20.07.2005

Telekardiologie: Das Sicherheits-Plus für Herzpatienten

Innovatives System ermöglicht lückenlosen Herz-Check – immer und überall

Telekardiologie: Das Sicherheits-Plus für HerzpatientenEltville, 20. Juli 2005
Für viele Patienten mit chronischer Herzschwäche oder schweren Herzrhythmusstörungen ist die Angst vor Verschlechterung ein ständiger Begleiter. Immer ausgereiftere Behandlungsmethoden (z.B. Schrittmacher, Defibrillatoren) bringen den Herzrhythmus zwar wieder "in den richtigen Takt" – für einen langfristigen Therapieerfolg aber bedarf es zusätzlich einer gewissenhaften Nachsorge. Welcher Herzpatient würde sich in dieser Situation nicht einen "direkten Draht" zu seinem Arzt wünschen? Dank Telekardiologie ist dies jetzt möglich: Innovative Schrittmacher übermitteln selbständig per Mobilfunk Informationen über den Herzstatus an den behandelnden Arzt – und das rund um die Uhr. So kann er auf bedrohliche Veränderungen der Herzaktivität schnell reagieren und dem Patienten ein sicheres Gefühl geben, egal wo dieser sich gerade befindet: im Café um die Ecke oder auf der Aussichtsplattform des Eiffelturms.

Der Einsatz von Schrittmachern und Defibrillatoren hilft jedes Jahr allein in Deutschland annähernd 100.000 Patienten mit Herzrhythmusstörungen und -schwäche, wieder aktiver am Leben teilzunehmen. Bei vielen Patienten bleiben aber Unsicherheiten: Wie kann ich mich davon überzeugen, dass mein Gerät auch wirklich zuverlässig funktioniert? Reichen die Kontrolltermine aus, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen? Diese Sorgen sind zum Teil nicht ganz unbegründet. Tatsächlich kann es bei diesen Krankheitsbildern vorkommen, dass sich der Zustand des Patienten verschlechtert und wiederholt stationäre Aufenthalte erforderlich werden. Neben der emotionalen und körperlichen Belastung für den Patienten steigen so auch die Behandlungskosten immer mehr an.

Herzüberwachung via Mobilfunknetz

"Mit der Telekardiologie ist es erstmals möglich, den Zustand des Herzens ständig zu überwachen – auch wenn der Patient zu Hause oder unterwegs beim Einkaufen ist", beschreibt Privatdozent Dr. Stefan Sack, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie der Universitätsklinik Essen, das innovative System. Die Handhabung ist für den Patienten kinderleicht: Moderne Implantate (z.B. CRT) enthalten eine winzige Antenne, die rund um die Uhr und selbständig EKG-Daten direkt aus dem Herzen an ein mobiles Empfängergerät sendet. Dieses ist kaum größer als ein Handy und kann problemlos etwa am Gürtel befestigt oder nachts einfach neben das Bett gelegt werden. Von dort aus gelangen die Daten über eine zentrale Leitstelle direkt auf den Computer des behandelnden Arztes.

Neben der Herztätigkeit des Patienten überwacht das Implantat aber auch seine eigene Funktionstüchtigkeit. Stellt es einen technischen Defekt oder Rhythmusstörungen am Herzen fest, wird der behandelnde Arzt unmittelbar – per Fax, SMS oder E-Mail – benachrichtigt. Er kann seinerseits sofort reagieren und Kontakt mit dem Patienten aufnehmen, um z.B. passende Handlungsanweisungen zu geben oder zeitnah eine Kontrolluntersuchung zu vereinbaren.

Sicherheit – immer und überall

Die Vorteile der Telekardiologie liegen auf der Hand: "Sollten bedrohliche Veränderungen eintreten, können wir geeignete Maßnahmen einleiten", so Privatdozent Dr. Sack. "Wenn wir aufgrund der vorliegenden Daten die Therapie umgehend verändern, hoffen wir, dass eine Krankenhauseinweisung in vielen Fällen vermieden werden kann." Da die Daten via Mobilfunknetz versendet werden, bleibt die enge Verbindung mit dem Arzt auch über weite Strecken intakt. Der Patient kann mit diesem Wissen ein wesentlich mobileres und befreiteres Leben führen. Klinische Studien bestätigen nicht nur die Verbesserung der Lebensqualität, sondern auch der Lebenserwartung. Durch das gezielte und vor allem schnelle Reagieren auf bedrohliche Situationen kann die Telekardiologie dazu beitragen, Leben zu retten. Bislang sterben jährlich insgesamt etwa 50.000 Menschen in Deutschland an einer Herzmuskelschwäche.

Großer Effekt bei geringem Aufwand

Die für die Telekardiologie notwendigen Implantate erhalten Patienten in Deutschland inzwischen in den meisten Herzzentren. Die Kosten dafür liegen nicht viel höher als für herkömmliche Geräte. Hinzu kommen etwa 50 Euro im Monat für die Übertragung der Herzdaten.

Neben dem persönlichen Nutzen für den Patienten hilft die Telekardiologie, Kosten einzusparen: Ständige Kontrolle ermöglicht es, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und z.B. durch Anpassen der Therapie Krankenhausaufenthalte zu verhindern. Bislang kommt es in Europa und den USA aufgrund von Herzinsuffizienz jährlich zu 2 Millionen Krankenhauseinweisungen. Damit ist die Behandlung dieser Herzerkrankung ein nicht zu unterschätzender volkswirtschaftlicher Faktor. Das Einsparpotenzial durch Telekardiologie wird derzeit in einer weltweiten Studie untersucht.
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