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Ischämischer Schlaganfall: Die mechanische Thrombektomie erspart vielen Patienten schwerwiegende Behinderungen 27.07.2016    

Ischämischer Schlaganfall: Die mechanische Thrombektomie erspart vielen Patienten schwerwiegende BehinderungenEltville – Jährlich erleiden in Deutschland rund 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Hauptursache ist der Verschluss von Hirngefäßen durch einen Thrombus, was die Blutversorgung in den betroffenen Teilen des Gehirns beeinträchtigt. Um die Überlebenschancen der Betroffenen zu erhöhen und bleibende Schäden zu verhindern, muss das Blutgerinnsel so rasch wie möglich entfernt werden. Doch gerade bei größeren Thromben wird dieses Ziel durch den gegenwärtigen Therapiestandard, die medikamentöse Lyse, häufig nicht erreicht. Umso bedeutsamer ist es, dass den Ärzten mit der mechanischen Thrombektomie eine neue Methode zur Verfügung steht, die auch bei größeren Gefäßblockaden eine rasche Entfernung des Thrombus ermöglicht. Wie eine in „Lancet“ publizierte Meta-Analyse von fünf Studien zeigte, erspart die mechanische Thrombektomie vielen Schlaganfallpatienten schwerwiegende Behinderungen. Derzeit bieten in Deutschland mehr als 100 Zentren diese Methode an, die Experten zufolge einen „Quantensprung“ in der Schlaganfallbehandlung darstellt.
Aktion Meditech sprach dazu mit Professor Dr. Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Neuroradiologie des Universitätsklinikums Heidelberg.

Was sind die Ursachen eines Schlaganfalls?

Bei den Schlaganfällen unterscheidet man grundsätzlich zwischen Gefäßverschlüssen und Blutungen, wobei die Durchblutungsstörungen etwa 80 Prozent aller Fälle ausmachen. Ursache hierfür ist meist ein akuter Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel, das häufig aus dem Herzen oder vorgeschalteten Schlagadern ins Gehirn gespült wird. Etwas seltener sind vorbestehende arteriosklerotische Einengungen von Hirngefäßen die Ursache, die zu einer kritischen Minderdurchblutung des betroffenen Hirnareals führen.

Welche Warnhinweise gibt es?

Vorboten eines Schlaganfalls können vorübergehende neurologische Symptome sein, wie zum Beispiel die Sehstörung eines Auges, Kraftminderung oder Gefühllosigkeit in einer Körperhälfte oder auch Sprachstörungen. Auch wenn sich solche Anzeichen rasch zurückbilden, sollten sie Anlass für eine sofortige Abklärung sein.

Was kann man tun, um einem Schlaganfall vorzubeugen?

Beste Vorsorge ist eine gesunde Lebensführung, d.h. Überwachung des Blutdrucks, Verzicht auf Rauchen und nur mäßiger Alkoholgenuss sowie Kontrolle von Körpergewicht und Körperfetten. Sind bestimmte Risikofaktoren gegeben, kann eine medikamentöse Schlaganfallvorbeugung durch Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen erforderlich sein, wie ASS oder Clopidogrel.

Welche Behandlungsoptionen gibt es bei einem ischämischen Schlaganfall?

Etablierte Standardtherapie beim akuten Schlaganfall ist die intravenöse Lysetherapie. Hierbei wird ein Medikament gespritzt, welches das Blutgerinnsel auflösen soll. Dies wirkt bei kleineren Gefäßverschlüssen recht gut. Bei großen Gefäßverschlüssen, die in der Regel zu schweren Schlaganfällen führen, reicht das Medikament meist jedoch nicht aus, um das Blutgerinnsel ausreichend schnell komplett aufzulösen. Deshalb wurde für eine rasche und vollständige Wiedereröffnung des Gefäßes die mechanische Thrombektomie eingeführt.

Wie läuft die mechanische Thrombektomie ab?

Bei diesem Verfahren wird von der Leiste aus ein kleiner Katheter in die Hirngefäße vorgeschoben. Dort wird das Blutgerinnsel mit einem speziellen Fangkörbchen vollständig aus dem Gefäß entfernt. Dieses weitgehend schmerzfreie Verfahren kann oft in örtlicher Betäubung durchgeführt werden und erfordert nur in besonderen Fällen eine Vollnarkose.

Wie wirksam ist das Verfahren und wie ist die Studienlage?

Im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien hat sich das Verfahren als äußerst wirksam erwiesen. Gegenüber der besten bisherigen Behandlung waren mehr als doppelt so viele Patienten mit einem schweren Schlaganfall nach dem Eingriff in der Lage, ein behinderungsfreies Leben zu führen. Den Studiendaten zufolge war es bis zu 70 Prozent der Patienten drei Monate nach dem Schlaganfall möglich, selbständig und behinderungsfrei zu leben. Solch hohe Zahlen waren früher unvorstellbar.

Wann kann diese Methode eingesetzt werden? Welche Patienten sind für die Behandlung ggf. nicht geeignet?

Im Vergleich zur medikamentösen Therapie gibt es für die neue Methode nur wenige Kontraindikationen. Unklar ist bislang, wie lange nach dem Ereignis die Behandlung noch sinnvoll durchgeführt werden kann. Es deutet sich jedoch an, dass sich bildgebende Verfahren gut dafür eignen, die Patienten zu identifizieren, die auch noch zu einem späteren Zeitpunkt von einer Behandlung profitieren können. Im Moment werden vor allem Patienten mit Hauptstammverschlüssen behandelt, wobei neuere technische Entwicklungen mittlerweile auch die Behandlung von kleineren Gefäßen zulassen.

Wo sehen Sie weitere wichtige Impulse für die Schlaganfalltherapie?

Die technischen Entwicklungen in der endovaskulären Schlaganfalltherapie gehen kontinuierlich weiter. Neben der Entfernung von Blutgerinnseln durch die mechanische Thrombektomie werden mittlerweile zunehmend auch einfachere Behandlungsansätze eingesetzt. Hierzu gehört das Absaugen der Blutgerinnsel über neu entwickelte sehr weiche Katheter, die bis tief in die Hirngefäße eingeführt werden können. Möglicherweise sind diese Verfahren noch schneller als die mechanische Thrombektomie.

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