19.07.2004

Star mit Stent: David Bowie

Aber: Nur jeder elfte KHK-Patient in Deutschland erhält die beste Versorgung

Star mit Stent: David BowieBerlin, 19. Juli 2004
David Bowie unterzog sich in Hamburg einem Eingriff am Herzen. Der schnelle Einsatz einer innovativen Gefäßstütze verhinderte Schlimmeres. Stent ist nicht gleich Stent: Die neuen, medikamente-freisetzenden Edelstahlstützen halten die Gefäße dauerhaft offen. Tatsache ist, dass in Deutschland bislang nur jeder elfte Patient diese Innovation erhält. Aktion Meditech fordert die jeweils beste Versorgung für alle Patienten, egal ob diese prominent sind oder bestimmten Risikogruppen angehören, z. B. Diabetiker.

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Der Musiker David Bowie musste wegen akuter Herzbeschwerden seine Tournee absagen. Berichten zufolge war das Problem eine akute Herzgefäßverstopfung, die im Hamburger Allgemeinen Krankenhaus St. Georg erfolgreich behandelt wurde. Man geht davon aus, dass Bowie einen medikamente-freisetzenden Stent erhalten hat. (*)

Die koronare Herzkrankheit fordert allein in Deutschland jährlich 340.000 Todesfälle. Hauptursache ist eine Verengung der Herzkranzgefäße (Koronararterien) durch Ablagerungen. Die Blockierung einer oder mehrerer Herzarterien führt dazu, dass bestimmte Bereiche des Herzens nicht genügend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden. Die heute übliche Behandlung akuter Gefäßverschlüsse: Per Katheter wird ein Ballon eingeführt, der die betroffene Stelle weitet. Um das Gefäß zu stützen, wird anschließend ein Stent eingesetzt - ein feines, röhrenförmiges Geflecht aus chirurgischem Edelstahl. Die Stents stützen die Gefäße von innen - das Blut kann wieder frei fließen. Bei jedem vierten Patienten kommt es jedoch innerhalb kurzer Zeit zu einer Wiederverengung, da die Gefäßwände auf die Weitung mit Zellvermehrung reagieren.

Medikamente-freisetzende Stents hingegen halten die Gefäße auf Dauer offen, da ihre Wirkstoffe das Zellwachstum hemmen. In Deutschland wird wegen der zunächst höheren Kosten jedoch nur jeder elfte in Frage kommende Patient mit den innovativen Gefäßstützen versorgt - im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit weit hinten.

Prof. Dr. Sigmund Silber (Kardiologe in München) fordert für Aktion Meditech: "Auch in Deutschland sollte allen Risikogruppen, besonders Diabetikern und Patienten mit kleineren Herzkranzgefäßen, diese neue, bessere Lösung zur Verfügung stehen! Gebraucht werden neue Vergütungsmodelle, die nicht nur die kurzfristigen Kosten einbeziehen, sondern auch die eingesparten Folgekosten."

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Die ärztliche Schweigepflicht erlaubt keine detaillierten Auskünfte im Fall Bowie, doch Experten sind überzeugt: Bei einem Star wird die optimale Versorgung gewählt, in diesem Fall also ein medikamente-freisetzender Stent.
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