06.07.2007

MRSA: Keine Chance den Keimen

Schnelltests helfen, gefährliche Krankenhausinfektionen einzudämmen

MRSA: Keine Chance den KeimenEltville, 06.07.2007 (Aktion Meditech)
Weit über 200 Menschen infizierten sich kürzlich mit dem Salmonellen-Erreger. Und das im Krankenhaus Fulda – einem Ort, an dem eigentlich peinliche Hygiene herrschen sollte. Auch ein weitaus gefährlicheres Bakterium profitiert zunehmend von den nachlässigen hygienischen Verhältnissen in deutschen Krankenhäusern: MRSA, ein Keim, der gegen alle gängigen Antibiotika resistent ist. Um ihn zu stoppen, müssen Hygienestandards strenger eingehalten werden und Träger des Keims bei der Aufnahme ins Krankenhaus frühzeitig identifiziert werden. Hier helfen moderne Schnelltests: Sie weisen MRSA innerhalb nur weniger Stunden nach und ermöglichen dem Krankenhaus, MRSA-Patienten zu isolieren, bevor sie den Erreger an weitere Personen übertragen können.

MRSA ist ein Bakterienstamm, der auf der Haut oder den Schleimhäuten ganz natürlich vorkommen kann. Einem gesunden Menschen kann er nichts anhaben. Ist der Körper allerdings immungeschwächt, kann eine MRSA-Infektion verheerende Folgen haben: Entzündungen von Lunge oder Knochenmark, schlecht heilende Wundinfektionen, Abszesse innerer Organe und Blutvergiftungen. Nach Schätzungen von Experten infizieren sich jedes Jahr bis zu 50.000 Menschen mit dem gefährlichen Erreger, rund 1.500 bezahlen die Infektion mit ihrem Leben.

Unsichtbare Gefahr

Was den Erreger so gefährlich macht, ist seine Immunität gegen alle gängigen Antibiotika: Nur wenige Medikamente können überhaupt etwas gegen MRSA ausrichten und oft haben sie erhebliche Nebenwirkungen. Problematisch ist auch, dass der Keim sehr widerstandsfähig ist. Er verträgt Trockenheit und Wärme und kann auch auf unbelebten Oberflächen wie Türklinken oder Kleidung lange überleben. Ein einfacher Händedruck genügt und er wandert von einer Person zur nächsten. Tückisch ist auch, dass eine Besiedelung mit MRSA ohne einen speziellen Test von außen nicht erkennbar ist. Der unsichtbare Begleiter reist auf der Haut oder der Kleidung mit und wird unbemerkt weitergegeben. Der häufigste übertragungsweg sind die Hände des Krankenhauspersonals – bereits eine konsequentere Händedesinfektion könnte das Problem MRSA verringern.

Dem Keim Einhalt gebieten

Viele Patienten bringen den Erreger zum Beispiel von vorherigen Krankenhausaufenthalten bereits in die Klinik mit. Gelingt es, sie gleich bei der Aufnahme mithilfe eines so genannten Screenings zu identifizieren, kann eine weitere Verbreitung verhindert werden. Bislang dauerte der Nachweis mit herkömmlichen Screening-Verfahren rund zwei Tage. Konsequenterweise müssten alle getesteten Patienten bis zum Vorliegen des Ergebnisses vorsorglich isoliert werden. Eine Maßnahme, die sich kein Krankenhaus logistisch oder finanziell erlauben kann. Innerhalb der für den Nachweis benötigten 48 Stunden kann ein MRSA-Träger den Keim allerdings bereits an alle Personen in seiner Umgebung unbewusst weitergegeben haben. Mit innovativen, so genannten PCR-Testverfahren, die einen ganz spezifischen genetischen Code der Bakterien-DNA identifizieren, kann MRSA jetzt bedeutend schneller nachgewiesen werden – teilweise schon innerhalb von zwei Stunden. Damit gewinnt das Krankenhaus einen entscheidenden Vorsprung gegenüber dem Keim: Nicht betroffene Patienten können schnell aus der Isolation entlassen und MRSA-Träger adäquat versorgt werden, bevor es zu weiteren Ansteckungen kommen kann.

Langfristig denken

Angesichts der stetig steigenden MRSA-Raten in deutschen Krankenhäusern wundert es, dass so wenig gescreent wird. Infiziert sich ein Patient im Krankenhaus mit MRSA, muss er im Schnitt zehn bis fünfzehn Tage länger stationär behandelt werden und verursacht Kosten von mehreren tausend Euro, die das Krankenhaus zum Teil selbst tragen muss. Einige Kliniken haben bereits die Konsequenzen gezogen und sind dazu übergegangen, zumindest Risikopatienten bei der stationären Aufnahme auf MRSA zu testen. Sie haben erkannt, dass sich das Screening für ihre Patienten, aber auch für sie selbst, langfristig auszahlt.
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