19.05.2011

Gallensteine: Neues Verfahren erleichtert Therapie

Gallensteine! Das klingt schmerzhaft: Doch „nur“ jedem dritten Betroffenen bereiten die Steine Beschwerden. Was sich positiv anhört, kann für die Betroffenen jedoch gefährlich werden. Denn bei Gallensteinen (medizinisch: Cholelithiasis) wären Beschwerden hilfreich, um die Erkrankung schnell zu erkennen und behandeln zu können.Ohne Therapie können die Steine zu einer Entzündung der Gallenblase führen oder sich langfristig im schlimmsten Falle gar zu Gallenblasenkrebs entwickeln. Für eine rechtzeitige Erkennung oder gar Vermeidung solcher schwerer Erkrankungen der Gallenwege werden deshalb Vorsorge-Maßnahmen, eine gezielte Diagnostik und gegebenenfalls eine qualifizierte Therapie immer wichtiger.

Gefährliche Gallensteine
Die Gallenflüssigkeit dient der Verdauung von Fett. Wird sie zu stark eingedickt, können sich Gallensteine in der Gallenblase bilden, die in die Gallenwege abgehen und diese verstopfen. Etwa jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann über 40 Jahre haben Gallensteine, bei 75-Jährigen sind sie sogar noch häufiger. Meist bleiben diese unbemerkt, da sie keinerlei Beschwerden bereiten. Nur circa ein Viertel der Patienten leidet unter den typischen Krankheitszeichen wie Völlegefühl, andauernde Schmerzattacken im rechten Oberbauch, die auch in den Rücken ausstrahlen können (Gallenkolik), Übelkeit / Erbrechen und Unverträglichkeiten von bestimmten Nahrungsmitteln. In manchen Fällen erkranken die Betroffenen zusätzlich an einer Gelbsucht, die sich zu Beginn durch eine gelbliche Verfärbung der Bindehaut der Augen bemerkbar macht. Sowohl die Gelbsucht aber auch die auslösenden Gallensteine müssen schnell erkannt und therapiert werden, um Folgeerkrankungen und -schäden zu vermeiden.

Der Blick in den Gallengang
Ärzte haben für die Diagnostik bislang auf Ultraschall, bestimmte Laborwerte und eine spezielle radiologische Untersuchung, kombiniert mit einem Endoskop (ERC), zurückgegriffen. Das Problem der ERC: Veränderungen im äußerst engen Gallengang können nicht direkt sichtbar gemacht werden. Bei unklaren Verengungen des Gallengangs kann mit dieser Methodik auch keine eindeutige Diagnose gestellt (ist es ein Gallenstein oder vielleicht ein bösartiger Tumor?), keine gezielte Gewebeprobe entnommen und keine adäquate Therapie eingeleitet werden. Anders bei der Gallengangsendoskopie (Cholangioskopie): Hier kann der Gallengang mittlerweile sehr gut sichtbar gemacht und zum Beispiel Gallensteine im gleichen Arbeitsschritt zerstört werden. Darüber hinaus können mittels des Verfahrens Gewebeproben (Biopsie) für die weitere Diagnose entnommen werden. Aber es hat auch Nachteile: Bei den bisher noch sehr „anfälligen“ Cholangioskopiegeräten müssen gleich zwei erfahrene Ärzte gemeinsam den Eingriff durchführen, da ein Arzt das Endoskop und der andere das Cholangioskop steuern muss. Darüber hinaus waren die Steuerungsmöglichkeiten des Cholangioskops im Gallengang bisher noch begrenzt.

Technische Fortschritte
Aber auch in diesem Bereich hat sich die Medizintechnik weiterentwickelt und die so genannte modulare Cholangioskopie hervorgebracht, durch die man den genannten Nachteilen begegnen kann. Wie bei jeder Endoskopie wird dem Patienten dabei zunächst der Rachen betäubt und ein leichtes Beruhigungsmittel verabreicht. Während der Untersuchung liegt der Patient auf der linken Seite und ein kleines, schlauchförmiges Gerät – ein in vier Richtungen steuerbarer Multifunktionskatheter – wird vom behandelnden Arzt durch das bereits eingeführte Endoskop direkt in den Gallengang vorgeschoben. Endoskop und Cholangioskop können dabei von ein und demselben Arzt gesteuert werden. Unter optimaler Sicht (mithilfe einer integrierten Kamera und Lichtquelle) ist es nun möglich, eine präzise Diagnose zu stellen und bei Bedarf eine Gewebeprobe mit einer speziellen Biopsiezange zu entnehmen. Gegebenenfalls kann eine sofortige Therapie, wie zum Beispiel eine Gallensteinzertrümmerung mittels Laser, über den bereits eingeführten Multifunktionskatheter eingeleitet werden. Aufgrund der klaren Diagnose können dem Patienten viele weitere Untersuchungen und möglicherweise inadäquate Behandlungen erspart werden. Durch diese medizin-technische Innovation kann außerdem Krebs, übrigens auch in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), frühzeitig erkannt und damit Leben gerettet werden. Das Verfahren der modularen Cholangioskopie wird bundesweit bereits in 17 Zentren angewendet. Patienten sollten ihren behandelnden Arzt auf diese Möglichkeit ansprechen.
Letzte Aktualisierung: Juni 2010

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