19.05.2011

Tödliche Tuberkulose: Schnelle Diagnose entscheidend

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind circa zwei Milliarden Menschen – das entspricht rund einem Drittel der Weltbevölkerung – mit Tuberkulose-Erregern infiziert. Bei jedem Zehnten bricht die Erkrankung aus und setzt sich in 90 Prozent der Fälle in der Lunge fest. In Deutschland sind rund 4.500 Tuberkulosepatienten beim Robert-Koch-Institut gemeldet, trotz Meldepflicht wird allerdings mit einer deutlich höheren Dunkelziffer gerechnet. Uncharakteristische Beschwerden wie Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und chronischer Husten können Hinweise für eine tuberkulöse Erkrankung sein.

Die Infektionskrankheit wird meist über die Luft weitergegeben - in Form von Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen ausgestoßen werden. Glücklicherweise folgt nicht jeder Infektion mit Tuberkulosebakterien eine Erkrankung – in den meisten Fällen schützt das Immunsystem davor. Ein erhöhtes Risiko zu erkranken haben deshalb vor allem Menschen mit einer schwachen Immunabwehr wie etwa HIV-Infizierte, ältere Menschen über 65 Jahre oder Kleinkinder.

Resistenzen erschweren Therapie
Da es derzeit keinen wirksamen Impfschutz gegen Tuberkulose gibt, besteht die wichtigste vorbeugende Maßnahme darin, erkrankte Personen möglichst frühzeitig zu entdecken und sowohl rasch als auch effektiv zu behandeln. Das Problem dabei: Durch Fehlmedikation aufgrund von ungenauer Resistenzbestimmung, unregelmäßige Antibiotika-Einnahme der Patienten und Nichtvorhandensein von ausreichenden Medikamenten können sich bei den Erregern (weitere) Resistenzen gegen Antibiotika ausbilden. So gibt es mittlerweile so genannte multiresistente Erreger, denen viele der zu Beginn der Therapie eingesetzten Antibiotika nichts mehr anhaben können. Patienten, die sich mit diesen Erregern infiziert haben, behandeln Ärzte dann mit „Zweitrang“-Medikamenten. Doch seit 2006 sind nun auch solche Erreger identifiziert worden, die über die Multiresistenz hinaus auch Resistenzen gegen diese speziellen Antibiotika entwickelt haben. Die Heilungschance der betroffenen Patienten ist dann äußerst gering, weil man meist zu spät das helfende Mittel findet oder keine wirksamen Mittel vorhanden sind. Zudem verlängert sich die Therapie von sechs Monaten auf fast zwei Jahre.

Schnelligkeit und Präzision bei der Diagnose gefragt
Aufgrund der zunehmenden Problematik der Medikamentenresistenzen ist eine schnelle und exakte Diagnostik von besonderer Bedeutung. Werden die multi- oder hochresistenten Erreger schnell entdeckt, können die Patienten umgehend mit einem wirksamen Antibiotikum behandelt werden. Zeitgleich kann zudem eine Verbreitung der Infektion eingedämmt werden. Die neueste Testmethode für die Resistenzenbestimmung ist die Verwendung von flüssigen Nährmedien, welche in einem Analyseautomat getestet werden. Der behandelnde Arzt erhält durch diese eine zeitnahe, verlässliche Diagnose und kann eine zielgerichtete Therapie einleiten, um eine Ausbreitung der Erreger zu verhindern. Das ist gerade in ärmeren Staaten wichtig, da dort wegen der schlechteren Hygieneverhältnisse und der höheren Bevölkerungsdichte potentiell eine größere Ansteckungsgefahr als in den Industrieländern besteht.

Deshalb sollte in jedem Gesundheitssystem verstärkt in moderne Testmethoden investiert werden. Auch, da sie einen wichtigen Teil dazu beitragen – neben Impfungen und neuen Medikamenten, die die Erkrankungsdauer verkürzen und die Erreger vernichten – ein großes Ziel zu erreichen: Die Tuberkulose bis zum Jahr 2050 gänzlich von der Erde verbannen zu können.

Letzte Aktualisierung: Juni 2010
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