19.05.2011

Herniennetze: Wenn die Leiste nicht mehr hält

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Allein in Deutschland erleiden jedes Jahr rund 200.000 Männer einen Leistenbruch - auch Leistenhernie genannt. Hernien der Leisten sind mit 65 Prozent die häufigsten Hernien und weltweit der Grund für jede fünfte Operation. Diese Hernien genannten "Brüche" können auch an anderen Stellen wie dem Bauchnabel, dem Zwerchfell oder bei Narben auftreten. Meist entstehen sie durch körperliche Überanstrengung oder eine Bindegewebsschwäche. Das Problem beim Leistenbruch: Er entsteht meist schmerzfrei und anfangs merken die Betroffenen oft nicht, dass etwas nicht stimmt. Erst bei Belastung oder bestimmten Bewegungen durchzuckt sie plötzlich ein spitzer Schmerz in der Leistengegend.



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Was passiert beim Leistenbruch?
Normalerweise liegt der Darm, umschlossen von einer Muskelschicht und dem Bauchfell (Peritoneum), sicher in der Bauchhöhle. Diese Muskelschicht hat auf beiden Seiten der Bauchhöhle eine natürliche Öffnung, den so genannten Leistenkanal, durch die die Blutgefäße, Lymphbahnen und beim Mann der Samenstrang verlaufen. Wenn die Muskeln beispielsweise durch schweres Heben überfordert werden, kann es passieren, dass die Öffnung nicht mehr richtig schließt und ein Teil des Darms schlüpft durch sie hindurch. Die Folge ist ein Leistenbruch. Leistenbrüche sind in der Regel als leichte Vorwölbung unter der Haut sichtbar und lassen sich auch ertasten.


Ist der Darm erst einmal durch die Lücke in der Muskelschicht "durchgebrochen" und hat sich dabei ein so genannter "Bruchsack" gebildet, kann er nicht mehr selbständig in seine ursprüngliche Position zurück gelangen. Dadurch kommt es zu einer permanenten Reizung des Bauchfells mit der Folge andauernder Schmerzen, die sich über kurz oder lang einstellen. Besonders dramatisch wird es, wenn der durchgebrochene Teil des Darms infolge der natürlichen Aktivität der Bauchmuskulatur regelrecht eingeklemmt wird: dann droht ein lebensgefährlicher Darmverschluss. Typische Anzeichen sind Durchfall, Verstopfung oder blutiger Stuhl. Im schlimmsten Fall wird die Blutversorgung des Darms vollständig abgeschnitten und das Verdauungsorgan stirbt ab. Um dieses lebensbedrohliche Risiko zu vermeiden, sollte ein Leistenbruch immer behandelt werden, selbst wenn er zunächst keine starken Schmerzen verursacht.

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Herniennetze
Naht oder Netz?
Leistenbrüche können nur mit einem chirurgischen Eingriff korrigiert werden. Dabei stehen dem Arzt prinzipiell zwei Operationsmethoden zur Auswahl. Er kann die so genannte Bruchstelle, also die Öffnung, durch die der Darm geschlüpft ist, auf "klassische" Art vernähen. Diese Nähte können oftmals aufreißen und es entsteht eine neue Hernie, was in der Fachsprache Rezidiv genannt wird. In den 1960er Jahren wurde ein neues Verfahren zur Behandlung von Leistenbrüchen und anderen Hernien entwickelt: so genannte Herniennetze. Seitdem wurden die Netze kontinuierlich weiterentwickelt, so dass sie heute federleichte High-Tech-Wunder aus Polyester oder Polypropylen sind. Sie verschließen die Bruchstelle so sicher, dass diese nicht mehr aufreißt, und bieten den Patienten eine hohe Verträglichkeit.


Die Implantation von Herniennetzen ist unkompliziert: Der Operateur schafft sich zunächst mit kleinen Schnitten einen Zugang zum Leistenkanal und schiebt den Bruchsack samt Darm zurück in die Bauchhöhle. Anschließend legt er das Herniennetz auf die Bruchstelle und vernäht es mit der Bauchwand. Innerhalb von nur drei bis vier Wochen wächst neues Gewebe vollständig in die Netzporen ein. Die so entstandene Kombination aus Netz und eingewachsenem Gewebe bildet eine stabilisierende Einheit. Der Patient ist dadurch optimal vor einer Rückfallhernie geschützt.

Dauerhafte Sicherheit
Zahlreiche klinische Studien zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, einen neuen Leistenbruch zu erleiden, mit Herniennetzen lediglich bei 2-3 Prozent liegt. Bei Operationen ohne Netz steigt das Rückfallrisiko auf bis zu 25 Prozent! Ein weiteres Plus für die leichten Netze: Die Betroffenen haben durch sie nicht dieses ständige Spannungsgefühl, das meist bei vernähten Leistenbrüchen entsteht. Zudem sind die Patienten dank der schonenden Operationsmethode schneller wieder gesund und belastbar. Die Behandlung der Leistenhernien ist mittlerweile so weit entwickelt, dass sie in den USA sogar zu 80 Prozent ambulant durchgeführt wird, damit die Patienten noch am gleichen Abend wieder nach Hause gehen können. Auch in Deutschland können die Betroffenen in einigen Fällen das Krankenhaus bereits einen Tag nach dem Eingriff wieder verlassen.

Kostenübernahme
Die Krankenkassen tragen die Kosten einer Operation mit Herniennetz vollständig. Mittlerweile erhalten rund 65 Prozent aller Leistenbruch-Patienten die innovativen Netze. Die Entscheidung für Netz oder Naht trifft der Arzt anhand von Faktoren wie dem Alter, der Stabilität des Bindegewebes, der Frage, ob der Patient raucht und ob vorherige Leistenbrüche vorliegen. Patienten mit Leistenbruch sollte ihren Arzt fragen, ob ein innovatives Herniennetz auch für sie in Frage kommt.
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