19.05.2011

Platinspiralen bei Hirnaneurysma

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Mit einem Mikrokathether, der von der Leiste aus eingeführt wird, werden die Platinspiralen in das Aneurysma eingebracht und dort verlegt. Eine Schädeleröffnung ist nicht notwendig.
Krankheitsbild: Hirnaneurysma
Aneurysmen sind Gefäßaussackungen unterschiedlicher Form und Größe. Treten sie im Gehirn auf, spricht man von Hirnaneurysmen. Ihre Entstehung wird begünstigt durch angeborene Gefäßschwächen. Hirnaneurysmen machen sich in der Regel nicht durch Beschwerden bemerkbar und werden meist erst festgestellt, wenn sie geplatzt (ruptiert) sind. Die Größe der Hirnaneurysmen liegt zwischen 1 und 100 Millimetern: Je größer das Aneurysma, desto größer die Gefahr, dass die Gefäßwand aufreißt.

Eine Ruptur der Gefäßwand führt meist zu einer Subarachnoidalblutung, einer Sonderform des Schlaganfalls. Anzeichen hierfür sind plötzlich auftretende, dramatische Kopfschmerzen. Eine solche Einblutung ins Schädelinnere zwischen Hirnhaut und Gehirn ist lebensgefährlich und muss daher sofort operativ behandelt werden. Die Zahlen sind alarmierend: Etwa 8.000 Patienten sind in Deutschland pro Jahr davon betroffen, jeder zweite stirbt schließlich an der Erkrankung und von den Überlebenden behalten viele lebenslange Behinderungen zurück.

Entscheidend für den Behandlungserfolg bei Subarachnoidalblutung ist das möglichst schnelle Ausschalten des Aneurysma aus der Blutzirkulation.

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Ein Stent im Gefäß sichert den Hals des Aneurysma, so dass die Platinspiralen nicht herausgleiten können. Somit ist auch das Coiling breitbasiger Aneurysmen möglich!
Herkömmliche Methode: Clipping
Die herkömmliche Methode einer Operation bestand darin, bei einer offenen Gehirnoperation einen Clip auf den Hals des Aneurysmas auszusetzen, der den Blutzustrom in die Aussackung vollständig unterbindet. Wird genau die richtige Stelle getroffen, so ist dieses Verfahren ein sicherer Weg, das Aneurysma vollständig auszuschalten. Die Methode hat jedoch einige Nachteile. So kann sie bei bewusstlos eingelieferten Patienten, bei denen ein Gefäßspasmus eingetreten ist, nicht angewendet werden. In der Wartezeit, bis der Spasmus sich zurückbildet, ist der Patient leider oft schon an Nachblutungen verstorben. Schlecht zugängliche Aneurysmen werden durch Clipping nicht erreicht, und die Invasivität des Eingriffs (Schädel-Öffnung!) erhöht das Operationsrisiko.


Schonende neue Methode: Coiling
Anfang der 90er Jahre wurde zur Therapie des Hirnaneurysma das so genannte Coiling entwickelt. Bei diesem faszinierenden Verfahren wird ein nur 0,7 mm starker Mikrokatheter über die Leiste und durch die Bauch- und Brustschlagader bis in das Gehirn geführt. Durch den Katheter werden weiche Platinspiralen (Coils) in das Hirnaneurysma geschoben. Die haarfeinen Spiralen rollen sich in der Aussackung auf, bis sie das Aneurysma vollständig ausfüllen und somit aus dem Blutstrom ausschalten. Eine offene Operation am Gehirn ist damit nicht mehr nötig, und die Behandlung dauert meist nur ein bis zwei Stunden!

Bis vor kurzem gab es einen Nachteil: Bei besonders breitbasigen Aneurysmen konnte nicht gecoilt werden. Doch jetzt gibt es auch hierfür eine Lösung. Ein selbst expandierender Stent (Gefäßstütze) wird unter dem Aneurysma platziert und verhindert so, dass die Spiralen wieder herausfallen können. Diese weitere Innovation verbessert die Behandlungsaussichten.

Vor allem Patienten mit schwer zugänglichen Aneurysmen, solche mit starker Hirnschwellung und ältere Menschen profitieren von dieser schonenden Methode. Im Unterschied zum Clipping kann das Coiling auch bei bewusstlos eingelieferten Patienten angewendet werden, womit sich die Überlebenschancen deutlich erhöhen. Klinische Untersuchungen belegen die hohe Wirksamkeit und Sicherheit des Coilings sowohl in der Kurzzeit- als auch in der Langzeitbetrachtung.

Das Coiling wird häufig auch als GDC bezeichnet. Die Abkürzung steht für Guglielmi Detachable Coils, nach dem Italiener Guido Guglielmi, der diese Methode entwickelt hat.

Kostenaspekte
Die Coiling-Behandlung reduziert den Aufenthalt im Krankenhaus, insbesondere auf der teuren Intensivstation, erheblich. Im Vergleich zu den bislang üblichen Behandlungsmethoden ist die Therapieform Coiling im besten Fall kostensparend, im ungünstigsten Fall kostenneutral.

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