23.07.2003

Revolution in der Kardiologie:

Medikamente-freisetzende Stents verhindern erfolgreich die Wiederverengung von Herzkranzgefäßen

Revolution in der Kardiologie:Berlin, 23. Juli 2003 - Gute Nachrichten für Patienten mit koronarer Herzkrankheit: Das große Problem der Wiederverengung bereits behandelter Arterien ist weitgehend gelöst. Dieser revolutionäre Fortschritt ist möglich durch Einsatz medikamente-freisetzender Stents. Stents sind dehnbare, maschenartige Gefäßstützen aus Edelmetall. Im Unterschied zu herkömmlichen Stent stabilisieren die neuen Stents nicht nur die Gefäßwand, sondern verhindern zugleich durch Abgabe bestimmter Wirkstoffe das unkontrollierte Zellwachstum und somit die erneute Verengung des Gefäßes. Die hervorragenden Ergebnisse des neuen Verfahrens wurden in vielen Studien eindrucksvoll bestätigt. Zur Kostendiskussion: Weil medikamente-freisetzende Stents deutlich teurer sind als herkömmliche, wird in Fachkreisen heiß diskutiert, wie die Vergütung geregelt werden kann. Aktion Meditech fordert die Kostenträger auf, in der Finanzierung langfristig zu denken und dabei den erheblichen Nutzen für die Patienten nicht aus den Augen zu verlieren. "Die meisten KHK-Patienten sieht man häufig wieder. Wer einen medikamente-freisetzenden Stent erhält, kommt nur einmal ins Katheterlabor! Mehr Lebensqualität für den Patienten und weniger Kosten für Folgeeingriffe - bessere Argumente für eine neue Technologie gibt es nicht," so Dr. Fabian Stahl, Kardiologe am Allgemeinen Krankenhaus St. Georg in Hamburg und Berater von Aktion Meditech.

Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist in den Industrienationen die häufigste Todesursache überhaupt. Allein in Deutschland gibt es etwa eine Million Betroffene. Die als KHK bezeichnete, durch Ablagerungen hervorgerufene Verengung der Herzkranzgefäße (Koronararterien) kann zu einer Mangelversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff führen. Die Folgen: z.B. Angina Pectoris, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz.

Problem: Jeder Vierte erleidet Wiederververengung

Schmerzhafte Verengungen der Herzarterien lassen sich mittels Ballonkatheter weiten. Damit die betroffene Stelle nicht wieder schrumpft, wird sie mit einem Stent - ein dehnbares, röhrenförmiges Geflecht aus chirurgischem Edelstahl - gestützt. Die Entwicklungen von Ballonangioplastie und Stents gelten als Meilensteine in der Kardiologie. Dennoch blieb ein großes Problem: Jeder vierte Behandelte erleidet innerhalb der ersten 6 Monate nach dem Eingriff eine Wiederverengung des Gefäßes (Restenose), die eine erneute Weitung oder sogar eine Bypass-Operation notwendig macht. Denn die Gefäßwand reagiert auf die Weitung mit verstärktem Zellwachstum, wodurch die Ader sich wieder verengen kann.

Dauerhafte Lösung: Medikamente-freisetzende Stents

Endlich gibt es eine dauerhafte Lösung für dieses Problem: Medikamente-freisetzende Stents. Diese Stents sind mit Wirkstoffen beschichtet, die über mehrere Wochen an das umliegende Gewebe abgegeben werden und dort das Zellwachstum hemmen. So verhindern sie erfolgreich die Wiederverengung - und ersparen damit vielen Patienten eine Bypass-Operation. Die Ergebnisse aus vielen großen Studien sind so hervorragend, dass die Kardiologen begeistert sind. Prof. Karl Heinz Kuck, Leiter des Kardiologischen Zentrums am Hamburger St. Georg Krankenhaus, dazu: "Mit diesen Daten möchte man im Grunde gar keine herkömmlichen Stents mehr einsetzen. Stellen Sie sich vor, was es für einen Patienten bedeutet, wenn ihm eine Bypass-Operation erspart bleibt!"

Vergütungssituation: Noch unbefriedigend

Medikamente-freisetzende Stents kosten aufgrund der hohen Entwicklungs- und Herstellkosten deutlich mehr als herkömmliche. Deshalb werden bislang vor allem Risikogruppen, z. B. Diabetiker oder Menschen mit besonders dünnen Gefäßen, damit versorgt.
Aktion Meditech fordert, die Vergütungsmodelle so zu gestalten, dass möglichst vielen KHK-Patienten die neue Technologie zur Verfügung steht. Denkt man langfristig, ist dies nicht unrealistisch: In einem Modellvorhaben überprüft derzeit die Techniker Krankenkasse, ob die neuen Stents durch die Vermeidung von Folgeeingriffen die Kosten langfristig sogar senken können. Dr. Fabian Stahl am Krankenhaus St. Georg in Hamburg ist einer der ersten Mediziner, die am Modellvorhaben teilnehmen: "Wir hoffen sehr, dass es bald neue Regelungen gibt - dann wäre es möglich, die neuen Stents mehr Patienten zugänglich zu machen."
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