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"Bio-Kitt" für kaputte Kniegelenke 11.11.2010    

Die Transplantation von körpereigenen Knorpelzellen bietet vor allem jungen Patienten eine wirksame Alternative zur Kniegelenk-Prothese

"Bio-Kitt" für kaputte KniegelenkeEltville, 11. November 2010 (Aktion Meditech)
Starke Kniegelenkprobleme können ein Karrierekiller sein: Aufgrund gravierender Kniebeschwerden musste die Dreifach-Olympiasiegerin im Eisschnelllauf Anni Friesinger-Postma im Juli ihre Profi-Laufbahn beenden. Häufigste Ursachen für derartige Probleme sind schwerwiegende Gelenkknorpelschäden durch hohe körperliche Belastungen bei Sport oder Unfällen. Doch Betroffene können hoffen: Mit der so genannten ACT (Autologe Chondrozyten Transplantation) kommt heute ein innovatives biotechnisches Verfahren zum Einsatz, wodurch die Bewegungsfreiheit wieder vollständig hergestellt werden kann. Im Zentrum der neuen Therapie steht die Implantation von körpereigenen Knorpelzellen.

Täglich werden unsere Kniegelenke stark belastet: Bei jedem Schritt lastet das drei- bis fünffache Körpergewicht auf dem Kniegelenk. Das sind bei einem 70 Kilogramm schweren Mann bis zu 350 Kilo! Damit trotzdem alles reibungslos klappt, werden die Kniegelenke bei ihrer täglichen Schwerstarbeit von Knorpelgewebe unterstützt. Die einzigartige Zusammensetzung und Struktur des Gelenkknorpels hält enormen Druckbelastungen Stand, wie sie zum Beispiel beim Joggen auftreten. Benetzt von Gelenkflüssigkeit, sorgt der Knorpel im gesunden Zustand für uneingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke.

Knorpelschäden rechtzeitig erkennen

Ist der Knorpel jedoch aufgrund von hohen körperlichen Belastungen, Unfällen oder der selten auftretenden Erkrankung Osteochondrosis dissecans (OD) geschädigt, dann ist die Beweglichkeit des Gelenks deutlich eingeschränkt. Da Knorpelgewebe nicht durchblutet ist, ist eine Regeneration, also eine Selbstheilung, so gut wie ausgeschlossen. Besonders deshalb ist es wichtig, Knorpelschäden so früh wie möglich zu therapieren. Unbehandelt vergrößern sich Knorpeldefekte mit der Zeit und verursachen starke Schmerzen. Die Folge: Patienten nehmen eine Schonhaltung ein, woraufhin das intakte Knorpelgewebe nicht mehr ausreichend versorgt wird und sich der Abbau des Gewebes weiter beschleunigt – ein Teufelskreis! Ist der Knorpel über einen längeren Zeitraum so weit abgetragen, dass Knochen auf Knochen reibt, ist in vielen Fällen ein Ersatz der Gelenkfläche durch eine Knieendoprothese unumgänglich.

Ein künstliches Gelenk: nicht immer notwendig

Seit geraumer Zeit stehen für Patienten mit unfallverursachten Knorpelschäden sowie bei OD biologische Verfahren zur Verfügung, die eine frühe Behandlung ermöglichen. Gerade bei jungen, aktiven Patienten kann damit das Einsetzen eines künstlichen Gelenks vermieden oder zumindest deutlich hinausgezögert werden.

Eine moderne und sehr vielversprechende biotechnische Behandlungsmethode ist die Transplantation von körpereigenen Zellen (autologe Chondrozyten). In Studien konnte die Wirksamkeit der ACT belegt werden – insbesondere für größere Knorpelschäden über 2,5 Quadratzentimetern und für Patienten zwischen 18 und 50 Jahren erzielt sie bisher bemerkenswerte Erfolge.

Schonende Transplantation körpereigener Knorpelzellen

Jedes Implantat ist individuelle Maßarbeit: Zur Herstellung werden dem Patienten im Rahmen einer Kniegelenkspiegelung (medizinisch: Arthroskopie) aus einem gesunden, wenig belasteten Bereich des Knieknorpels zwei Gewebeproben entnommen und unter keimfreien Bedingungen im Labor vermehrt und dann auf ein Vlies aufgebracht. In diesem speziell für Knorpelzellen entwickelten Trägermaterial, das einem feinporigen Schwamm ähnelt, können sich die Zellen dreidimensional verteilen. Nach nur drei Wochen erhält der behandelnde Arzt dann das für seinen Patienten eigens angefertigte Transplantat zum vereinbarten Transplantationstermin zugeschickt. Der Clou: Es wird kein fertiger Knorpel eingesetzt, sondern Zellen, die unter geeigneten Bedingungen Gelenkknorpel bilden können – die Produktion von neuem Knorpelgewebe beginnt. Dieses Verfahren ist vergleichbar mit dem Pflanzen von kleinen Setzlingen und einem später in voller Pracht blühenden Blumenbeet. Durch den Träger wird eine schonende Einbringung der Zellen in das beschädigte Knorpelareal erst möglich. Sollte die Transplantation nach den üblichen drei Wochen nicht erfolgen können, so werden die Knorpelzellen eingefroren und sicher bis zur Behandlung aufbewahrt.

Dank Bio-Implantat wieder mobil

Nach dem Eingriff muss der Patient rund zwei Tage lang liegen. Danach beginnt der aktive Rehabilitationsprozess: Das Kniegelenk darf zuerst acht bis zehn Wochen nicht voll belastet werden. Verläuft die Regeneration des Knorpelgewebes zufriedenstellend, kann der Operierte nach diesem Zeitraum sein Kniegelenk wieder voll belasten. Sportlicher Betätigung kann im zweiten Jahr nach dem Eingriff wieder uneingeschränkt nachgegangen werden; selbst so genannte Stop-and-Go- Sportarten wie etwa Tennis, Badminton, Volleyball oder Fußball sind wieder möglich! Die ACT wird heute in vielen spezialisierten Orthopädiezentren und sportorthopädischen Kliniken durchgeführt.

Das innovative biotechnische Verfahren steht grundsätzlich allen gesetzlich Versicherten in Deutschland zur Verfügung, sofern ihre Indikation die Transplantation von körpereigenen Zellen medizinisch sinnvoll erscheinen lässt.

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