19.05.2011

Hitze wirkt erfolgreich gegen Krampfadern

In Deutschland ist fast ein Viertel aller Bundesbürger zwischen 18 und 79 Jahren von Krampfadern (medizinisch: Varizen) betroffen, Frauen viermal häufiger als Männer. Gründe für die Erkrankung sind, neben Schwangerschaften oder ererbtem schwachen Bindegewebe, zunehmende sitzende Tätigkeiten und genereller Bewegungsmangel. Ist der Mensch zu wenig "auf den Beinen", kann dies folgenreiche Auswirkungen auf den Blutkreislauf haben. Die sogenannte Muskel-Waden-Pumpe, die das Blut gegen die Schwerkraft durch die Venen zum Herzen hinauf befördert, wird dann unzureichend aktiviert und das Blut sackt in die Beinvenen zurück - die Beine schwellen an und werden schwer. Durch den erhöhten Druck werden zudem die Gefäßwände auseinander gedrückt, bis sich die Venenklappen nicht mehr komplett schließen können. Das führt schlussendlich zu einem Blutstau und zu einer Überdehnung in den angrenzenden Venenabschnitten. So entstehen die typischen knotenförmigen, bläulichen Erweiterungen der Venen, die deutlich am Bein hervortreten: Krampfadern. Diese sind nicht nur aus kosmetischen Gründen störend, sondern können auch schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Unbehandelt können sie Venenentzündungen, Beinvenenthrombosen oder offene Wunden an den Beinen verursachen.

Eine Fülle an Therapiemöglichkeiten
Bisher sind Kompressionsstrümpfe oder das operative Entfernen der erkrankten Venenabschnitte - das sogenannte Stripping - die Methoden der Wahl. Wobei der operative Eingriff häufig mit unangenehmen Nebenwirkungen wie Narbenbildung oder Wundinfektionen einhergeht. Venenspezialisten - sogenannte Phlebologen - rücken den erkrankten Venen deshalb zunehmend durch Hitzeeinwirkung mittels Laserkatheter oder Schaumverödung zu Leibe. Während die Gefäße durch die Hitze von 700 bis über 1000 Grad Celsius geschlossen werden, werden sie durch den Schaum verklebt. Beide Behandlungen lassen keine Narben zurück, allerdings können sich die Gefäße bei der Schaumverödung nach einiger Zeit wieder öffnen.

Radiofrequenzen bringen weiteren Fortschritt
Ein neues, sehr effektives Verfahren, das in den USA bereits seit einigen Jahren angewendet wird, hält nun auch in deutschen Kliniken und Praxen Einzug: die Therapie mit einem Radiofrequenzkatheter. Dabei wird mit Hilfe von Wärme eine der beiden großen oberflächlichen Stammvenen (die Vena Saphena Magna) verödet. Der ambulante Eingriff ist schnell und schonend: Unter lokaler Betäubung wird der Katheter in die defekte Stammvene eingeführt und bis zur Leiste vorgeschoben. An der Spitze des Katheters befindet sich ein sieben Zentimeter langes Segment, das für exakt zwanzig Sekunden auf 120 Grad Celsius erhitzt wird. Durch die Hitzeeinwirkung schrumpft das Gefäß innerhalb kürzester Zeit, durch die Lokalanästhesie spürt der Patient davon kaum etwas. Im Anschluss wird der Katheter 6,5 Zentimeter zurückgezogen und der nächste Abschnitt verödet - solange bis die Vene auf der gesamten Strecke verschlossen ist. Besonders positiv: Das umliegende Gewebe wird bei dieser Methode nicht geschädigt und es bleiben praktisch keine störenden Narben zurück. Nach dem Eingriff muss der Patient für einen Tag einen Kompressionsverband tragen, ist allerdings schon am nächsten Tag wieder arbeitsfähig. Idealerweise trägt er für eine weitere Woche Kompressionsstrümpfe und bewegt sich viel, um den Blutfluss zu unterstützen.

Derzeit ist diese Methode die nebenwirkungsärmste Therapieoption und wird in rund 200 Kliniken und Praxen durchgeführt - mit steigender Tendenz. Privat versicherte Patienten bekommen die Behandlung vollständig erstattet; mittlerweile übernehmen auch einige gesetzliche Krankenkassen die Kosten. Der Erstattungsbetrag liegt dabei in der Regel bei 1.000 bis 1.700 Euro pro Bein.
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