15.09.2005

Endlich Schluss mit XXL

Dauerhafte Reduktion von extremem Übergewicht durch chirurgische Magenverkleinerungen

Endlich Schluss mit XXLEltville, 15. September 2005
Für krankhaft übergewichtige (adipöse) Menschen sind ihre überschüssigen Pfunde keinesfalls nur ein ästhetisches Problem. Denn starkes Übergewicht begünstigt schon in jungen Jahren die Entstehung folgenschwerer Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Koronare Herzerkrankungen, Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Schlaganfall und Krebserkrankungen. Unzählige gescheiterte Versuche, ihr Gewicht mit Diäten und Sport zu reduzieren, lassen die Betroffenen verzweifeln. Eine wirkungsvolle Alternative zu konservativen Methoden sind chirurgische Verfahren: Bei entsprechender Indikation bewirkt eine Magenband- oder Magenbypassoperation bei nahezu allen behandelten Patienten ein Reduktion von mindestens 50 Prozent des Übergewichts. Und diese Erfolge sind nicht nur langfristig, sondern führen sogar zur Besserung oder Heilung der Begleiterkrankungen.

"Unsere Patienten wiegen nicht selten über 200 Kilo. Sie können sich nicht einmal auf ein Fahrrad setzen, geschweige denn damit fahren", kommentiert Prof. Dr. Rudolf Weiner, Chefarzt der Chirurgischen Klinik am Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt/Main, das oft bemühte Vorurteil, übergewichtige Menschen sollten sich "einfach mal" mehr bewegen. Auch Sascha Oliver Herold, Vorsitzender der Adipositaschirurgie-Selbsthilfe-Deutschland e. V. (www.acsdev.de), kennt solche Ratschläge: "Mit Diäten und Bewegung kann man sicherlich einige Kilos abnehmen, aber meist nur für kurze Zeit und am Ende ist man oft schwerer als vorher." Bei stark adipösen Patienten (ab BMI* > 35) bringen konservative Maßnahmen wie Ernährungs- oder Verhaltenstherapie selten nennenswerte Erfolge. "Wir schaffen damit allenfalls eine Gewichtsreduktion von 10 Prozent - bei einem Ausgangsgewicht von 200 Kilo ist das nicht viel", bestätigt der Frankfurter Chirurg.

Per Abkürzung an die Fettreserven

Als Sascha Oliver Herold erstmals einen adipositaschirurgischen Eingriff beantragte, wog er 145 Kilo. Die Krankenkasse lehnte mit der Begründung ab, dass noch nicht alle konservativen Alternativen ausgeschöpft seien. Sechs Jahre später wurde eine Magenbypass-Operation bewilligt. "...dann aber mit 209 Kilo (BMI > 60) und einer Handvoll Begleiterkrankungen", erinnert sich der 28-jährige. "Bei der Magenbypass-Operation", beschreibt Prof. Weiner, "trennen wir durch eine Klammernaht den Magen in einen kleinen Vor- und einen Restmagen. An den Vormagen klammern wir eine Dünndarmschlinge, die den Restmagen und Zwölffingerdarm praktisch ‚umgeht'." Durch die Verkürzung der Verdauungsstrecke werden weniger Nährstoffe aufgenommen. Dies führt zu einer verringerten Kalorienzufuhr, der Körper greift auf seine Fettreserven zurück und der Patient nimmt ab. Sascha Oliver Herold verlor mit dem Magenbypass innerhalb von 2 Jahren 100 Kilo.

Kleiner Eingriff mit großer Wirkung

Eine weitere sehr wirkungsvolle Methode ist das Magenband. "Dieses Verfahren können wir sehr schonend mit der ‚Schlüsselloch-Technik' durchführen", erklärt Prof. Weiner, "ohne große Bauch-OP, nur mit kleinen Schnitten für die Instrumente". Während des Eingriffs legt der Arzt ein Silikonband wie einen Gürtel kurz unterhalb der Speiseröhre um den Magen. Er bildet dadurch einen kleinen Vormagen, der nur noch ca. 20-30 ml Inhalt fasst (normal sind ca. 2 Liter). Schon kleinste Nahrungsmengen sind ausreichend, damit sich der Patient satt fühlt - er isst weniger, dafür häufiger. Das Band ist über einen Schlauch mit einem Reservoir verbunden, das nah unter der Bauchdecke vernäht ist und leicht mit einer Spritze durch die Haut erreicht werden kann. So kann Flüssigkeit in eine flexible Manschette an der Innenseite des Bandes gelangen und der Durchgang zum Restmagen enger oder weiter gemacht werden, ohne dass ein weiterer Eingriff nötig ist.

Nachhaltiger Gewinn für die Gesundheit

In Deutschland werden bislang weniger als ein Prozent der adipösen Patienten chirurgisch therapiert. Dabei belasten Adipositas und ihre Folgen das Gesundheitssystem jährlich in Millionenhöhe. Da Adipositas nicht ausreichend als Krankheit anerkannt wird, erstatten Krankenkassen die Operationskosten nur in Einzelfällen. Dabei verweisen aktuelle Untersuchungen auf das langfristige Einsparpotenzial der Adipositas-Chirurgie: einhergehend mit der Gewichtsabnahme bessern sich bei den meisten Patienten ihre schwerwiegenden Begleiterkrankungen. In vielen Fällen verschwinden diese Krankheiten, die sonst lebenslang mit Medikamenten behandelt werden müssten und oft zu vorzeitiger Berentung oder zum frühzeitigen Tod führen, sogar ganz.

Sascha Oliver Herold nimmt seit seiner Operation Nahrungs-
ergänzungsmittel ein, um Nährstoffe auszugleichen, die sein Körper nicht in ausreichender Menge aufnimmt. Medikamente, die er früher gegen seine Begleiterkrankungen regelmäßig einnahm, braucht er nicht mehr.

* BMI = Körpergewicht : (Körpergröße in m)2
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