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Multifokallinsen – für ein Leben ohne Brille 29.09.2011    

Moderne Multifokallinsen ermöglichen ein Sehen von nah bis fern – wie eine Brille im Auge – und werden zur Korrektur von Alterssichtigkeit bzw. Grauem Star (Katarakt) und hoher Fehlsichtigkeit eingesetzt. Seit neuestem stehen auch so genannte torische Multifokallinsen zur Verfügung, die zusätzlich die Korrektur einer Hornhautverkrümmung ermöglichen.

Eltville, 28. September 2011 (Aktion Meditech) – Über 60 % aller Erwachsenen in Deutschland benötigen auf Grund einer Fehlsichtigkeit eine Sehhilfe. Bei den über 60-Jährigen sind es sogar mehr als 90 %. Implantationen von Intraokularlinsen ermöglichen Patienten seit vielen Jahren die Behandlung ihres Katarakt oder eine Korrektur ihrer Fehlsich-tigkeit. Die Kombination verschiedener Fehlsichtigkeiten konnte aber bislang nicht mit einer Linsenart korrigiert werden – häufig war deshalb für viele Patienten nach der Operation dennoch eine Sehhilfe notwendig. Seit einiger Zeit stehen nun neue torische multifokale Intraokularlinsen (Multifokallinsen) zur Verfügung, die durch innovative Optiken sowohl das Sehen in die Ferne und die Nähe ermöglichen und darüber hinaus auch Hornhautverkrümmung korrigieren können.

Das Implantieren von Intraokularlinsen (künstliche Linsen) ist schon seit vielen Jahren eine Methode der refraktiven Chirurgie, um Patienten mit Sehschwächen zu behandeln. Verschiedene Entwicklungen solcher Intraokularlinsen verhelfen Patienten mit unterschiedlichen Diagnosen (z. B. Grauer Star, Kurz- oder Weit-sichtigkeit) zu besserem Sehvermögen. Allerdings handelt es sich bei den herkömmlichen Linsen um Monofokallinsen. Diese ermöglichen nur in einem Entfernungsbereich – meist in der Ferne – scharfes Sehen, so dass für das Sehen in der Nähe das Tragen einer Lese- oder Gleitsichtbrille nach der Operation nötig ist.

Moderne Multifokallinsen

Ein entscheidender Durchbruch gelang der Forschung mit der Entwicklung neuer, leistungsfähiger Multifokallinsen, in denen mehrere optische Prinzipien (Refrakti-on, Diffraktion und Apodisierung) vereint sind. So werden z. B. mit Hilfe der Apodisierung weiche Übergänge zwischen der Fern- und Nahabbildung geschaffen und Streueffekte minimiert, was sich letztlich in einem besseren Kontrastsehen und einer geringeren Blendempfindlichkeit niederschlägt. Auch Nachtsicht-probleme, wie sie bei der älteren Generation von Multifokallinsen oft aufgetreten sind, sind seltener. Insgesamt kann daher mit dieser neuen Generation von Multifokallinsen ein gutes Sehvermögen von nah bis fern wieder hergestellt werden, so dass alltägliche Tätigkeiten wie Lesen, Arbeiten am Computer und Auto fahren, aber auch Rasieren oder Make-up Auftragen wieder ohne Brille möglich sind. Mehr als 90 % der Patienten benötigen nach beidseitiger Implantation keine Sehhilfe mehr – und das für den Rest ihres Lebens. Mit der neu entwickelten torischen Multifokallinse kann nun gleichzeitig auch eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) korrigiert werden. Zu dem standardisierten UV-Filter ist die Lin-se auch noch mit einem zusätzlichen Blaulichtfilter ausgestattet. Dadurch imitiert sie die Filtereigenschaften der natürlichen Linse und kann so zum Schutz vor phototoxischen Schäden auf der Netzhaut beitragen.

Unkomplizierter Routineeingriff

Die Kunstlinsen können in einem ambulanten Routineeingriff eingesetzt werden, das Material hat sich in mehr als 50 Millionen Implantationen weltweit als sehr gut verträglich erwiesen. Der Eingriff selbst ist – dank örtlicher Betäubung mittels Augentropfen – schmerzfrei: Zunächst wird über einen winzigen Hornhautschnitt die eigene Linse abgesaugt. Anschließend wird die faltbare Kunstlinse in deren leere Hülle eingesetzt und fügt sich, dank des weichen Materials, im Auge ein. Der Schnitt muss nicht genäht werden. Abstoßungsreaktionen sind nicht zu erwarten und meist bedarf es keiner weiteren Korrekturen.

Die Kostenfrage

Gesetzlich versicherten Kataraktpatienten wird heute die Entfernung des Grauen Stars mit Implantation einer monofokalen Standard-Kunstlinse erstattet. Entscheiden sich die Patienten jedoch für eine Linsentechnologie mit Zusatzfunktionen, so müssen sie derzeit die gesamte Leistung, das heißt Operation und gewähltes Implantat, selbst bezahlen. Dies schränkt die Wahlfreiheit der gesetzlich Krankenversicherten ein. Eine patientenfreundlichere und zeitgemäßere Lösung wäre an dieser Stelle sicher wünschenswert. Hier besteht nun Anlass zur Hoffnung: Der Gesetzgeber überlegt für 2012 eine Regelung, nach der die Implantation einer modernen Linse zumindest anteilig erstattet werden soll.

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