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Große regionale Behandlungsunterschiede bei Rückenschmerzen 24.07.2017    

Gütersloh – In Deutschland werden Rückenbeschwerden regional sehr unterschiedlich behandelt. Der Wohnort bestimme, ob Patienten ins Krankenhaus kommen, konservativ behandelt oder operiert werden. Medizinisch seien diese großen Unterschiede nicht erklärbar, heißt es in einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung. „Wackelige Datenbasis, wackelige Ergebnisse“, finden hingegen Orthopäden und Chirurgen.

Operative Eingriffe aufgrund von Rückenbeschwerden haben laut Bertelsmann Stiftung stark zugenommen: Von 2007 bis 2015 stiegen sie um 71 Prozent von 452.000 auf 772.000. Auffällig sei, dass bestimmte Rücken-OPs je nach Wohnort der Patienten unterschiedlich häufig durchgeführt werden. „Die regional sehr großen Unterschiede haben sich über die Jahre sogar verfestigt“, resümiert die Stiftung. Betrachtet wurden die Häufigkeiten von Versteifungsoperationen, Entfernungen knöcherner Strukturen am Wirbelkanal (Dekompressions-OPs) und Bandscheiben-OPs in allen 402 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands.
Gravierende regionale Unterschiede zeigten sich bei aufwendigen Versteifungsoperationen. Bei Patienten im Landkreis Fulda finden laut Studie 13-mal so viele Eingriffe statt wie in Frankfurt/Oder. Auffällig hohe Operationszahlen je 100.000 Einwohner wiesen viele Kreise in Thüringen, Hessen und im Saarland auf. Hingegen kämen Versteifungsoperationen in den meisten sächsischen Kreisen und in Bremen deutlich seltener vor. Bei Dekompressions-OPs würden ebenfalls Unterschiede bis zum 13-fachen, bei Bandscheiben-OPs bis zum 6-fachen festgestellt.
Parallel zu den OP-Zahlen habe sich auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Rückenerkrankungen von 2007 bis 2015 um 154.000 auf 611.000 Fälle pro Jahr erhöht.
Eine große Schwachstelle der Studie ist nach Ansicht der Experten von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie und des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie, dass die Bertelsmann-Autoren übersehen haben, dass bei einer Wirbelsäulen-Operation mehrere OP-Schlüssel vergeben werden können, so dass die Zahl der OP-Schlüssel nicht gleich der Zahl der Operationen sei – dabei könnten mehr als zehn Maßnahmen innerhalb eines Eingriffs erfasst werden. Dies könnte eine Ursache für die regionalen Unterschiede sein, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

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