19.05.2011

Katheterablation: Vorhofflimmern - wenn das Herz aus dem Rhythmus kommt

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Katheterablation ist das einzige Verfahren, das Vorhofflimmern vollständig heilen kann.
Springt ein Auto nicht an oder läuft ein Motor "unrund", ist oft etwas mit den Zündkerzen nicht in Ordnung. Die elektrischen Signale gelangen dann nicht über den vorgesehenen Weg an ihr Ziel und sorgen für Unregelmäßigkeiten.

Auch unser Motor - das Herz - und sein gleichmäßiger Rhythmus sind von elektrischen Signalen abhängig. Normalerweise bestimmt der Sinusknoten, ein Nervengeflecht im rechten Vorhof, unsere Herzfrequenz, um den Körper mit ausreichend Blut und Sauerstoff zu versorgen. Schlägt das Herz unregelmäßig, spricht man von Herzrhythmusstörungen, die häufigste Form ist das Vorhofflimmern. Schon heute sind rund eine Million Menschen in Deutschland davon betroffen - Tendenz steigend.

Was passiert im Körper?
Beim Vorhofflimmern arbeiten die Vorhöfe des Herzens unregelmäßig und mit einer erhöhten Schlagfrequenz. Sie erreichen dabei Spitzenwerte von mehr als 300 Schlägen pro Minute - fast fünf mal so schnell wie im normalen Ruhepuls. Verantwortlich sind so genannte Herde (Foci), die an den Wänden der Herzvorhöfe oder in den Lungenvenen zu finden sind. Diese "falschen" Zündkerzen stören die elektrischen Signale des Sinusknotens, indem sie zusätzliche Impulse an die Herzmuskeln abgeben. Die Folge: Die Vorhöfe ziehen sich viel zu schnell zusammen, um ausreichend Blut in die Kammern zu pumpen. Die eingeschränkte Pumpleistung des Herzens führt bei 80 Prozent der Patienten zu Beschwerden wie Herzklopfen, Kurzatmigkeit, Schwindel oder Angst.

Bei einigen Betroffenen verschwindet das Vorhofflimmern von selbst, bei vielen entwickelt es sich jedoch zu einer chronischen Erkrankung. Neben Einschränkungen der Lebensqualität steigt durch anhaltendes Vorhofflimmern vor allem das Risiko für einen Schlaganfall. Denn im linken Vorhof können sich Blutgerinnsel bilden, die ins Gehirn gelangen können.

Katheterablation bei Vorhofflimmern
Katheterablation ist das einzige Verfahren, das Vorhofflimmern vollständig heilen kann.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Anhaltendes Vorhofflimmern kann medikamentös oder mit elektrischer Kardioversion behandelt werden. Dadurch wird der normale Sinusrhythmus des Herzens wieder hergestellt. Medikamente heilen das Vorhofflimmern allerdings nicht dauerhaft und die Patienten müssen damit rechnen, dass ihr Vorhofflimmern immer wieder auftritt. Darüber hinaus verursachen sie bei vielen Patienten unerwünschte Nebenwirkungen.

Dauerhafte Heilung verspricht hingegen die Ablation. Bei diesem neuen Therapieverfahren werden die Ursprungsherde thermisch verödet (abladiert) und elektrisch isoliert. Dabei werden verschiedene Energieformen genutzt: Hochfrequenzstrom, Kälte und jüngst auch Mikrowellen- und Ultraschall.

Muss sich der Patient ohnehin einer Herzklappen- oder Bypassoperation am offenen Herzen unterziehen, wird die erforderliche Ablation im Rahmen dieses Eingriffs vom Herzchirurgen durchgeführt. Soll allein das Vorhofflimmern behandelt werden, kann der Eingriff minimal-invasiv über einen Katheter erfolgen. Hierbei führt der Arzt einen Ablationskatheter zumeist über die Leistenvene bis zum linken Vorhof. Dort angekommen, wird die Katheterspitze gezielt an bestimmte Stellen des Herzgewebes geführt und gibt eine der genannten Energieformen ab. Dadurch wird das Gewebe punktuell verödet. Aneinandergereiht ergeben die Punkte eine narbige Barriere, die keine unerwünschten elektrischen Impulse mehr an den Vorhof "durchlässt". Die elektrischen Impulse können dann nur noch entlang der gesetzten Ablationslinien verlaufen. Oft ist das Vorhofflimmern schon nach einer Behandlung geheilt - manchmal erst nach 2-3 Ablationen.

Seit einiger Zeit wird vor dem Eingriff die Erregungsleitung im Vorhof mit Hilfe eines Mappingsystems dreidimensional und in Farbe abgebildet und so eine punktgenaue Navigation des Ablationskatheters ermöglicht. Dieses Vorgehen ist für den Patienten noch schonender, weil so die von einer Röntgen-Durchleuchtung ausgehende Strahlenbelastung reduziert wird. Viele Patienten kommen nach der Ablation mit deutlich weniger Medikamenten aus, manche können sogar ganz darauf verzichten.

Auch die Studienlage spricht für die Ablation: Sie belegt eine doppelt so niedrige Sterblichkeit und Kosteneffektivität gegenüber der Behandlung mit Kardioversion und Medikamenten.

Verfügbarkeit der Therapie und Hinweise für den Patienten
Angesichts der Vorteile für den Patienten und des Einsparpotentials im Gesundheitswesen stellt sich die Frage: Warum wird die Katheterablation nicht viel häufiger eingesetzt? Neue Therapieverfahren wie die Katheterablation sind zwar bereits im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen abgebildet, allerdings noch nicht ausreichend. Außerdem muss das Krankenhaus zur Durchführung der Ablation über eine entsprechende technische Ausstattung und medizinische Erfahrung verfügen. Bislang erfüllen nur rund 60 Kliniken deutschlandweit die genannten Kriterien, allerdings steigt ihre Zahl stetig aufgrund des großen Bedarfs. Da die Ablation die bislang einzige Therapie ist, die Vorhofflimmern dauerhaft heilen kann, empfiehlt Aktion Meditech Patienten, gründlich mit ihrem Arzt über die Behandlungsmöglichkeiten zu sprechen und dann ggf. zu prüfen, welches Krankenhaus die genannten Voraussetzungen erfüllt.

Letzte Aktualisierung: Mai 2007
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