01.09.2005

Helga Kilcullen

"Der Schrittmacher ist meine Lebensbatterie"

Helga KilcullenHelga Kilcullen
München
61 Jahre
Sie erhielt als eine der ersten Patientinnen einen Hirnschrittmacher

"Ich war immer eine ganz Schnelle", erinnert sich Helga Kilcullen. Die heute 61-jährige Münchnerin zog ihre zwei Töchter allein groß und hatte immer mehrere Jobs gleichzeitig . Bis vor 18 Jahren, als ein Nervenarzt die Diagnose stellte, die Helga Kilcullens Leben veränderte: Morbus Parkinson.

"Ich brauchte ein Jahr, um die Diagnose wirklich glauben zu können. Für mich war Parkinson immer eine Krankheit, die nur alte Leute bekommen - und ich war doch erst 43! Inzwischen weiß ich, dass zehn Prozent der Patienten bei Erstdiagnose sogar unter 40 sind."

Parkinson, auch Schüttellähmung genannt, ist eine langsam fortschreitende neurologische Krankheit, für die es bislang keine Heilung gibt. Allein in Deutschland sind ca. 250.000 Menschen betroffen. Parkinson äußert sich unter anderem in einer zunehmenden Bewegungsverlangsamung bis zur völligen Unbeweglichkeit und einem Zittern, das besonders in Ruhe auftritt. Begleitend treten häufig Depressionen auf. Typisch sind ein versteinerter Gesichtsausdruck und ein unsicherer Gang. Ursache ist ein Mangel an dem Botenstoff Dopamin in den Teilen des Gehirns, die an der Kontrolle der willkürlichen und unwillkürlichen Bewegung beteiligt sind. Die ersten Symptome sind meist unauffällig: Auch bei Helga Kilcullen war die Diagnose eher ein Zufall.

"Ich erwähnte damals bei meinem Internisten ganz nebenbei, dass ich in letzter Zeit Schwierigkeiten hätte, meine linke Hand zu bewegen. Er schickte mich zu einem Neurologen, der dann die Diagnose Parkinson stellte - ich war geschockt."

Schon ein Jahr nach dieser Hiobsbotschaft verschlechterte sich der Zustand der Münchnerin zusehends, ihre Mimik wurde immer ausdrucksloser, die Beine schwerer, der Gang langsamer, gebeugter, unsicherer. Helga Kilcullen beginnt Tabletten zu nehmen, L-Dopa - einen Ersatz für das Dopamin, das ihr Körper nicht mehr selbständig produziert. Zehn Jahre lang nimmt sie die Medikamente, die aber mit der Zeit immer weniger gegen ihre Symptome ausrichten können.

"Etwa dreißig Minuten lang ging es mir gut, dann folgten eineinhalb quälende Stunden, bis ich endlich die nächste Tablette nehmen konnte. Als mir mein Arzt schließlich vorschlug, einen Hirnschrittmacher einsetzen zu lassen, habe ich nicht gezögert. Ich fieberte dem Tag der Operation regelrecht entgegen."

Bei der Operation wird ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher ein Impulsgeber im Bereich des Schlüsselbeins unter der Haut implantiert. Er ist mit Elektroden verbunden, die in betroffene Bereiche des Gehirns eingesetzt werden. Milde Stromschläge hemmen überaktive Nervenzellen und lindern so die typischen Parkinson-Symptome. Über eine Fernbedienung kann der Schrittmacher ausgeschaltet werden, z.B. in der Nacht. Helga Kilcullen hat den Ausschaltknopf aber noch nie betätigt.

"Der Schrittmacher lindert meine Symptome und schenkt mir 80 Prozent der Beweglichkeit eines Gesunden. Natürlich habe ich auch mal schlechte Tage, aber im Großen und Ganzen fühle ich mich gut und kann aktiv am Leben teilnehmen, z.B. mit meinen Enkeln spielen. Deshalb schalte ich den Schrittmacher auch nicht aus: ich fühle mich besser, wenn ich weiß, dass meine 'Lebensbatterie' läuft."

Nur alle 5 Jahre ist Helga Kilcullens Lebensbatterie für kurze Zeit ausgeschaltet: Wenn die Batterie ihres Schrittmachers abgelaufen ist und durch eine neue ersetzt wird.
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