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Studie: Mehr unter 60-Jährige erhalten künstliche Kniegelenke 11.07.2018    

Gütersloh – Immer mehr Menschen wird bei Kniearthrose ein künstliches Kniegelenk eingesetzt. Zunehmend erhalten auch unter 60-Jährige entsprechende Prothesen. Zwischen 2013 und 2016 sind die Operationszahlen in dieser Altersgruppe um 23 Prozent gestiegen, teilt die Bertelsmann Stiftung als Fazit einer Studie mit.

Insgesamt sei zwischen 2013 und 2016 die Zahl der Eingriffe um 18 Prozent von 143.000 auf 169.000 gestiegen. Dieser Anstieg erfolge auf Jahre stabiler und zuletzt rückläufiger Knieprothesen-OPs. Erklärbar sei dieser Trend weder durch medizinische, noch durch demographische oder geografische Einflussfaktoren. Bei den unter 60-Jährigen seien die Operationszahlen von 27.000 auf 33.000 sogar um 23 Prozent gestiegen. „Dass immer mehr jüngere Patienten Knieprothesen bekommen, lässt fragen, ob die Operationen wirklich medizinisch notwendig indiziert sind. Dies ist besorgniserregend“, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) reagiert auf die Kritik der Stiftung: Es gebe kaum einen Bereich der operativen Leistungen, der so intensiv zwischen behandelnden Ärzten und Patienten geklärt wird, wie die Endoprothetik, betont deren Hauptgeschäftsführer Georg Baum. „Hier greift ein Mehraugenprinzip. Zudem besteht immer die Möglichkeit, Zweitmeinungen einzuholen.“
Stellung beziehen auch die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik, die Deutsche Kniegesellschaft und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie. Sie heben hervor, dass der Anstieg für den Einsatz künstlicher Kniegelenke seit 2009 mit acht Prozent im internationalen Durchschnitt liege. Aufgrund des demografischen Wandels erwarten die Experten künftig sogar noch höhere Zahlen. Sie engagieren sich für eine qualitätsgesicherte chirurgische Versorgung und gelenkerhaltende Behandlungsmaßnahmen. „Diese Strategie kann aber nur dann erfolgreicher sein, wenn die Qualität und konservative Behandlung zukünftig wieder besser vergütet werden“, sagt Prof. Carsten Perka, Vizepräsident der DGOU.

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