19.05.2011

Modellierbarer Hautschutz: Versorgung für Stomaträger

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Der modellierbare Hautschutz dichtet jedes Stoma sicher ab.
Jeder Mensch verbringt durchschnittlich neun Monate seines Lebens auf der Toilette: Die natürliche Verdauung ist für die meisten von uns eine Selbstverständlichkeit, über die wir nur dann nachdenken, wenn sie mal nicht problemlos von statten geht. Was aber passiert, wenn durch Krebs, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder einen Unfall Darm oder Blase nicht mehr voll funktionsfähig sind und der "gewohnte" Gang nicht mehr selbstverständlich ist?


Künstlicher Ausgang - Tabu und Normalität zugleich
In Deutschland leben rund 100.000 Menschen dauerhaft mit einem künstlichen Ausgang (medizinisch: Stoma). Dabei wird ein Teil des Darms oder der Harnblase durch eine zwei bis drei Zentimeter große Öffnung in der Bauchdecke nach außen verlegt. Die Ausscheidungen verlassen darüber den Körper und werden in einem Beutel aufgefangen. Je nach betroffenem Organ spricht man von einem künstlichen Dick- oder Dünndarmausgang (Kolostoma bzw. Ileostoma) oder einer künstlichen Harnableitung (Urostoma). Den meisten Betroffenen fällt es zunächst sehr schwer, sich an das Stoma zu gewöhnen. Es muss bei vielen ganz alltäglichen Dingen wie Duschen, Baden, Ernährung und Sport, aber auch Reisen und Sexualität berücksichtigt werden, was für viele Patienten sehr belastend ist. Dennoch machen die meisten Patienten die Erfahrung, dass sie auch mit einem Stoma ein weitgehend normales Leben führen können. Eine optimale Stomaversorgung, etwa in Form von Beuteln und Basisplatten, kann dabei helfen, die neue Situation schneller und einfacher in den Griff zu bekommen.

Bewährt, aber nicht immer zuverlässig
Stomaträger haben die Wahl zwischen zwei bewährten Systemen: Die einteilige Versorgung besteht aus einem Beutel, dessen Öffnung über das Stoma gestülpt und auf die umliegende Haut geklebt wird. Wenn der Beutel voll ist, wird er gegen einen neuen ausgetauscht. Bei der zweiteiligen Stomaversorgung wird zunächst eine Art doppelseitig beschichtetes Pflaster über dem künstlichen Ausgang angebracht und der Beutel darauf fest"geklebt". Auf dieses System verlässt sich die überwiegende Mehrheit der deutschen Stomaträger. Doch weil jedes Stoma eine individuelle, mit der Zeit auch häufig flexible Form und Größe hat, sitzen die herkömmlichen Stoma-Systeme oft nicht hundertprozentig: Ausscheidungen können ungewollt austreten. Solche peinlichen "Unfälle" sind nicht nur unangenehm und belastend für den Betroffenen, die Ausscheidungen können zudem die Haut reizen und zu häufig sehr schmerzhaften Hautirritationen führen. Ist die Haut einmal entzündet, hält die Versorgung meist noch schlechter, wodurch sich die Hautschädigung noch weiter verschlimmert.

Neue Technologie für ein besseres Lebensgefühl
Ein völlig neues, modellierbares System sorgt nun für optimale Sicherheit. Die Hautschutzmasse mit vorgestanztem Startloch wird mit den Fingern nach außen hin "aufgerollt". Die Basisplatte wird dabei vor das Stoma gehalten, um überprüfen zu können, ob die zu modellierende Öffnung der Stomaform gleicht: Durch die vereinfachte Modellierbarkeit können problemlos ovale, runde oder auch unregelmäßige Stomata versorgt werden. Nach der Formung wird die Basisplatte auf die Haut aufgebracht leicht angedrückt und die Hautschutzmasse mit den Fingern an das Stoma massiert. Das Areal um die Öffnung wird so vollständig abgedeckt, was für optimale Sicherheit sorgt: Ein unerwünschtes Austreten der Körperausscheidungen und die damit verbundenen Hautreizungen sind nun nicht mehr möglich. Der atmungsaktive und antiallergene Hautschutz lässt sich dabei problemlos mit anderen Versorgungen kombinieren.

Auch wirtschaftlich lohnt sich das System: Die Betroffenen kommen mit weniger Beuteln und Hautpflegeprodukten aus und weil Hautschäden vermieden werden, sind auch Arztbesuche seltener nötig.

Recht auf optimale Versorgung
Eine in Dänemark durchgeführte Studie wies nach, dass rund 45 Prozent aller Personen mit dauerhaftem Stoma Hautprobleme in dessen Umgebung aufweisen. Bei mehr als der Hälfte der Fälle war die Versorgung undicht. Der modellierbare Hautschutz zählt zu den medizinischen Hilfsmitteln, dessen Kosten von den Krankenkassen übernommen werden, sofern der Arzt sie verordnet. Patienten sollten wissen, dass sie Anspruch auf die für sie medizinisch notwendige und damit am besten passende Stomaversorgung haben. Hierbei kann es individuell zu ganz unterschiedlichen Versorgungsarten und Verbrauchsmengen kommen. Als gesetzlich Versicherte haben sie nach § 33 SGB V das Recht auf die Versorgung, die im Einzelfall erforderlich ist.
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