19.05.2011

Künstliche Gelenke und Wechseloperationen: Individuelle Zweitprothesen für Beweglichkeit und Mobilität

Meist fühlen sich Menschen, die sich für ein künstliches Gelenk entscheiden, nach der Operation wie befreit: Endlich keine Schmerzen mehr! Ihr neues Hüft- oder Kniegelenk lindert dabei in der Regel nicht nur ihre Beschwerden. Es trägt auch dazu bei, ihnen ihre Beweglichkeit wiederzugeben oder sie zu bewahren – eine wichtige Voraussetzung für ein aktives und zufriedenes Leben.

Nach der Implantation können die Patienten oft schnell wieder in ihren Alltag zurückkehren und die meisten ihrer früheren Aktivitäten wieder aufnehmen, sofern sie ihr Gelenk dabei nicht übermäßig belasten. Selbst Sportbegeisterte müssen nach dem Eingriff nicht auf körperliche Aktivität in der Freizeit verzichten. Im Gegenteil: Moderater Sport fördert den Aufbau natürlicher Knochensubstanz und stärkt die Muskulatur, die das künstliche Gelenk stützt und ihm Halt gibt¹. Nach dem Einsatz eines neuen Hüft- oder Kniegelenks gelten unter anderem Wandern, Walking, Schwimmen, Skilanglauf, Radfahren, Gymnastik in Form von Dehnungs- und Kräftigungsübungen sowie Rudern und Paddeln² als gelenkschonend. Hingegen sind Leistungs- und Wettkampfsport sowie Sportarten mit abrupten Bewegungsabläufen wie Squash eher ungeeignet.

Qualität ist wichtig
Genau wie bei Gegenständen des täglichen Gebrauchs spielt auch bei Prothesen neben dem persönlichen Verhalten die Qualität eine wichtige Rolle. Implantate aus hochabriebfesten Materialien sorgen im Normalfall für eine lange Lebensdauer des künstlichen Gelenks. Allerdings gilt trotz bester Qualität: Künstliche Gelenke halten zwar sehr lange, aber nicht ein Leben lang. Nach etwa 15 bis 20 Jahren können Lockerungen auftreten und die Implantate müssen ausgewechselt werden. Neu auftretende Schmerzen im Bereich des Gelenks oder Bewegungsprobleme wie Hinken können erste Anzeichen für eine Lockerung sein. Betroffene sollten diese Symptome möglichst frühzeitig abklären lassen, denn ein gelockertes Implantat kann den Knochen schädigen.

Ein anspruchsvoller Eingriff
Wichtig zu wissen ist, dass die Wechseloperation, medizinisch Revision genannt, keine schlichte Wiederholung der Erstimplantation ist. Revisionen sind wesentlich anspruchsvollere Eingriffe: Der Knochen, in dem die Zweitprothese verankert wird, wurde bereits durch den Ein- und Ausbau der Erstprothese ein Stück weit ausgehöhlt – der Grad der Knochenaushöhlung hängt von den individuellen Gegebenheiten beim Patienten ab. Revisionseingriffe sind daher schwieriger zu planen und dauern dadurch oft länger. Die Belastung des neuen Gelenks erfolgt langsamer als beim Erstimplantat: Grund dafür sind das meist fortgeschrittene Alter der Patienten und eventuelle Knochendefekte.

Modulare Systeme optimal
Um jedem Patienten und seiner ihm eigenen Knochensituation gerecht zu werden, gibt es inzwischen innovative, modulare Revisionsprothesen. Sie sind wie "Bausteine", die sich individuell zusammensetzen lassen. Der Arzt kann noch während der Operation beispielsweise zwischen verschiedenen Längen, Formen und Durchmessern eines künstlichen Gelenks wählen. Dadurch kann er die Zweitprothese optimal an die anatomische Situation der Patienten anpassen und das künstliche Gelenk so „knochensparend“ wie möglich implantieren – eine wichtige Voraussetzung für dauerhaften Halt.

Revisionsprothesen, die ohne Zement im Knochen befestigt werden, haben eine poröse, speziell beschichtete Oberfläche. Der Knochen kann an sie anwachsen und so die Prothese fest umschließen. Alternativ lassen sich Revisionsprothesen auch mit speziellem Knochenzement einbringen. Bei diesem Vorgehen ist die Prothese früher belastbar und die Patienten sind nach dem Eingriff schneller wieder mobil, ein Vorteil vor allem für betagte Menschen.

Wieder schmerzfrei mobil
Der Wechsel einer Prothese muss nicht mit Einbußen in der Beweglichkeit einhergehen – dank hochwertiger Implantate, innovativer Materialien und modularer Systeme können Patienten ihre Beweglichkeit auch nach einer Wechseloperation erhalten oder zurückgewinnen. Zudem lindert der Eingriff meist erfolgreich ihre Schmerzen, so dass sie ihren Alltag wieder weitgehend beschwerdefrei erleben können.

¹ http://www.sportaerztebund.de/pub_endoprothesentraeger.htm
² ebenda
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