24.10.2008

Kleine Röhrchen - große Wirkung

Mit medikamente-freisetzenden Stents Bypass-OP vermeiden

Kleine Röhrchen - große WirkungEltville, 24.10.2008 (Aktion Meditech)
Durchblutungsstörungen des Herzens führen in Deutschland jährlich zu fünfmal mehr Todesfällen als der gefürchtete Herzinfarkt. Wenn auch relativ unbekannt, ist die so genannte Koronare Herzkrankheit (KHK) damit wohl die gefährlichste Zivilisationskrankheit. Sind die Herzkranzgefäße durch Ablagerungen an den Arterienwänden verengt, werden bestimmte Bereiche des Herzens nicht mehr ausreichend mit lebenswichtigem Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Früher oder später kann es sogar zu lebensbedrohlichen Verschlüssen der Arterien kommen. Anzeichen für eine KHK sind häufig vom Brustkorb ausstrahlende Schmerzen, Kurzatmigkeit und ein beklemmendes Engegefühl in der Brust (Angina Pectoris). Um die tödliche Gefahr der KHK zu bannen, mussten die Ärzte bisher häufig eine aufwändige Bypass-Operation vornehmen. Seit einiger Zeit steht den Medizinern eine Methode zur Verfügung, die ohne eine OP am offenen Herzen auskommt: die Dehnung der verengten Herzkranzgefäße mit anschließender Abstützung durch ein kleines medikamentefreisetzendes röhrchenähnliches Metallgeflecht.

Eine KHK bedeutet, dass die Kranzgefäße, die das Herz mit Blut versorgen, durch Ablagerungen an den Arterienwänden verengt oder sogar blockiert werden. Allmählich und anfangs vom Patienten unbemerkt, setzen sich dabei die lebenswichtigen Gefäße zu; Mediziner sprechen von Atherosklerose. Wird diese chronische Erkrankung nicht behandelt, kann sie einen tödlichen Verlauf nehmen. Doch steht den Ärzten heute eine ganze Reihe von effektiven Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Häufig wird mit einer medikamentösen Behandlung begonnen, um den Sauerstoffverbrauch des Herzens zu senken und so die Versorgung zu verbessern. Reichen Medikamente zur Linderung der Symptome nicht mehr aus, werden die Engstellen in den Gefäßen häufig mechanisch beseitigt: Über einen Katheter wird ein kleiner Ballon in dem verengten Gefäß platziert, der die betroffene Stelle aufdehnt (medizinisch: Ballondilatation). Da sich nach einiger Zeit die gedehnten Arterien wieder verengen können, setzen die Kardiologen häufig während der Ballondilatation einen Stent ein. Dieses röhrenähnliche Metallgeflecht aus Edelstahl oder speziellen Legierungen (Kobalt-Chrom-Legierungen), stützt das Gefäß ab und hält es offen.

In der Mehrzahl der Fälle kommt ein unbeschichteter Stent (BMS) zum Einsatz, bei dem die Wahrscheinlichkeit recht hoch ist, dass in der Folge operiert werden muss bzw. ein erneuter Kathetereingriff erforderlich ist. Tritt eine Wiederverengung ein, ist häufig eine Bypass-Operation unumgänglich. Dabei handelt es sich um einen aufwändigen Eingriff, für den der Brustkorb geöffnet werden muss und zwischen Hauptschlagader (medizinisch: Aorta) und Herzkranzgefäß eine künstliche Umleitung geschaffen wird. Die Bypass-OP dauert oft mehrere Stunden und birgt durch den Eingriff am offenen Herzen ein nicht unerhebliches Risiko.

Mit Beschichtung deutlich effektiver

Die Einführung so genannter medikamente-freisetzender Stents (Drug Eluting Stents, DES) bringt neue Hoffnung auf einen nachhaltigen Therapieerfolg für die Patienten, die sich einer Ballondilatation unterziehen müssen. Die neuen Stents sind mit Wirkstoffen beschichtet, die gezielt das Zellwachstum hemmen und eine erneute Behinderung des lebenswichtigen Blutstroms verhindern. In der ersten Zeit nach der Stentimplantation gibt der Stent das Medikament langsam an das umliegende Gewebe ab. So wird der unkontrollierten Zellvermehrung und damit der Wiederverengung bzw. dem Wiederverschluss des Gefäßes vorgebeugt; das Herz wird weiterhin mit ausreichend Sauerstoff versorgt. DES verbinden die mechanische Wirkung der Gefäßabstützung mit dem gezielten Einsatz bewährter Wirkstoffe. Laut neuesten Studien sinkt das Risiko eines Wiedereingriffs für den Patienten um über 50 Prozent gegenüber den unbeschichteten Stents!

Im Ausland bereits etabliert

Die Vorteile der neuen Stents haben andere Länder frühzeitig erkannt. In Portugal, der Schweiz oder den USA werden bereits 60-85 Prozent aller Patienten damit versorgt. In Deutschland hingegen liegt die Rate bei nur rund 40 Prozent. Die Zurückhaltung hierzulande hat hauptsächlich Kostengründe. Der Einsatz der modernen Stents erfolgt nach strengen medizinischen Kriterien: Hochrisikopatienten – z.B. Diabetiker oder Menschen mit besonders langen Läsionen, kleinen Gefäßen oder wiederholten Verengungen – erhalten häufiger den neuen Stenttyp. Bei scheinbar „unkomplizierten“ Verengungen der Herzkranzgefäße wird in der Regel auf eine herkömmliche Gefäßstütze zurückgegriffen. Ob ein DES bei einer Gefäßverengung in Frage kommt, kann am besten der behandelnde Kardiologe beurteilen.
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