23.01.2017

Den Spaß am Leben nicht verlieren

Steffen Friedrich befindet sich mit seinen 20 Jahren auf dem Weg in die Profikarriere als Fußballer, als er im August 2015 erstmals bemerkt, dass gesundheitlich etwas nicht stimmt. Er unterzieht sich umfangreichen Untersuchungen, bis ein so genannter Event-Rekorder bösartige Herzrhythmusstörungen feststellt. Die vorläufige Diagnose lautet: Herzmuskelentzündung. Die Untersuchungen gehen weiter. Im Januar 2016 wird ihm der LifeVest tragbare Defibrillator verordnet, der ihm im Februar 2016 mit einem Behandlungsimpuls das Leben rettet. Der heute 22-Jährige berichtet über seine Erfahrungen mit der Erkrankung und über seine Pläne für die Zukunft.

Den Spaß am Leben nicht verlierenEs war vor einem absoluten Highlightspiel, dem Pokalspiel gegen Hannover, als ich erstmals feststellte, dass irgendetwas nicht stimmt. Beim Training war es mir schwindelig geworden. Da es im August 2014 ziemlich heiß war, habe ich es damals auf die Temperatur geschoben. Vielleicht hatte ich zu wenig getrunken?
Ab dem Zeitpunkt war aber schnell klar: Irgendetwas ist nicht in Ordnung. Mir wurde immer wieder schwindelig, und ich war schlapp. Nach eingehender Beratung wurde entschieden, dass ich einen Event-Rekorder bekommen sollte, um den Grund dafür herauszufinden. Das ist ein kleines Gerät, das wie ein Mini-Langzeit-EKG funktioniert und Herzsignale aufzeichnet. Ich spielte weiter begeistert Fußball, bis ich beim Spiel gegen Offenbach im Dezember 2015 buchstäblich in die Knie ging: Mir war schwindelig, aber ich spielte weiter und wurde 15 min vor Spielende ausgewechselt.
Der Event-Rekorder wurde ausgelesen und zeigte bösartige Herzrhythmusstörungen. Damit hatte ich nicht gerechnet, und ich hatte auch keine Erfahrung, was das heißen kann. Die Konsequenzen waren mir nicht klar. Ich bekam sofort die LifeVest verordnet, um mich vorübergehend vor dem plötzlichen Herztod zu schützen. So lange, bis die Ursachen für die Herzrhythmusstörungen gefunden waren. Da wurde mir bewusst, dass ich mehrmals am Tod vorbei geschrammt bin.
Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht. Was ist, wenn ich nicht so leben kann, wie ich das möchte? Gleichzeitig habe ich mir in dem Moment gesagt: Das ist jetzt halt so! Das Leben geht für mich weiter. Egal, was passiert!
Im Februar 2016 habe ich meinen Bruder in Düsseldorf besucht. Ich hatte vorher eine heftige Erkältung und Fieber in der Nacht. Morgens stand ich bei meinem Bruder im Bad, als ich plötzlich bewusstlos wurde und die Defibrillatorweste einen Behandlungsschock abgab. Ich wachte wieder auf und war sofort wieder klar. Die LifeVest hatte mir an dem Morgen mein Leben gerettet.
Die Untersuchungen gingen weiter, die vorläufige Diagnose lautete Herzmuskelentzündung. Ich trug weiter die Defibrillatorweste. Im April waren wir wieder beim Auswärtsspiel in Offenbach. Während des Spiels fieberte ich auf der Tribüne mit, als meine LifeVest Alarmsignale abgab und mich damit vor einer gefährlichen Herzrhythmusstörung warnte. Es ging wieder ins Krankenhaus.
Mittlerweile trage ich einen „Implantierbaren Cardioverter Defibrillator“ (ICD), der mich dauerhaft vor Herzrhythmusstörungen schützt. Danach habe ich dann die LifeVest abgelegt. Einige hatten mich belächelt, weil ich mit meinem LifeVest „Täschchen“ herumgelaufen bin. Ganz ehrlich: Ich würde das jederzeit wieder in Kauf nehmen!
Wenn ich anderen Patienten einen Tipp geben wollte, dann diesen: Nimm es an und denke positiv! Es ist wichtig, den Ernst der Lage zu erkennen, aber den Spaß am Leben nicht zu verlieren. Durch die Erlebnisse der letzten Zeit kann ich Momente in meinem Leben anders wertschätzen. Manchmal denke ich: Ich habe verdammt nochmal Glück. Und der Fußball ist der Bonus.
Heute bin ich Teammanager in meinem Verein und studiere nebenher Sport und Politik und Wirtschaft auf Lehramt. Ich kann wieder Sport machen und das Training langsam wieder aufbauen. Ich hoffe, dass ich bald wieder auf dem Rasen stehen und meiner größten Leidenschaft, dem Fußball, nachgehen kann.
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