19.05.2011

Gebärmutterentfernung: Der Bauchnabel als Eingangstür

Erkrankungen der Gebärmutter sind keine Seltenheit. Ob schnell wachsende, gutartige Muskelgeschwülste (Myome), unregelmäßige Regelblutungen oder im schlimmsten Falle Krebs – viele Frauen sehen sich im Laufe ihres Lebens mit diesen Diagnosen konfrontiert. Bislang war bei vielen Erkrankungen die operative Entfernung der Gebärmutter (medizinisch: Hysterektomie) die Behandlung der Wahl. Schätzungen der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung zufolge werden in Deutschland jedes Jahr rund 140.000 dieser Eingriffe durchgeführt.

Gleiches Ziel, unterschiedliches Vorgehen
Die Gebärmutter wird in Krankenhäusern auf drei unterschiedlichen Weisen entfernt. Zum einen kann sie über einen circa 15 Zentimeter langen Bauchschnitt entfernt werden (abdominal), zum anderen durch die Scheide (vaginal). Die Erholungszeit nach beiden Verfahren beträgt in der Regel drei bis sieben Tage. Nachteilig an den genannten Verfahren sind die relativ hohen Risiken: Organe wie Harnblase oder Darm können verletzt werden, Verwachsungen im Bauchraum können entstehen, es kann zu Infektionen, Wundheilungsstörungen sowie überschießender Narbenbildung kommen. Deshalb behandeln Gynäkologen die meisten ihrer Patientinnen mit der weitaus risikoärmeren laparoskopischen Hysterektomie. Bei diesem Verfahren wird die Gebärmutter mittels Bauchspiegelung durch die Bauchdecke entnommen. Die Vorteile sind ein kürzerer stationärer Aufenthalt und eine schnellere Erholungszeit sowie weniger Schmerzen nach der Operation. Nachteil: Es sind drei bis vier kleine Bauchschnitte für Kamera, Beleuchtung und Operationsinstrumente erforderlich, welche sichtbare Narben hinterlassen..

Narbenfreie Alternative
Seit etwas mehr als zwei Jahren wenden Chirurgen aus den USA ein neues Schlüsselloch-Verfahren an, das sich nun auch in Deutschland etabliert: Der Fachbegriff hierfür lautet „Single Port Laparoscopic Surgery (SILS)“. Mit dem neuen minimal-invasiven Verfahren kann die Anzahl der nötigen Schnitte auf nur noch einen einzigen zwei Zentimeter langen Schnitt reduziert werden. Das Besondere: Geschnitten wird direkt in der bereits vorhandenen natürlichen Narbe des Menschen, im Bauchnabel (genauer im so genannten Nabelgrund). In den Schnitt setzt der Chirurg einen so genannten SILS-Port, welcher sich stabil in der Öffnung verankert und diese wie ein Stöpsel verschließt. Der spezielle Port dient als Eingangspforte und hat drei Eingänge. Über einen wird die Kamera in die Bauchhöhle geführt, über die anderen beiden jeweils mit viel Fingerspitzengefühl die speziell abgewinkelten Operationsinstrumente. Ein so genanntes Schweißinstrument entfernt die Gebärmutter, mit Hilfe eines Fassinstruments wird sie über den Bauchnabel nach draußen gezogen. Anschließend werden die Bauchdecke am Nabel und die Nabelhaut verschlossen. Der Schnitt vernarbt, die Narbe versinkt später unsichtbar im Bauchnabel. Man spricht deshalb auch von einer narbenlosen Operationsmethode.

Geringeres Infektionsrisiko, weniger Verwachsungen
Aber nicht nur die Narbenfreiheit spricht für die SILS. Neben den ästhetischen Ergebnissen profitieren die Patientinnen von einer verkürzten Genesungszeit und weniger Schmerzen nach der Operation, die schon die Laparoskopie ausmachen. Zudem minimieren sich durch die verkleinerte Wundfläche das Infektionsrisiko und die Gefahr von Verwachsungen. Bei welcher Patientin das neue Operationsverfahren Anwendung findet, entscheidet der Arzt immer individuell. Sinnvoll ist das neue Operationsverfahren vor allem bei Frauen, die sich noch keiner Bauchraumoperation unterzogen haben. Nicht angewendet werden kann es hingegen bei Patientinnen, die unter sehr starkem Übergewicht, Verwachsungen oder Entzündungen im Bauchraum leiden. Die SILS wird mittlerweile auch bei Gallenblasen-, Nieren- und Eierstockoperationen eingesetzt. Allerdings: Da die OP-Technik noch sehr jung ist, wird sie bislang nur in circa 150 Kliniken in Deutschland angeboten. .
Besuchen Sie uns auf Facebook Besuchen Sie uns auf Twitter