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Medikamente-freisetzender Ballon (DEB): Verengung der Herzkranzgefäße 20.12.2011    

Kommt es im System der Koronararterien zu Verengungen und dadurch zu einer Beeinträchtigung der Sauerstoffversorgung des Herzens, spricht man von einer koronaren Herzkrankheit (KHK), deren schwerwiegende Folgen häufig Angina Pectoris, Herzinfarkt (Myokardinfarkt) oder Herzschwäche (Herzinsuffizienz) sind. Jedes Jahr versterben allein in Deutschland 340.000 Menschen an der Erkrankung.

Um eine ausreichende Durchblutung der Herzkranzgefäße wieder sicherzustellen, führen Kardiologen heute meist eine sogenannte Ballondilatation durch, bei der die verengten Gefäße wieder aufgedehnt werden. Das etablierte Verfahren nennt sich Perkutane Transluminale Coronare Angioplastie (PTCA) und wird deutschlandweit pro Jahr rund 270.000 Mal durchgeführt. Es hat allerdings den Nachteil, dass sich 30 bis 50 Prozent der so behandelten Gefäße nach spätestens sechs Monaten wieder verengen. Deshalb wird mittlerweile häufig ergänzend ein Stent – eine kleine Gefäßstütze aus einem Drahtgeflecht, die oft auch mit Medikamenten beschichtet ist – in das Gefäß implantiert, um einer erneuten Bildung von Engstellen (Restenose) vorzubeugen. Dieses Verfahren heißt Perkutane Koronarintervention (PCI). Jedoch sind auch dem Einsatz (Medikament-freisetzender) Stents Grenzen gesetzt. Dies insbesondere bei Patienten, die bereits einen Stent implantiert bekamen und dieser sich wieder verengt hat oder bei Patienten, die die notwendige Medikation nach Implantation eines Medikament-freisetzenden Stents nicht vornehmen können, da sie vor einer Operationen stehen oder einfach eine Kontraindikation für diese Medikation besitzen.

Für diese Patienten steht ein innovatives Verfahren zur Verfügung: Der Medikamente-freisetzende Ballon (Drug Eluting Balloon, DEB). Dieses Verfahren verbindet die klassische PTCA mit einem Ballon-Katheter und der wirkungsvollen pharmazeutischen Therapie, die aus dem Einsatz Medikament-freisetzender Stents bekannt ist. In der aus der PTCA bekannten Art und Weise wird auch ein Medikament freisetzender Ballon-Katheter eingesetzt. Unter örtlicher Betäubung wird ein Zugang zum arteriellen Gefäßsystem des Patienten geschaffen und der Katheter über die Aorta in die Herzkranzgefäße vorgeschoben. Das Vorschieben wird jederzeit mittels Röntgenkontrolle überwacht. Der Katheter wird in der zu behandelnden Engstelle des Herzkranzgefäßes platziert. Exakt in dieser Position dehnt man den Ballon des Katheters für 30 bis 60 Sekunden auf. Er weitet das Innere des Gefäßes (Lumen), so dass sich der Durchmesser wieder vergrößert und das Blut ungehindert fließen kann. Um eine Wiederverengung zu verhindern, wird beim Öffnen des Ballons von dessen Oberfläche der bekannt wirksame, wachstumshemmende Wirkstoff Paclitaxel freigesetzt und über die gesamte behandelte Gefäßwand abgegeben. So wird das Wachstum der Gefäßwandzellen gehemmt, nicht aber das des schützenden Endothels, eine dünne Schicht aus Zellen, die das Innere von Blutgefässen auskleidet. Der Katheter mitsamt dem wieder zusammengefalteten Ballon wird nach der Prozedur aus den Gefäßen entnommen. Der Patient muss nach dem Eingriff noch ein bis drei Tage im Krankenhaus bleiben und für mindestens vier Wochen blutverdünnende Medikamente einnehmen (Thrombozytenaggregationshemmer), um das Risiko für eine Blutgerinnselbildung zu vermindern – bei der klassischen PCI beträgt die Einnahmezeit sechs bis zwölf Monate oder gar noch länger. Sollte es nach der Behandlung mit dem DEB zu einem erneuten Verschluss des Gefäßes kommen, ist das Verfahren problemlos wiederholbar. Der DEB empfiehlt sich auch bei Patienten, denen zuvor ein (Medikamente-freisetzender) Stent implantiert wurde und bei denen es zu dem seltenen Fall einer In-Stent-Restenose gekommen ist.

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