24.11.2003

Neues Verfahren schützt vor Übertragung von SARS durch Bluttransfusionen

Intercept Blood System für Thrombozyten schaltet selbst unbekannte Erreger wie das SARS-Virus zuverlässig aus

Berlin, 24. November 2003
Alarmstufe rot: China rechnet im bevorstehenden Winter mit einer erneuten SARS-Welle. Über 8.000 Menschen hatten sich bei der ersten Welle mit dem Schweren Akuten Respiratorischen Syndrom infiziert, 774 Todesfälle wurden bekannt. Das neue Virus hat weltweite Verunsicherung ausgelöst. "Ob SARS zurückkommt, wissen wir nicht, aber wir müssen vorbereitet sein," äußerte kürzlich WHO-Direktor Dr. Guenael Rodier [1]. Die Forschung arbeitet mit Hochdruck, doch noch gibt es keine Tests, die das Virus zuverlässig erkennen. Auch Empfänger von Blutspenden sind gefährdet, denn man geht davon aus, dass SARS u.a. über Blut übertragen werden kann. Wirksamen Schutz bietet ein neues Verfahren, das Intercept Blood System für Thrombozyten: Es inaktiviert nicht nur bekannte, sondern auch bisher unbekannte Krankheitserreger in Blutspenden. Eine aktuelle Studie weist nach, dass Intercept sogar SARS-Viren erfolgreich ausschaltet - und so dazu beiträgt, die Ausbreitung der Krankheit über Blutprodukte zu verhindern [2].

Laut SHOT, einem britischen Forschungsprogramm, sind 12,5 Prozent der transfusionsbedingten Todesfälle auf bakterielle Kontamination zurückzuführen [3]. Durchschnittlich alle 2-3 Jahre treten plötzlich neue Krankheitskeime auf, die zu neuen Krankheiten und im schlimmsten Fall Epidemien führen. Dramatische Beispiele sind AIDS und Hepatitis C, in den USA sorgt derzeit das West-Nil-Virus für Schlagzeilen. Solche neuen Krankheitserreger sind ein großes Risiko für alle Empfänger von Bluttransfusionen. Denn von der Entdeckung des Keims bis zur Entwicklung geeigneter Testverfahren vergehen viele Jahre. In dieser Zeit gibt es keine Möglichkeit, die Übertragung durch Bluttransfusionen zu verhindern. Auch der SARS-Erreger, ein neuer Vertreter der "Coronaviren" [4], ist schwer nachweisbar. Alle derzeit verfügbaren Labor-Tests gelten nur als bedingt zuverlässig. Das neue Intercept Blood System für Thrombozyten geht einen ganz anderen und bislang einzigartigen Weg: Es unterscheidet nicht zwischen erforschten und unbekannten Keimen, sondern inaktiviert ein breites Spektrum an Viren, Bakterien und Parasiten.

Wie funktioniert das Intercept Blood System?

Die Inaktivierung der Pathogene gelingt mittels der so genannten Helinx-Technologie: Der neuartige Wirkstoff Amotosalen HCI lagert sich an der Erbsubstanz (DNA/RNA) der schädlichen Mikroorganismen an und verhindert so ihre Vermehrung - ohne dabei die kernlosen Thrombozyten in ihrer Qualität zu beeinträchtigen [5]. In Bezug auf SARS wurden Blutproben mit dem Pathogeninaktivierungsverfahren behandelt und anschließend auf lebensfähige Viren untersucht. Ergebnis: Der SARS-Erreger konnte auf ein Niveau unterhalb der Nachweisgrenze inaktiviert werden. Das Pathogeninaktivierungsverfahren ist europaweit das einzige System, das den Empfängern von Thrombozyten optimalen Schutz vor Infektionen bie-tet. Seine Wirksamkeit wurde durch zahlreiche In-vivo- und In-vitro-Studien nachgewiesen [6]. Das Intercept Blood System befindet sich auch für Plasma und Erythrozyten in der klinischen Erprobungsphase.

Mehr Sicherheit bei großer Kosteneffizienz

Das neue Verfahren wird bereits in Blutzentren einiger europäischer Länder eingesetzt. Es ist im Vergleich zu anderen Sicherheitsmaßnahmen, die derzeit bei Blutprodukten ergriffen werden, eine kosteneffiziente Alternative. Die sichere "Kontrolle" über Blutprodukte verhindert die Ausbreitung globaler Epidemien über Bluttransfusionen.


[1]
Ärzte Zeitung, 14.10.2003
[2]
The Intercept Blood System for Platelets Inactivates the Causative Agent of SARS, K. Dupuis, A. Sampson-Johannes and L. Coras, Posterpräsentation DGTI 2003, Innsbruck
[3]
SHOT: Serious Hazard of Transfusion; Zeitraum der Untersuchung waren fünf Jahre
[4]
Der Name "Corona" leitet sich vom Aussehen der Viren ab: auf der Virushülle sitzen Glycoproteine mit keulenförmigen Enden. Dadurch erinnern sie an einen Kranz (dt. für corona). Die genaue Bezeichnung des Virus lautet: SARS-CoV.
[5]
Die Zulassungsstudie euroSPRITE wies anhand von 103 Patienten nach, dass mit dem Pathogeninaktivierungsverfahren behandelte Thrombozyten therapeutisch gleichwertig sind mit unbehandelten Thrombozyten
[6]
Zulassungsrelevant: Die europäische Phase-III-Studie (euroSPRITE)
Besuchen Sie uns auf Facebook Besuchen Sie uns auf Twitter