Zur Startseite der Aktion Meditech

Navigation

Inkontinenz: Mit elektrischen Impulsen gegen den Drang 17.05.2018    

Inkontinenz: Mit elektrischen Impulsen gegen den DrangEltville – Zwischen sieben und acht Millionen Frauen und Männer sind in Deutschland von Inkontinenz betroffen: Sie können entweder ihren Harndrang nicht mehr kontrollieren oder haben eine Schließmuskelschwäche des Afters. Harn- und Stuhlinkontinenz sind in der Öffentlichkeit jedoch häufig noch Tabuthemen. Für bestimmte Patienten mit überaktiver oder unteraktiver Blase sowie mit Stuhlinkontinenz existiert mit der so genannten sakralen Neuromodulation eine etablierte minimal-invasive Therapieoption: Der Beckenboden-Schrittmacher stimuliert mit leichten elektrischen Impulsen gezielt die für die Kontinenz zuständigen Nerven im Beckenbereich (Sakralnerven).

Die Reizblase, auch Dranginkontinenz oder überaktive Blase genannt, ist eine sehr häufige Form der Inkontinenz. Typisches Symptom ist das sehr häufige und starke Bedürfnis, Wasser zu lassen, oft bis zu 20mal am Tag. Der Harndrang setzt dabei fast immer plötzlich ein. Eine überaktive Blase ist meist idiopathisch – also mit nicht geklärter Ursache – und wird durch Faktoren wie etwa psychische Belastungen und hormonelle Veränderungen begünstigt. Sie kann auch neurogene Ursachen (Nervenschädigung) aufgrund von Krankheiten oder Traumata haben. Die Lebensqualität der Betroffenen wird durch eine überaktive Blase deutlich eingeschränkt – und der Tagesablauf durch die nächstverfügbare Toilette bestimmt. Auch soziale Isolation und Partnerschaftsprobleme mit nachfolgender Depression können die Folge sein. Gerade bei älteren Patienten existiert zudem das Risiko von Stürzen mit Verletzungen auf dem übereilten Weg zur Toilette. Trotz der zahlreichen negativen Folgen der überaktiven Blase wenden sich nur circa ein Drittel der Betroffenen an ihren Arzt.

Individueller Therapieansatz

Für die Behandlung der Inkontinenz gibt es keine pauschalen Therapieempfehlungen – die Therapie muss an die Ursache, die Art und das Ausmaß der Beschwerden, aber auch an die jeweilige Lebenssituation angepasst werden. Der Weg eines Patienten mit überaktiver Blase auf der Suche nach einer erfolgreichen Therapie geht jedoch häufig über viele einzelne Stationen und kann länger dauern. Zu der konservativen Therapie gehören in einem ersten Schritt verhaltenstherapeutische Ansätze wie Änderungen des Trinkverhaltens oder die Vermeidung von Reizstoffen wie etwa Nikotin, Kaffee, Pfeffer, Chili, scharfe Gewürze und Zitrusfrüchte. Zusätzlich kann die Verhaltenstherapie auch ein Blasentraining, Beckenbodengymnastik, Biofeedback oder Elektrotherapie beinhalten. Zudem gehört die medikamentöse Behandlung, etwa mit Anticholinergika, zur Standardtherapie bei Dranginkontinenz.

Elektrische Impulse als Option für therapieresistente Patienten

Bleiben diese konservativen oder medikamentösen Therapien erfolglos, können in einem nächsten Schritt Botulinumtoxin A-Injektionen in den Blasenmuskel oder die sakrale Neuromodulation (= Beckenboden-Schrittmacher) vielversprechende Behandlungsalternativen darstellen. Der implantierbare, programmierbare Schrittmacher gibt über eine Elektrode sanfte elektrische Impulse in der Nähe der Sakralnerven ab, um die neuronale Aktivität zwischen Blase (bzw. Darm) und Gehirn zu normalisieren. Dazu wird zunächst eine mehrwöchige Testphase mit externem Schrittmacher durchgeführt, um die Wirksamkeit zu testen und individuell festzustellen, ob der Patient auf die Therapie anspricht. Dies ist bei etwa 80 Prozent der Patienten der Fall.1 Die Verbesserung der Symptome wird durch eine Modulation der Nervenaktivität erreicht, die den Beckenboden, Harntrakt und Darm steuert. Der Beckenboden-Schrittmacher wurde bislang bei mehr als 250.000 Patienten vorwiegend zur Behandlung von funktionellen Beckenbodenstörungen wie überaktiver oder unteraktiver Blase sowie Stuhlinkontinenz eingesetzt. 84 Prozent der behandelten Patienten mit überaktiver Blase bestätigen eine langfristige Verbesserung der symptombedingten Beeinträchtigungen.2 Das Verfahren ist etabliert und wird von den Kassen erstattet.

1Siegel S et al. Neurourol Urodyn. 2015 Mar;34(3):224-30 sowie Siegel S et al. Journal of Urology. ePub ahead of print. DOI: 10.1016/j.juro.2017.07.010
2Ebd.

Nachrichten

15.06.2018

Forscher: „Deutschland braucht Versorgungsziele“

Berlin – Das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) macht sich dafür stark, Versorgungsziele für das hiesige Gesundheitssystem zu definieren. „Nur wer Ziele hat, kann erfolgreich sein“, sagt Prof. Reinhard Busse von der TU Berlin. Busse ist Leiter der Ad-hoc-Kommission im Netzwerk,... Details
15.06.2018

BSG: Fettabsaugung nicht zu Lasten der Kasse

Kassel – Das Bundessozialgericht (BSG) hat eine weitreichende Entscheidung bezüglich der Leistungserbringung im Krankenhaus getroffen. Eine Liposuktion (Fettabsaugung) entspricht demnach nicht den Anforderungen des Qualitätsgebots. Der 1. Senat hat entschieden, dass auch die Norm des Paragrafen... Details
15.06.2018

Tag der Organspende: Debatte um Widerspruchslösung

Berlin – Anlässlich des weltweiten Tags der Organspende am 2. Juni wirbt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für den Organspendeausweis. Während die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die Deutsche Herzstiftung und andere Institutionen für mehr Aufklärung werben, fordern... Details
15.06.2018

Nur 41 Millionen Euro mehr Haushaltsgeld für Spahn

Berlin – Der Bundestag debattiert in erster Lesung den Entwurf zum Haushalt des Gesundheitsministeriums. Danach liegt der Etat für 2018 bei 15,2 Milliarden Euro – nur 41 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Mit dem Minimalplus wird es Jens Spahn (CDU) schwer haben, die drängenden Vorhaben –... Details
15.06.2018

„Kunstgelenk – Netzwerk Endoprothetik“ ist ZIM-Projekt 2018

Leipzig – Anlässlich des Innovationstages Mittelstand am 7. Juni zeichnet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) das „Kunstgelenk – Netzwerk Endoprothetik“ als ZIM-Projekt des Jahres aus. Es besteht aus elf Unternehmen und acht Forschungseinrichtungen und wird gemeinsam vom... Details

Verwandte Inhalte

15.06.2018

GKV und PKV stellen gemeinsame digitale Gesundheitsakte „Vivy“ vor

Berlin – Erstmals bieten gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherungen ihren Kunden systemübergreifend eine gemeinsame digitale Gesundheitsplattform mit der neuen App „Vivy“ an. 25 Millionen Versicherte sollen davon künftig profitieren. Betriebs-, Ersatz- und... Details
15.06.2018

Länder investieren weniger in Kliniken

Berlin – Die Bundesländer haben ihre Investitionsfördermittel für Krankenhäuser seit 1991 drastisch reduziert. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 19/2006) der Grünen-Fraktion hervor. In allen Bundesländern seien die Investitionen nach Angaben der... Details
15.06.2018

Weiterer Klärungsbedarf in Sachen HHVG

Berlin – Gut ein Jahr nach Inkrafttreten des neuen Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes (HHVG) sieht die Initiative „Faktor Lebensqualität“ in einigen Punkten deutlichen Klärungsbedarf. „Der Gesetzgeber sollte dem HHVG noch schärfere Zähne verpassen“, sagt Ben Bake von der... Details
15.11.2016

Aktion Meditech Medien-Seminar: Gesundheit für Herz und Gefäße

Hamburg – Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache. Bei der Therapie von Herzerkrankungen profitieren Patienten von innovativen Medizintechnologien. Der medizintechnische Fortschritt ermöglicht schonendere Verfahren und eine bessere Versorgung, wie... Details

Diese Web Seite ist von der Health On the Net Stiftung akkreditiert: Klicken Sie, um dies zu überprüfen Barrierefrei nach W3C "Web Content Accessi- bility Guidelines 1.0", Stufe A.