01.10.2003

Gisela Scheelen

Vier kleine Platinspiralen haben mir das Leben gerettet.

Gisela ScheelenGisela Scheelen
55 Jahre, verheiratet, lebt in Mühlheim/Ruhr
vor fünf Jahren wurde ihre lebensgefährliche Hirnblutung erfolgreich durch Coiling behandelt

"Eines Abends im Sommer 1998 ging ich zu Bett - und bekam plötzlich unerträgliche, stechende Schmerzen im Hinterkopf. Ich dachte, am besten bleibe ich einfach liegen und warte, bis es wieder vorbei geht. Aber mein Mann rief zum Glück gleich den Notarzt an. In diesem Moment hatte ich auch schon erbrochen und wurde bewusstlos.

Der Notarzt kam sehr schnell und stellte eine Gehirnblutung fest. Er brachte mich sofort zu den Spezialisten der neuroradiologischen Abteilung der Uniklinik Essen. Als die Sanitäter mich in die Eingangshalle des Krankenhauses schoben, kam ich wieder zu Bewusstsein. Alles war ganz hell, und alle Leute waren sehr hektisch. Ich fragte, ob ich jetzt sterben muss - doch die Antwort hörte ich schon nicht mehr. Ich war wieder ohnmächtig."


Die Ärzte legen Frau Scheelen eine Drainage, um Flüssigkeit aus dem Gehirn abzuleiten. Per Computertomographie entdecken sie ein geplatztes Hirnaneurysma: Das ist die Ursache für die lebensgefährliche Blutung. Früher musste in einer großen Operation der Schädel geöffnet werden, um eine solche Stelle zu verschließen. Bei Frau Scheelen wird eine neue, schonende Methode angewendet, das Coiling. Mit einem feinen Kathether, der über die Leiste bis ins Gehirn vorgeschoben wird, werden winzige Platinspiralen in das Hirnaneurysma eingebracht, die die Aussackung ausfüllen und so die gefährliche Stelle vom Blutkreislauf abgrenzen. Vier Platinspiralen füllen das sechs Millimeter große Aneurysma von Frau Scheelen vollständig aus, so dass es keinen Schaden mehr im Blutkreislauf anrichten kann. Der Eingriff unter Vollnarkose dauert nur eineinhalb Stunden und rettet ihr das Leben.

"Als ich aufwachte, war zum Glück schon alles vorbei. Ich lag für drei Tage auf der Intensivstation und nahm alles nur schemenhaft wahr, ohne Zeitgefühl. Ich spürte, dass etwas Schlimmes geschehen sein musste. Dann verbrachte ich noch drei Wochen auf der normalen Station. Hier erklärte mir der Professor, dass ich eine Gehirnblutung hatte, und dass die Platinspiralen mir das Leben gerettet haben. Noch nie zuvor hatte ich eine solche Dankbarkeit gespürt - für die Spiralen, für meinen Mann, für den Notarzt und den Professor, der mich operiert hat!"

Viele Patienten, die eine Hirnblutung überlebt haben, behalten lebenslange Behinderungen zurück. Frau Scheelen hat dank schneller und absolut professioneller Behandlung großes Glück.


"Anfangs hatte ich Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis. Manchmal konnte ich mich gar nicht erinnern, dass mein Mann mich besucht hatte. Er hatte große Angst, dass ich eine Behinderung behalten würde. Aber in der Reha-Klinik lernte ich langsam wieder, mich zu konzentrieren und den Gleichgewichtssinn zu trainieren. Hier habe ich auch erst nach und nach das Ausmaß meines Glücks begriffen. Denn ich habe an vielen Mitpatienten gesehen, wie schlimm die Folgen einer Hirnblutung sein können. Das war psychisch sehr belastend - aber andererseits war ich auch sehr glücklich und dankbar über meinen positiven Krankheitsverlauf."

Langsam ging es aufwärts. Ihr Mann ist ihr eine große Unterstützung: Er nimmt Gisela Scheelen alles ab, was ihr schwerfällt, z.B. Staubsaugen oder Einkäufe tragen. Heute arbeitet sie wieder halbtags als Empfangsdame. Nur einmal im Jahr geht sie nach Essen in die Uniklinik zur Kontrolluntersuchung:


"Wenn ich dann höre, es ist alles in Ordnung, wird mir wieder intensiv bewusst: Du hast es geschafft! Du lebst!"
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