01.09.2005

Gabriel Schneider

"Die automatische Peritonealdialyse rettete sein Leben"

Gabriel SchneiderGabriel Schneider
Bisingen
4 Jahre
Sein Nierenversagen wurde mit der automatischen Peritonealdialyse ausgeglichen

Schon bevor Gabriel Schneider zur Welt kam hatten Ärzte per Ultraschall entdeckt, dass seine Harnröhre verengt war. Dadurch staute sich der Urin zurück und behinderte die Entwicklung der Nieren im Mutterleib. Nach der Geburt konnten sie ihre wichtigste Aufgabe nicht erfüllen: die Blutwäsche. Körpereigene Giftstoffe im Blut drohten nun den winzigen Organismus zu überschwemmen. Für Gabriel bestand Lebensgefahr durch Nierenversagen. Eine niederschmetternde Diagnose für seine Eltern.

"Die Ärzte glaubten damals nicht, dass Gabriel das Nierenversagen überstehen könnte und bereiteten uns auf das Schlimmste vor. Wir hatten große Angst um unseren Sohn."

Gabriels einzige Überlebenschance war die Peritonealdialyse. Sie überbrückte die Wartezeit, bis ein passendes Spenderorgan gefunden wurde - durchschnittlich dauert das sieben Jahre - und sein Körper kräftig genug dafür war. Die bei Erwachsenen häufige Hämodialyse (maschinelle Blutwäsche) kam nicht in Frage, denn diese Nierenersatztherapie ist für Kleinkinder zu belastend. Die Peritonealdialyse hingegen ist schonender, weil sie das Bauchfell (Peritoneum) als Filter nutzt und so weitgehend der natürlichen Arbeitsweise der Nieren entspricht. Über einen dünnen Schlauch gelangt die Dialyse-Lösung in den Bauchraum, wo sie die Schadstoffe aufnimmt. Nach einigen Stunden wird sie wieder abgelassen und gegen frische Lösung ausgetauscht. Der Vorgang dauert 30-40 Minuten und wird viermal täglich durchgeführt.

Beim kleinen Gabriel waren die Dialysatmengen so gering, dass eine Krankenschwester sie alle halbe Stunde austauschen musste. Eine Dauerlösung konnte das nicht sein. Für Gabriels Eltern war es eine schwierige Zeit.
"Nach der Geburt wog Gabriel nur zwei Kilo. Die Behandlung im Krankenhaus half ihm zwar zunächst, aber wie sollte es langfristig weitergehen?"

Die entscheidende Wende brachte schließlich die automatische Peritonealdialyse. Hierbei übernimmt ein Automat, der so genannte Cycler, den Wechsel des Dialysats. Die Behandlung war schon nach kurzer Zeit erfolgreich, so dass Gabriel sechs Wochen später aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte. Seine Eltern wurden intensiv geschult, um die Behandlung zu Hause fortsetzen zu können.

"Zu Beginn waren wir uns nicht sicher, ob wir der Technik und dem Aufwand der Behandlung gewachsen waren. Doch schon nach kurzer Zeit hatten wir uns an die Peritonealdialyse gewöhnt und sie ist zu einem ganz normalen Teil unseres Alltags geworden. Vor allem aber waren wir froh, Gabriel endlich bei uns zu Hause zu haben!"

Weil der Cycler nachts arbeitete, verschlief Gabriel seine Blutwäsche im wahrsten Sinne des Wortes. Tagsüber blieb ihm dadurch genug Zeit, sich zu bewegen und altersgemäß zu entwickeln. Das ist besonders wichtig, denn wenn Kinder körperliche und geistige Entwicklungen in dieser Zeit nicht durchlaufen, können sie sie später kaum mehr aufholen.

Dass Neugeborene mit der automatischen Peritonealdialyse behandelt werden können ist erst durch eine spezielle Software möglich, die europaweit erstmals bei Gabriel eingesetzt wurde. Sie steuert den Cycler nach individuellen Bedürfnissen und erlaubt auch kleinste Füllmengen von 60 ml (Erwachsene: 1.500 bis 2.500 ml).

Heute ist Gabriel vier Jahre alt und hat mittlerweile eine Spenderniere. Er hatte Glück, dass ein passendes Organ so schnell gefunden wurde. Die Operation hat er gut überstanden und sich zu einem fröhlichen, quicklebendigen Jungen entwickelt. Seine Eltern sind heute froh, dass es die Möglichkeit der automatischen Peritonealdialyse gab.
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