19.05.2011

Künstliche Gelenke: Neue Lösung für Allergie-Patienten

In Deutschland erhalten jährlich rund 400.000 Patienten ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk und können hinterher wieder mit beiden Beinen stabil im Leben stehen. Verursacht werden Gelenkbeschwerden oft durch den Verschleiß des Gelenkes (Arthrose), der mit Bewegungseinschränkungen, Stabilitäts- und Mobilitätsverlust sowie Schmerzen einhergeht. Selbst alltägliche Bewegungsabläufe wie kleine Spaziergänge oder leichte Hausarbeit sind dann von den Betroffenen kaum mehr zu bewältigen, die Lebensfreude geht häufig verloren. Durch das Einsetzen von so genannten Endoprothesen kann die Bewegungsfähigkeit und Flexibilität allerdings wieder hergestellt werden.
Immer häufiger kommt es jedoch vor, dass Patienten auf Bestandteile des implantierten Kunstgelenkes allergisch reagieren. Mittlerweile reagieren etwa 10-15 Prozent der Menschen epikutan auf einige Bestandteile der verwendeten Standardmetalle. Nickel ist dabei der häufigste Auslöser für eine Überempfindlichkeit, gefolgt von Kobalt und Chrom. In diesen Fällen versucht das Immunsystem die allergieauslösenden Stoffe mit einer überschießenden Reaktion unschädlich zu machen und aus dem Körper zu entfernen, nicht selten mit stark belastenden Folgen für die Betroffenen: Hautreaktionen, Blutergüsse, Schwellungen oder Wundheilungsstörungen.

Schicht um Schicht - mehr Schutz
Seit Jahren werden Allergie-Patienten, die ein künstliches Hüftgelenk benötigen, erfolgreich mit Prothesen aus Titan versorgt. Im Normalfall eignet sich dieses Material hervorragend zur Implantation im menschlichen Körper, in der Knieendoprothetik kann es jedoch aufgrund der unterschiedlichen mechanischen Belastungen nicht eingesetzt werden. Hier stellen nach wie vor unter Umständen allergieverantwortliche Werkstoffe wie Nickel, Chrom und Kobalt das Material der Wahl dar. Um auch Kniegelenk-Patienten, die allergische Reaktionen gegenüber diesen Metallen aufzeigen, optimal versorgen zu können, wird in Deutschland immer häufiger ein neues Verfahren bereitgestellt: ein mehrlagiges Beschichtungssystem, das den Schutz vor Kontaktallergenen auf einem hohen Niveau garantiert. Verglichen mit den herkömmlichen einfachlagig beschichteten antiallergischen Implantaten in der Knieendoprothesen-Versorgung gewährleistet die spezielle Zusammensetzung der unterschiedlichen Schichten dieser neuen Lösung eine höhere Stabilität und Lebensdauer, somit ist der Patient wirksam und nachhaltig vor einer Allergie geschützt. Besonders wichtig: Die ausgewählten Schichtmaterialien weisen eine hohe Verträglichkeit auf und ermöglichen die Erzeugung vielfältiger Schichtstrukturen, so können die Beschichtungen je nach Bedarf an eine Primär- oder Revisionsprothese angepasst werden: Jeder Allergie-Patient erhält individuellen, sicheren Schutz.

Keine Chance der Implantatallergie
Für Patienten mit einer Kontaktallergie bedeutet die Versorgung mit einem mehrlagig beschichteten Implantat eine schnelle Rückkehr in ihren Alltag und Beruf sowie zurückgewonnene Lebensqualität. Heute wird die Versorgung mit beschichteten Prothesen in vielen Kliniken angeboten, die orthopädische Operationen durchführen. Dabei werden die Kosten für eine spezielle antiallergische Endoprothese übernommen, sofern eine allergische Reaktion mittels eines Epikutantests mit Implantatbestandteilen nachgewiesen werden kann.

Gerade vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl von Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegen Implantatwerkstoffe, sollten neben den Ärzten auch die Patienten selbst der Möglichkeit einer allergischen Reaktion in der Beratung zum endoprothetischen Gelenkersatz in Zukunft mehr Bedeutung beimessen, – nicht zuletzt um sich vor einer schmerzhaften postoperativen Leidensphase zu schützen. Wesentlich für die Patienten mit Implantatallergie ist, dass durch die moderne Beschichtungstechnologie auch für sie die Möglichkeit besteht, ein künstliches Gelenk zu erhalten, das ihnen ihre Bewegungsfähigkeit und damit die ersehnte Normalität zurückgibt.
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