24.04.2006

Neue Behandlungsmethode gegen Migräne?

Einsatz von Ankerschirmchen im Herzen kann Häufigkeit von Migräneattacken senken

Neue Behandlungsmethode gegen Migräne?Eltville, 24. April 2006 (Aktion Meditech)
Was hat ein "Loch im Herzen" mit Migräne zu tun? Eine erstaunliche Antwort gibt eine aktuelle Studie aus England, wie kürzlich im Deutschen Ärzteblatt (1) zu lesen war: Deutlich über die Hälfte der untersuchten Migränepatienten wies ein Loch in der Herzscheidewand auf, ein so genanntes persistierendes Foramen ovale (PFO). Weiterhin fand die Studie heraus, dass der Verschluss des PFO mit innovativen Ankerschirmchen die quälenden Kopfschmerzen zwar nicht vollständig verschwinden ließ, aber doch die Häufigkeit der Attacken um die Hälfte reduzieren konnte. Die Experten sind optimistisch, dass weitere Studien helfen werden, Patientengruppen zu identifizieren, für die der schonende Eingriff eine neue therapeutische Alternative in der Behandlung ihrer Migräne sein kann.

Migräne ist mit den Kopfschmerzen, die jeder hin und wieder einmal hat, nicht zu vergleichen. Rund 8 Millionen Menschen leiden allein in Deutsch-land unter den heftigen Schmerzattacken, die mit Übelkeit, Sehstörungen und schlimmstenfalls sogar mit Lähmungen einhergehen können. Mehrere Studien geben inzwischen Grund zur Hoffnung, dass Migräne-Patienten, die gleichzeitig ein Loch in der Herzscheidewand (PFO) haben, in Zukunft von der Alternative zur medikamentösen Behandlung profitieren könnten.

PFO - Gefahr für die Gesundheit

Der Defekt in der Herzscheidewand ist sehr verbreitet und bereitet meist keine gesundheitlichen Probleme. Unter bestimmten Umständen kann er allerdings einen Risikofaktor für einen Schlaganfall darstellen. Denn ein Blutgerinnsel kann durch die Öffnung vom rechten Vorhof des Herzens in den linken übertreten und vom Blutstrom ins Gehirn gespült werden, wo es ein Gefäß verstopft. Die Folge ist ein Schlaganfall oder dessen Vorläufer, ein vorübergehender Sauerstoffmangel im Gehirn, TIA (transitorische ischämische Attacke) genannt.

Hilfe dank Ankerschirmchen

Wird - zumeist erst nach einem Schlaganfall oder einer TIA - ein solches Loch im Herzen entdeckt, sollte es prophylaktisch verschlossen werden, um erneute Ereignisse zu verhindern. Früher mussten die Ärzte eine risiko-reiche Operation am offenen Herzen durchführen. Heute kann der Defekt dank innovativer Technologie in einem gerade einmal einstündigen Eingriff wirkungsvoll behoben werden. Der Kardiologe führt dazu per Katheter ein so genanntes Ankerschirmchen von der Leiste her durch das PFO hin-durch. Auf beiden Seiten des Loches wird jeweils eine kleine anker- bzw. schirmartige Vorrichtung aufgespannt und zusammengezogen, so dass sie den Defekt wie ein Deckel sicher verschließt. Das Ankerschirmchen passt sich der Herzscheidewand des Patienten an und wächst innerhalb weniger Monate ein.

Dass das in der Schlaganfallprophylaxe bereits etablierte Verfahren als Chance für die Migränebehandlung entdeckt wurde, geschah eher zufällig. Forscher fanden heraus, dass sich die Migräne von Patienten, deren PFO auf-grund eines erfolgten Schlaganfalls oder einer TIA verschlossen wurde, deutlich besserte oder ganz verschwand. Das Potenzial von PFO-Verschlusssystemen für die Migränetherapie wird derzeit in weiteren Studien untersucht.

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