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Volkskrankheiten auf dem Vormarsch: Moderne Medizintechnologie rettet Leben 14.11.2017    

Volkskrankheiten auf dem Vormarsch: Moderne Medizintechnologie rettet LebenEltville – Der medizintechnische Fortschritt hilft, die Herausforderungen durch den demografischen Wandel zu meistern: Im Kampf gegen Volkskrankheiten wie Diabetes, Herzschwäche oder Durchblutungsstörungen spielen medizintechnologische Verfahren eine entscheidende Rolle. Moderne Untersuchungs- und Behandlungsmethoden der Medizintechnologie helfen Leben zu retten und Patienten Lebensqualität zurückzugeben, so das Fazit der Referenten bei einer Veranstaltung der Aktion Meditech am 19. Oktober 2017 in München. Beleuchtet wurden beispielsweise die metabolische Chirurgie bei Adipositas, die Möglichkeiten der Kryoablation bei Vorhofflimmern (VHF), die Anwendung Medikament-beschichteter Ballons und Stents bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit sowie die Senkung der Blutfette anhand moderner Aphareseverfahren.

Metabolische Chirurgie einzig effektive Therapie bei extremer Adipositas

Die Zahl der Menschen mit krankhaftem Übergewicht nimmt dramatisch zu: Bei Adipositas Grad III mit einem BMI über 40 wurde von 1999 bis 2013 ein Anstieg von 110,4 Prozent beobachtet. „Die chronische Adipositas geht mit weiteren Folgeerkrankungen wie Diabetes, Asthma, Arthrose, Bluthochdruck und Schlagapnoe einher“, sagte Professor Dr. Thomas P. Hüttl von der chirurgischen Klinik München-Bogenhausen. Zudem ist das Risiko für Krebs erhöht. Gewicht abzunehmen und auch dauerhaft zu halten sei für die Patienten also aus vielerlei Gründen wichtig. „Das ist allerdings nicht so einfach. Denn erlangtes Übergewicht wird energisch durch neuroendokrine Antworten verteidigt“, erläuterte Hüttl. Zudem seien viele Abnehmprogramme nicht langfristig genug angelegt und für Menschen mit einem BMI über 50 lägen überhaupt keine Konzepte vor.
Die konservative Behandlung aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie hat Grenzen: Adipöse nehmen dauerhaft nach 24 Monaten maximal 9,6 Kilogramm ab. Ein chirurgischer Eingriff kann Patienten mit einem BMI von 40 und mehr helfen, bei denen konservative Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben. Durch Verkleinerung des Magens wird die Nahrungszufuhr begrenzt oder durch Ausschalten eines Dünndarmabschnittes die Kalorienaufnahme verringert. Gängige Methoden sind Magenbypass und Schlauchmagen, ein Magenband wird kaum noch verwendet. „Wir sprechen von metabolischer Chirurgie, da sie nicht nur die Möglichkeit bietet, die Nährstoffzufuhr zu regulieren, sondern auch die neuroendokrinen Signale positiv beeinflusst“, erklärte Hüttl. Denn Übergewicht entsteht im Kopf. Die Signalwege von den Fettzellen zum Gehirn sind bei vielen Adipositas-Patienten dauerhaft gestört, dadurch werden Hunger und die Anfälligkeit für Diabetes beeinflusst. Adipositas sei nicht heilbar, vielmehr müsse man nach einem Eingriff von “dünnen Dicken” sprechen, die eine dauerhafte Folgetherapie benötigen, so Hüttl.
Der chirurgische Eingriff ist Bestandteil eines langfristig angelegten multidisziplinären Therapiekonzepts. Eine Patientin, die durch einen solchen Eingriff erfolgreich abgenommen hat, schilderte bei der Veranstaltung, wie sie die Therapie fortführt: Regelmäßige Arztbesuche zur Blutkontrolle, ein Ernährungsprotokoll, Sport und der Besuch einer Selbsthilfegruppe gehören zu ihrem Alltag. Sie hat mehr als 75 Prozent an Gewicht verloren, Schlafapnoe und Diabetes sind verschwunden. Um die Kostenerstattung für den chirurgischen Eingriff hat sie fünf Jahre lang gekämpft. „Der Zugang zu einer chirurgischen Therapie ist je nach Bundesland sehr unterschiedlich. Wenn Sie am falschen Ort wohnen, ist es sehr schwierig eine adäquate Therapie zu bekommen“, beklagte Hüttl die eklatante Unterversorgung bei der Adipositas-Therapie. Laut DAK-Report 2017 erhalten nur 5,6 Prozent der Betroffenen eine Behandlung.

Vorhofflimmern – frühzeitige Diagnose und Therapie entscheidend

Auch Vorhofflimmern (VHF) wird von der Adipositas begünstigt. VHF ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung überhaupt – in Deutschland leiden 1,8 Millionen Menschen darunter. Aufgrund der Häufigkeit und dem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall ist eine frühzeitige Diagnose und Therapie wichtig. „Mannigfaltige Symptome, die nicht ohne weiteres dem VHF zugeordnet werden können, erschweren allerdings die Diagnose“, so Dr. Dinh Quang Nguyen vom St. Vinzenz-Hospital Köln-Nippes.
Ziel der Therapie ist einerseits, einen Schlaganfall zu verhindern. Das erfolgt durch Antikoagulantien wie Marcumar oder neue orale Antikoagulantien (NOAC). Wenn eine Blutverdünnung kontraindiziert ist, kann auch ein Vorhofohrverschluss durchgeführt werden. Im Vorhofohr sammeln sich Blutgerinnsel, die einen Schlaganfall auslösen können. Mittels einer Katheterbehandlung wird das Vorhofohr mit einem Pfropfen verschlossen, so dass sich hier keine Gerinnsel mehr sammeln können. Der zweite Therapieansatz ist die Frequenz- oder Rhythmuskontrolle. Hier werden Antiarrhythmika und elektrische Kardioversion angewendet. Die Medikamente sind jedoch häufig mit Nebenwirkungen verbunden.
„Heute kommt daher bei der Behandlung häufig die Katheterablation als Alternative zur medikamentösen Dauertherapie zum Einsatz“, erklärte Nguyen. Sie ermöglicht es, die für die Rhythmusstörung verantwortlichen Herzmuskelzellen effektiv durch Abgabe von Hitze (Radiofrequenz-Ablation) oder Kälte (Kryoablation) auszuschalten. Ziel ist es, die elektrischen Impulse aus den Lungenvenen zu unterbinden, die das Herz unregelmäßig schlagen lassen. Dazu werden die Lungenvenen vom Vorhof isoliert. Bei der traditionellen Ablation mit Hitze werden mit Hilfe eines Ablationskatheters winzige Verödungspunkte im Herzmuskelgewebe aneinandergereiht, die zusammen eine Narbe bilden. Diese Narbe isoliert den Störbereich vom restlichen Herzgewebe und stoppt so die weitere Ausbreitung der elektrischen Störimpulse im Vorhof. Bei der Kryoablation hingegen wird flüssiges Kühlmittel (Stickoxid, Lachgas) in den Kryoballonkatheter geleitet. Dort verdampft es und entzieht dem umliegenden Gewebe Wärme. Durch die Temperatur von -50 bis -60 Grad Kälte werden die unerwünschten elektrischen Leitungen deaktiviert. „Der Ballon passt sich in die Lungenvene an, so kann sicher eine Linie um die Lungenvene gelegt werden, um diese zu isolieren“, so Nguyen. Die Fire-and-Ice-Studie habe gezeigt, dass Sicherheit und Effektivität der Kryoablation mit der der Radiofrequenz-Katheterablation vergleichbar ist. Mit dem Kryoballon gibt es zudem weniger Re-Ablationen und weniger Krankenhausaufenthalte. „Die Katheterablation ist die wirksamste Therapie, um den Herzrhythmus zu erhalten“, fasste Nguyen zusammen. Häufig werde die Kryoablation mit dem Ballon eingesetzt, da das Verfahren schnell, sicher und schonend ist.

Durchblutungsstörungen der Extremitäten – die unterschätzte Volkskrankheit

„In Deutschland sind über 4,5 Millionen Menschen von einer peripheren Verschlusskrankheit betroffen. Ab 65 Jahren leidet jeder fünfte daran“, referierte Dr. Ralf Langhoff vom Sankt-Gertrauden-Krankenhaus Berlin zur Relevanz der Volkskrankheit pAVK. Ursache sind Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) in den Extremitäten, zu über 90 Prozent in den Beinen. Verschlüsse in den Beinarterien sind Vorboten für Schlaganfall und Herzinfarkt. Als Schaufensterkrankheit verharmlost wird sie selten diagnostiziert und behandelt. „Das öffentliche Bewusstsein für pAVK muss besser werden, damit Mortalität und Morbidität nicht weiter unterschätzt werden“, erläuterte Langhoff. „60.000 Amputationen pro Jahr in Deutschland zeigen, dass hier noch Handlungsbedarf gibt“, machte Langhoff deutlich.
Häufig ist die konservative Therapie mit Gehtraining ungenügend. Ist die pAVK fortgeschritten, muss die Blutversorgung in den meisten Fällen durch einen operativen Eingriff wieder hergestellt werden. Das kann durch eine klassische Bypass-Operation erreicht werden. Schonender ist ein minimal-invasiver Eingriff wie das Aufdehnen des verengten Gefäßabschnittes mit Hilfe eines Ballonkatheters (Angioplastie), auch in Kombination mit der Platzierung eines Stents. „Die endovaskuläre Therapie ist aus der heutigen Behandlungsstrategie nicht wegzudenken und entwickelt sich weiter“, so Langhoff. Neue Medikament-freisetzende Ballons geben während des Aufdehnens ein Medikament ab, um die Zellen an einer unkontrollierten Neubildung zu hindern. „Das führt zu einer dramatischen Senkung der Stenoserate“, so Langhoff. Bei komplexen Stenosen sind Stents notwendig. Mittlerweile wurden spezielle Stents entwickelt, die flexibel und knickstabil sind und die natürliche Bewegung der Beinarterie nachahmen. Medikament-freisetzende Stents sollen ebenfalls das Risiko für Restenosen verringern. „Die endovaskuläre Therapie ist Erstlinientherapie. Hinzu kommt präventiv die Behandlung und Vermeidung von Risikofaktoren“, fasste Langhoff zusammen.

Blutfette in den Griff bekommen

Erhöhte oder hohe Blutfettwerte stehen in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit und Herzinfarkt. Ursachen sind häufig Bewegungsmangel und Fehlernährung. Bei einer Blutuntersuchung im Labor werden in der Regel die Werte für das Gesamt-Cholesterin, das „gute“ HDL-Cholesterin, das schädliche LDL-Cholesterin und Triglyceride ermittelt. „Dabei ist es ist wichtig, die einzelnen Blutfettwerte zu kennen und nicht nur das Gesamtcholesterin“, erläuterte Professor Dr. Hans-Ulrich Klör, Vorsitzender der DGFF (Lipid-Liga). Die Senkung der Blutfette ist ein wichtiges therapeutisches Prinzip zur Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „LDL ist der wichtigste Risikofaktor. Eine aktuelle Studie zeigt, dass eine starke Senkung des LDL auch das Risiko für kardiovaskulären Tod, Schlaganfall und Herzinfarkt senkt“, erklärte Klör.
Ein noch relativ unbekannter Herzinfarkt-Risikofaktor ist das Lipoprotein (a): Der Lp (a)-Wert wird nicht routinemäßig gemessen, wenn der Patient für einen Check zum Hausarzt geht. Die Menge von LP (a) im Blut ist in erster Linie genetisch festgelegt und weder durch diätetische Maßnahmen noch durch Bewegung oder Medikamente wesentlich beeinflussbar. „Es lohnt sich trotzdem, diesen Wert testen zu lassen“, so Klör. Denn das Lp (a) kann, ebenso wie das LDL durch eine Lipid-Apherese, also die regelmäßige Blutwäsche, entfernt werden. Die H.E.L.P.-Apharese (Heparin-induzierte Extrakorporale LDL-Präzipitation) ist dabei ein bewährtes und etabliertes extrakorporales Blutreinigungsverfahren zur Behandlung konventionell nicht ausreichend therapierbarer Stoffwechselstörungen. „LDL und Lp (a) können entfernt werden und so das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse gesenkt werden“, erklärte Klör abschließend.

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