29.04.2008

Einleuchtend sicher

Mit Licht gegen Hirnschäden bei Herz-OPs

Einleuchtend sicherEltville, 29.04.2008 (Aktion Meditech)
Herzerkrankungen betreffen nicht nur Erwachsene, sondern auch Neugeborene und Kleinkinder. Rund eine Million Patienten werden jedes Jahr in Deutschland am Herzen oder an den das Herz versorgenden Blutgefäßen operiert, darunter zahlreiche Kinder. Alleine 6.000 davon im Säuglingsalter oder als Frühgeborene aufgrund angeborener Herzfehler. Und das nicht ohne Risiko: Jeder Eingriff mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist eine enorme Belastung für den Kreislauf. Wenn das Gehirn während der Operation nicht ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt wird, drohen fatale Folgen wie Gedächtnisstörungen, Koma oder ein so genannter unblutiger Schlaganfall. Mittlerweile gibt es jedoch Verfahren, mit denen die Sauerstoffversorgung des Gehirns während der Operation überwacht werden kann - das Risiko von Hirnschäden sinkt dadurch erheblich.

Probleme mit dem Herzen? Wenn es nur Liebeskummer wäre! Doch meist sind Herzprobleme gleichbedeutend mit schwerwiegenden Erkrankungen des Herzens und können nur durch eine Operation behandelt werden. Für viele Herzpatienten ist es ein Schock, wenn sie vom Arzt erfahren, dass ihnen nur ein operativer Eingriff helfen kann. Wenn sie dann über die möglichen Komplikationen der Operation aufgeklärt werden, wachsen die Ängste noch. Gerade Eltern reagieren unsicher, wenn sie vor der Frage stehen, ob sie ihr krankes Kind, das körperlich noch nicht so ausgereift ist wie ein Erwachsener, einem solchen möglichen Risiko aussetzen sollen.

Risiko Herzoperation

Nicht immer können Ärzte bei einer Operation eine mangelhafte Sauerstoffversorgung des Gehirns rechtzeitig erkennen. Herkömmliche Parameter wie Blutdruck oder Herzschlagfrequenz geben nur begrenzt Auskunft über die ausreichende Versorgung des Gehirns oder anderer Organe mit Sauerstoff. Bei einem Viertel der Patienten droht deshalb während der Operation eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Jährlich erleiden rund 100.000 Patienten der Herz- oder Gefäßchirurgie dieses Schicksal mit teilweise gravierenden gesundheitlichen Folgen: Sie haben in Folge des Eingriffs Gedächtnisschwierigkeiten, neurologische Ausfälle oder liegen sogar zeitweilig im Koma. Nun bekommen die Mediziner im Kampf gegen solche Hirnschäden effektive Unterstützung durch das Verfahren der Cerebraloxymetrie.

Rotes Licht für mehr Sicherheit

Was sich kompliziert anhört, ist vom Prinzip her ganz einfach: Mit Hilfe von speziellen, ungefährlichen Lichtstrahlen kann der Anästhesist während der Operation die Sauerstoffversorgung beider Gehirnhälften überwachen. Zu Beginn des Eingriffs werden zwei Sensoren auf der Stirn des Patienten angebracht. Sie senden schwache rote und infrarote Lichtsignale durch den Schädel hindurch in die Großhirnrinde, wo sie auf Blutkörperchen treffen und reflektiert werden. Ähnlich wie bei einem Echolot wird die Reflektion der Signale an einem Monitor ausgewertet. Und so funktioniert es: Das Verfahren bestimmt die Sauerstoffversorgung anhand der Farbintensität der roten Blutkörperchen. Es nutzt dazu einen bekannten Mechanismus des menschlichen Körpers: Blut, das mit weniger Sauerstoff angereichert ist, sieht eher dunkelrot bis bläulich aus, während sauerstoffgesättigtes Blut hellrot ist.

Vorteil Echtzeit-Überwachung

Das Besondere an dem Verfahren: Die Überwachung ist in Echtzeit möglich, das heißt ohne zeitliche Verzögerung. Denn bei plötzlichem Sauerstoffmangel im Gehirn zählt jede Sekunde! Durch das neue Verfahren ist der Anästhesist zu jedem Zeitpunkt über die Sauerstoffsättigung informiert und kann notfalls sofort eingreifen. Damit kann bleibenden Hirnschäden heute effektiv vorgebeugt werden. Eine Studie von Wissenschaftlern der kanadischen Universität Ontario belegt: Dank der Cerebraloxymetrie kann der Anteil der Patienten, die durch eine koronare Bypass-Operation zum Teil dauerhafte Schädigungen am Gehirn erleiden, von 12,5 auf zwei Prozent gesenkt werden!

Aktion Meditech empfiehlt deshalb Patienten, denen eine große Operation an Herz oder Halsschlagader bevorsteht, sich im jeweiligen Krankenhaus danach zu erkundigen, ob die Cerebraloxymetrie dort bereits eingesetzt wird.
Besuchen Sie uns auf Facebook Besuchen Sie uns auf Twitter