29.11.2006

Rückenschmerzen und kein Ende?

Bei schweren chronischen Schmerzen helfen Medikamentenpumpen und Nervenstimulation

Rückenschmerzen und kein Ende?Eltville, 29.11.2006 (Aktion Meditech)
Wer kennt das nicht? Es kneift und sticht, jede Bewegung tut weh, manchmal selbst im Sitzen oder Gehen: Rückenschmerzen können quälend sein. Oft hilft eine Wärmflasche oder Rückengymnastik. Was aber, wenn die Schmerzen den gesamten Alltag bestimmen und selbst starke Arzneimittel nicht mehr wirken? Das kann für die Geplagten Arbeitsunfähigkeit oder sogar Frühverrentung heißen. Für sie besteht jedoch Hoffnung, denn implantierbare Medikamentenpumpen und die so genannte Nervenstimulation lindern selbst schwerste Schmerzen.

Rückenschmerz kann viele Ursachen haben wie langes Sitzen am Schreibtisch, falsche Bewegungsabläufe oder den Umgang mit schweren Lasten. Schlimmer aber sind Rückenschmerzen, die z.B. durch Krebs, einen schweren Unfall oder einen Bandscheibenvorfall verursacht werden. Werden sie chronisch und helfen Krankengymnastik und Schmerzmittel nicht mehr, gilt der Patient als "austherapiert" und steht mit seinem Problem oft allein da.

Schmerzliche Erinnerung

Wie werden Schmerzen chronisch? Unser Körper kann ein Schmerzgedächtnis entwickeln. Bei Verletzungen beispielsweise schicken Schmerzsensoren pausenlos einen Schmerzreiz über das Rückenmark an unser Gehirn. Passiert dies über längere Zeit, "merkt sich" der Körper den Vorgang und wir empfinden selbst dann noch Schmerzen, wenn die Ursache längst beseitigt ist. Gleichzeitig gewöhnt sich der Körper an die Schmerzmittel, so dass deren Wirkung allmählich nachlässt.

Aus dem Bauch heraus

Zwei Verfahren können vielen "austherapierten" Patienten dennoch helfen: die Nerven- bzw. Neurostimulation und implantierbare Medikamentenpumpen. Bei der Nervenstimulation dämpfen elektrische Impulse den Schmerz: Sie werden an das Rückenmark abgegeben und überlagern dort den Schmerzreiz. Die Betroffenen spüren ihn nicht mehr oder nur noch schwach. Ein kleiner Impulsgeber, ein so genannter Neurostimulator, wird hierfür unter die Bauchdecke implantiert und mit einer im Rückenmark eingesetzten Elektrode verbunden. Weil die Geräte von außen regulierbar sind, können Patienten die Therapie optimal auf ihre Bedürfnisse einstellen.

Medikamentenpumpen - ebenfalls im Bauchraum eingesetzt - betäuben den Schmerz, indem sie starke Schmerzmittel, so genannte Opioide, direkt an das Rückenmark abgeben. Dadurch ist nur noch ein Hundertstel der Menge erforderlich, die bei Tablettengabe verabreicht wird. Ein weiterer Positiv-Effekt sind weniger Nebenwirkungen.

Lieber nachgefragt

Obwohl sich beide Behandlungsmethoden bei chronisch Schmerzkranken bewährt haben, sind sie vielen Hausärzten unbekannt. Folge: Häufig erfahren die Betroffenen gar nicht oder eher zufällig davon. Das ist umso tragischer, als sie grundsätzlich ein Anrecht auf diese Verfahren haben - beide sind eine Kassenleistung. Welche Behandlung für sie in Frage kommt, kann nur der Arzt entscheiden. Fest steht: Je früher die Betroffenen in ihr altes Leben zurückkehren und wieder voll leistungsfähig sind, desto besser für sie selbst, ihre Familie und alle Beitragszahler.
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