19.05.2011

Lungenentzündung: Manschette macht künstliche Beatmung sicherer

Der Mensch atmet durchschnittlich in der Minute 15 Mal ein und aus. Das geschieht überwiegend unbewusst, denn das Atemzentrum im Gehirn sorgt dafür, dass wir automatisch Luft holen. Die Körperzellen werden so regelmäßig mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgt. Kann ein Mensch nicht mehr oder nur ungenügend atmen, muss er künstlich beatmet werden. Das ist häufig bei Operationen unter Narkose wie bei der Verlegung eines Magenbypasses oder bei Patienten auf der Intensivstation der Fall.

Maschinelle Unterstützung
Bei der invasiven Beatmung erfolgt die Luftzufuhr über ein spezielles Beatmungsgerät (medizinisch Respirator). Im Gegensatz zur externen Beatmung mit einer Maske wird dem Patienten ein so genannter Endotrachealtubus (ETT) über Mund oder Nase direkt in die Luftröhre eingeführt. Dieser Tubus ist über einen Schlauch mit dem eigentlichen Beatmungsgerät verbunden. Die genaue Dosierung des Luftgemischs ist abhängig von vielen individuellen Faktoren, wie zum Beispiel Größe, Gewicht und klinischer Zustand des Patienten, aber auch dem Sauerstoff- und der Kohlendioxidgehalt in seinem Blut. Der künstlich beatmete Körper ist weitestgehend schutzlos und ganz auf die Unterstützung von Arzt und Maschine angewiesen. Im Normalfall funktioniert diese Hilfe sehr gut, der Patient bleibt stabil und kann häufig später wieder allein atmen. Es können jedoch auch Probleme bei der künstlichen Beatmung auftreten: Nicht nur der wichtige Sauerstoff findet den Weg über den Tubus in die Atemwege, sondern hin und wieder auch gefährliche Keime, die in den Lungenflügeln zu gefährlichen Infektionen führen können. Mediziner nennen die schädliche Aufnahme von Erregern, die sich vor allem in den körpereigenen Sekreten tummeln, in die Atemwege „Mikroaspiration“. Eine häufige Folge ist eine tragischerweise oft tödlich verlaufende Lungenentzündung (Pneumonie).

Keime in der Sackgasse
Damit die Erreger nicht mehr über den Tubus in die Lunge geraten können, verfügen moderne ETTs über eine spezielle Blockadetechnik. Dafür wird eine kegelförmige Manschette (Cuff) am unteren Ende des Schlauches angebracht. Diese blockiert, wenn sie aufgeblasen ist, den Weg für die Erreger in die tieferen Atemwege und die Lunge. Besonders schonend: Sie liegt dabei nur so fest an, dass eine Mikroaspiration effektiv verhindert wird. Bei herkömmlichen Cuffs besteht die Gefahr, dass sie Erreger vorbeilassen, obwohl der Cuff aufgeblasen ist. Durch die blockierte Zufahrt landen die Keime in einer Sackgasse, aus der sie nicht wieder herauskommen. Sie sammeln sich oberhalb des Cuffs an und werden bei modernen Endotrachealtuben über eine zusätzliche Saugleitung regelmäßig abgesaugt.

Unscheinbarer Lebensretter
So unauffällig die kegelförmigen Cuffs auch sind, sie dienen dem künstlich beatmeten Patienten im Verborgenen als wichtiger Schutzschild gegen gefährliche Erreger. Sowohl Patient als auch Arzt geben sie dadurch während der Operation oder auf der Intensivstation mehr Sicherheit. In Kombination mit einem kontrollierten Hygienemanagement, unter anderem durch regelmäßige Händedesinfektion, kann zudem das Infektionsrisiko und die Gefahr einer Lungenentzündung effektiv vermindert werden. Beatmete Patienten sind sehr verletzlich - Betroffene beziehungsweise deren Angehörige sollten sich deshalb bei einer Einweisung in die Klinik informieren, welche Maßnahmen zum Infektionsschutz genau ergriffen werden.
Letzte Aktualisierung: Juni 2010
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