19.05.2011

Sepsis: Früherkennung kann Leben retten

Eine Sepsis, im Volksmund auch verharmlosend „Blutvergiftung“ genannt, ist eine lebensgefährliche Infektion. Sie kann durch Erreger, meistens Bakterien, seltener aber auch durch Pilze, ausgelöst werden. Die Sterblichkeitsrate unter den rund 154.000 Erkrankten in Deutschland pro Jahr ist alarmierend: Jeder zweite bis dritte Patient überlebt eine Sepsis nicht. Häufig trifft die Erkrankung Patienten, die gerade eine schwere Operation oder Chemotherapie hinter sich gebracht haben und deren Immunabwehr sehr geschwächt ist. Aber auch im Alltag ist niemand davor gefeit: Ein kleiner Schnitt mit der Gartenschere reicht manchmal aus, damit sich an der Wundstelle eine Infektion entwickelt, deren Folge eine Sepsis sein kann.

Zu Beginn ist die aus der Infektion resultierende Entzündung örtlich begrenzt, zum Beispiel auf die Lunge, die Harnwege oder eine Hautverletzung. Gerät die Infektion jedoch außer Kontrolle, weil der Körper sie nicht mehr eindämmen kann, gelangen die Erreger über das Blut in den gesamten Körper. Die Immunabwehr wird durch die Eindringlinge alarmiert und reagiert mit einem massiven „Gegenangriff“, indem Gifte freigesetzt werden – Mediziner nennen dies SIRS (Systemic Inflammatory Response Syndrome). Das Fatale: Die Gifte greifen, neben den gefährlichen Erregern, auch den eigenen Körper an, es kommt zu einem Kreislaufzusammenbruch. Dieser „septische Schock“ führt in der Folge meist zu einem Versagen der wichtigsten Körper- und Organfunktionen, unter anderem Leber und Nieren.

Da die Infektion so tückisch und schnell verläuft, ist der Faktor Zeit bei der Behandlung der Sepsis entscheidend: Je schneller dem Patienten die geeigneten Medikamente verabreicht werden, umso höher sind seine Überlebenschancen.

Wichtig für die zielgerichtete Behandlung ist deshalb eine frühzeitige Diagnose. Diese ist im Fall der Sepsis nicht ganz einfach: Die typischen Symptome Fieber, Unwohlsein und Verwirrtheit passen auf viele Erkrankungen und lassen manche Ärzte nicht zwangsläufig an eine Sepsis denken.

Jede Sekunde zählt: Automatisierte Blutkultursysteme
Sobald allerdings der Verdacht besteht, muss der Patient umgehend mit einem Breitbandantibiotikum behandelt werden. Innerhalb der ersten 24 bis 72 Stunden nach der Infektion können Blutkulturen dann dabei helfen, die Bakterien oder Pilze im Blut nachzuweisen. Eine Blutprobe – je 20-30 ml Blut (bei Kindern deutlich weniger) – wird hierzu aus unterschiedlichen Venen zwei- bis dreimal entnommen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine richtige Diagnose, da eine einzige Entnahme immer auch die Gefahr eines falschen Ergebnisses birgt. Automatisierte Blutkultursysteme überwachen nun die Blutproben kontinuierlich und führen alle 10 bis 20 Minuten Messungen und Aufzeichnungen durch. Alle Informationen sind für die behandelnden Ärzte und das Laborpersonal 24 Stunden täglich per Fax, E-Mail, SMS oder Pieper verfügbar. Patienten mit Sepsisverdacht und vor allem ihre Angehörigen, sollten unbedingt darauf achten, dass gemäß den Leitlinien mindestens zwei bis drei Blutproben in ca. 20-minütigen Abständen vorgenommen werden. Dies ist Voraussetzung für eine optimale Therapie.

Liegt aufgrund der Blutprobenergebnisse eindeutig eine Sepsis vor, wird die Antibiotikagabe gegebenenfalls sofort angepasst. Diese gezielte Behandlungsstrategie vermeidet gefährliche Fehlmedikationen, bei denen die Medikamente teilweise ihre Wirkung einbüßen können. Werden zu viele verschiedene Antibiotika eingesetzt – beispielsweise prophylaktisch bei einer nicht eindeutigen Diagnose – besteht die Gefahr, dass der Körper gegen die körperfremden Helfer Resistenzen entwickelt und schlussendlich kein Antibiotikum mehr anschlägt. Vermehrte operative Eingriffe und besagte Antibiotikaresistenzen können bei einigen Patienten sogar zum Tode führen.

Erfreulicherweise verfügen heute immer mehr Krankenhäuser über automatisierte Blutkultursysteme und stellen so sicher, dass ihre Patienten die bestmögliche Diagnose und Behandlung bekommen.
Letzte Aktualisierung: Oktober 2009
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