17.11.2005

Neu: CRT hilft schwachen Herzen auf die Sprünge

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt Kardiale Re-synchronisations-Therapie (CRT) bei schwerer Herzinsuffizienz

Neu: CRT hilft schwachen Herzen auf die SprüngeEltville, 17. November 2005 (aktion meditech)
Etwa ein Drittel der unter fortgeschrittener Herzinsuffizienz leidenden Patienten spricht auf eine medikamentöse Behandlung nicht ausreichend an. Die ohnehin schon geschwächte Pumpleistung des Herzens ist oft noch zusätzlich durch eine Erregungsstörung des Herzmuskels beeinträchtigt. Die Lebenserwartung und die Lebensqualität der Patienten sinken dramatisch; schon bei kleinsten Anstrengungen geraten sie an ihre körperlichen Grenzen. In solchen Fällen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in ihren soeben erschienenen Leitlinien (1) die Kardiale Resynchronisation: Drei feine Elektroden synchronisieren die Arbeit der geschwächten Herzmuskelzellen durch elektrische Impulse und steigern dadurch maßgeblich die Leistungsfähigkeit, Lebensqualität und -erwartung der Patienten. Experten erwarten, dass dank der Leitlinien die Kardiale Resynchronisation zukünftig mehr herzinsuffizienten Patienten zugute kommt.

Herzinsuffizienz ist eine unerbittliche Erkrankung, an der weltweit ca. 22 Millionen Menschen leiden. Sie raubt den Betroffenen besonders im fortgeschrittenen Stadium mehr und mehr ihre Mobilität und Unabhängigkeit. Ein Drittel überlebt das erste Jahr nach Diagnosestellung nicht, mehr als die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb der ersten fünf Jahre an den Folgen ihrer Erkrankung. "Gerade die schwer betroffenen Patienten, die schon bei geringster Belastung außer Atem geraten, profitieren von der CRT", bestätigt Prof. Michael Block, Kardiologe an der Stiftsklinik Augustinum, München. "Ich habe Patienten erlebt, die nach der Implantation wieder in den dritten Stock steigen konnten." Eingesetzt wird der kleine Schrittmacher unter der Haut im Brustbereich. Von ihm gehen drei feine Elektroden aus, die in drei der vier Herzkammern führen: Hier sorgen sie dafür, dass der Herzschlag wieder im "richtigen Takt", also resynchronisiert ist.

Implantierter Lebensretter

Nicht nur die Verbesserung des Befindens spricht für die CRT: Dank der innovativen Medizintechnologie muss die Herzinsuffizienz auch kein Todesurteil mehr sein. Aktuelle Studienergebnisse (CARE-HF) (2) belegen eindrucksvoll, dass die Sterblichkeit bei betroffenen Patienten durch die CRT um 40 Prozent erheblich reduziert werden kann. Es gibt auch Resynchronisations-Schrittmacher, die zusätzlich einen Defibrillator enthalten. In einer Studie (3) war der Überlebensvorteil durch die Kombination von CRT und "Defi" so deutlich, dass sie aus ethischen Gründen vorzeitig beendet wurde: Es war nicht länger vertretbar, den Patienten in der Kontrollgruppe die Schrittmacher bzw. Defibrillatoren vorzuenthalten.

Versorgung mangelhaft

Trotz dieses offensichtlichen Nutzens profitieren bislang nur die wenigsten herzkranken Patienten von der CRT. "Vielfach sind Ärzte und Patienten mit den Vorteilen der neuen Technologie noch nicht ausreichend vertraut. Außerdem werden die Gerätekosten zu sehr in den Vordergrund gerückt", beschreibt Prof. Block die Ursachen. Es werde viel zu wenig beachtet, dass die Patienten in der Folge seltener ins Krankenhaus müssten. Langfristig würden dadurch Kosten gespart. Die Therapie der Herzinsuffizienz verschlingt in Deutschland jährlich über fünf Milliarden Euro - mehr als die Hälfte davon verursacht durch Klinikaufenthalte. Prof. Block setzt auf die neuen Leitlinien: "Ich hoffe, dass jetzt mehr Ärzte die Kardiale Resynchronisation einsetzen und so das Leben vieler herzinsuffizienter Patienten erleichtern oder gar verlängern."
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