt. Weiterer Vorteil: Durch den erholsameren Schlaf kommt es zu einer nachweislich besseren Konzentrationsfähigkeit am Tag und weniger Unfällen durch gefährlichen Sekundenschlaf.
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