12.04.2005

Hirnaneurysma: Coiling rettet Neil Young

Schonendes Verfahren dichtet erweiterte Hirngefäße ab und verhindert Schlaganfall

Hirnaneurysma: Coiling rettet Neil YoungEltville, 12. April 2005
Der kanadische Rockmusiker Neil Young wurde Ende März in einem New Yorker Krankenhaus an einem Hirnaneurysma operiert. Wenn Hirnaneurysmen platzen, droht akute Lebensgefahr. Wie die Nachrichtenagentur AP meldete, wurde der Musiker von einem minimal invasiven neuroradiologischen Team behandelt und befindet sich auf dem Weg der Besserung. Er wurde mit einem neuen und besonders schonenden Verfahren behandelt: Coiling.

Das Hirnaneurysma bei Neil Young wurde entdeckt, nachdem der 59-Jährige bei einem Konzert über Sehstörungen geklagt hatte. Zunächst verschob Young die notwendige Operation wegen Plattenaufnahmen, doch schließlich musste er einen Auftritt in seiner Heimatstadt absagen, um sich behandeln zu lassen. Aneurysmen sind Erweiterungen der Gefäßwand - treten sie im Gehirn auf, spricht man von Hirn-Aneurysmen. Jeder Zwanzigste hat ein oder mehrere Hirn-Aneurysmen, ohne es zu wissen. Gefährlich sind diese Aussackungen, weil die überlastete Gefäßwand leicht reißen und zu einem tödlichen Schlaganfall (Subarachnoidalblutung) führen kann. In Deutschland sind pro Jahr etwa 15.000 Patienten betroffen: jeder Zweite stirbt an der Erkrankung und von den Überlebenden behalten viele lebenslange Behinderungen zurück.

Die Operation von Hirnaneurysmen war bis vor wenigen Jahren mit enormen Risiken für die Patienten verbunden. Der Schädel wurde geöffnet und die Erweiterung mit einem Clip vom Blutfluss "abgeklemmt" (Clipping). Heute können viele Betroffene mit einem minimal invasiven, vergleichsweise schonenden Verfahren - dem "Coiling" - behandelt werden. Prof. Forsting, Neuroradiologe an der Uniklinik Essen, zählt zu den Coiling-Spezialisten in Deutschland: "Die Behandlung dauert in der Regel nur ein bis zwei Stunden und ist mit deutlich weniger Risiken verbunden, weil der Schädel nicht geöffnet werden muss. Die Patienten erholen sich entsprechend schneller nach dem Eingriff."

Coiling ist ein faszinierendes Beispiel dafür, was Medizintechnologie heute leisten kann: Der Operateur führt einen Mikrokatheter über die Leiste und durch die Bauch- und Brustschlagader bis in das Gehirn. Durch den Katheter werden weiche Platinspiralen (Coils) in das Hirnaneurysma geschoben. Die haarfeinen Spiralen rollen sich in der Aussackung auf, bis sie das Aneurysma vollständig ausfüllen und so aus dem Blutstrom ausschalten - die Gefahr des Reißens ist gebannt. Hat das Aneurysma eine breite Basis, wird zusätzlich eine Gefäßstütze (Stent) platziert, die verhindert, dass die Spiralen wieder herausfallen.

Klinische Untersuchungen belegen die hohe Wirksamkeit und Sicherheit des Coilings sowohl in der Kurzzeit- als auch in der Langzeitbetrachtung. Prof. Forsting: "Die weltweit beachtete ISAT-Studie* hat klar gezeigt, dass die Patienten von Coiling profitieren, so dass sie aus ethischen Gründen vorzeitig abgebrochen wurde. Dank dieser hervorragenden Ergebnisse wird Coiling jetzt auch in Deutschland an immer mehr Kliniken zur Behandlung von Hirnaneurysmen eingesetzt."

Auch wirtschaftlich ist das Verfahren ein Gewinn: Coiling spart im Vergleich zum Clipping Kosten ein, weil der Aufenthalt im Krankenhaus, insbesondere auf der teuren Intensivstation, erheblich verkürzt wird. Man darf hoffen, dass Neil Young bald wieder auf der Bühne stehen wird!

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International Subarachnoid Aneurysm Trial (ISAT) of neurosurgical
clipping versus endovas-cular coiling in 2143 patients with ruptured intracranial aneurysms: a randomized trial. In: Lancet 360 (2002) 1267-1274
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