22.07.2014

Infektionsschutz: MRSA-Behandlung in der häuslichen Krankenpflege jetzt GKV-Leistung

Infektionsschutz: MRSA-Behandlung in der häuslichen Krankenpflege jetzt GKV-LeistungMultiresistente Keime stellen nicht nur ein Problem für Krankenhäuser und Pflegeheime dar. Durch die hohe Anzahl von Patienten, die sich mit einem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) infiziert, wächst der Behandlungsbedarf auch im ambulanten Bereich. Seit dem 1. Mai 2014 übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für eine MRSA-Behandlung im Rahmen der häuslichen Krankenpflege bei bestimmten Risikopatienten. Zu der sogenannten MRSA-Eradikationstherapie gehört sowohl die Behandlung der Haut unter Einschluss der Haare, Nase und Rachen als auch die tägliche Desinfektion von Gegenständen, die mit Haut oder Schleimhaut Kontakt haben. Dennoch besteht bezüglich der ambulanten Versorgung von MRSA-Trägern noch immer erheblicher Nachbesse-rungsbedarf.

Zwar existiert bereits seit April 2012 die Möglichkeit, die Diagnostik und Behandlung von MRSA-Patienten mit bestimmten Risikofaktoren in der ambulanten Arztpraxis über die gesetzliche Krankenversicherung abzurechnen. Allerdings können nach den bestehenden Regelungen derzeit nur Patienten innerhalb von sechs Monaten nach einem Krankenhausaufenthalt auf Kosten der Kassen entsprechend behandelt werden. MRSA-Träger sollten aber schon prästationär untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Gerade bei endoprothetischen Eingriffen existiert ein hohes Risiko, eine MRSA-Infektion zu bekommen: Bei kolonisierten Patienten können die Keime im Rahmen der Operation künstliche Hüft- oder Kniegelenke und Gefäßprothesen besiedeln. Nach den bestehenden Regelungen gehören diese Patienten aber keiner Risikogruppe an und werden oftmals entsprechend nicht vor dem Klinikaufenthalt getestet. Aufgrund der neuen Leistung kann eine Behandlung von sicher diagnostizierten MRSA-Trägern bei bestimmten Risikogruppen auch in der häuslichen Pflege verordnet werden. Dabei können die Maßnahmen auch dann zur Anwendung kommen, wenn der Patient noch keine Krankheitssymptome aufgrund einer MRSA-Erkrankung aufweist.

Von einer prästationären MRSA-Behandlung profitieren Patienten, Kliniken und Krankenkassen

Oft bringen Patienten den Keim bereits ins Krankenhaus mit. Dort breitet sich das Bakterium aufgrund nicht ausreichender Hygienemaßnahmen und der großen Anzahl immungeschwächter Patienten schnell aus. Dabei bedeutet eine Infektion nicht nur eine Gefahr und weiteres Leiden für den Patienten, sondern ist zudem mit immensen Kosten verbunden. Infiziert sich ein Patient an MRSA, muss er durchschnittlich 10-15 Tage länger stationär behandelt werden. Die Techniker Krankenkasse beziffert die Kosten pro Fall mit 17.517 Euro. Eine flächendeckende prästationäre MRSA-Behandlung könnte nicht nur Komplikationen bei invasiven Eingriffen reduzieren, sondern auch hohe Folgekosten für das Gesundheitssystem vermeiden.

Prävention durch adäquate Hygienemaßnahmen

Der Erreger ist ausgesprochen widerstandsfähig, verträgt Wärme und Trockenheit und kann über Monate auf unbelebten Oberflächen wie beispielsweise Kleidung oder Türklinken überleben. Jedoch können adäquate Hygienemaßnahmen die Infektionsrate deutlich reduzieren. Da der Erreger primär durch die Hände übertragen wird, müssen diese regelmäßig desinfiziert werden. Darüber hinaus sind unter anderem eine geeignete Schutzkleidung, die ausreichend desinfizierend gewaschen werden kann sowie regelmäßige Kontrollen der Arbeitsabläufe bis hin zu einem Inventar, das abwisch- und desinfizierbar ist, erforderlich.

Hintergrund: Bedrohung MRSA

Als MRSA bezeichnet man einen Bakterienstamm, der nahezu gegen alle Antibiotika resistent ist. Allein in Deutschland sind jährlich ca. 50.000 Krankenhauspatienten betroffen, für rund 1.500 von ihnen endet die Infektion tödlich. Der Bakterienstamm kann ganz natürlich in der Nase und auf der Haut des Menschen vorkommen, ohne eine Infektion auszulösen. Gefährlich wird der multiresistente Keim erst für Risikopatienten. Neben Menschen mit einer Immunschwäche sind insbesondere Patienten nach operativen Eingriffen gefährdet. Dringt der Keim über eine Wunde in den Körper ein, kann er lebensgefährliche Entzündungen auslösen, die in schweren Fällen zu einer Amputation von Gliedmaßen oder sogar zum Tod führen können.
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