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Tödliches Chaos im Körper 15.12.2009    

Bei der Behandlung der lebensgefährlichen Sepsis zählt jede Minute - Blutkultur-systeme können Leben retten

Eltville, 15.12.2009 (Aktion Meditech)
Einer Sepsis, im Volksmund auch verharmlosend "Blutvergiftung" genannt, sind schon viele prominente Opfer erlegen: Papst Johannes Paul II., Fürst Rainier III. von Monaco, der Dichter Rainer Maria Rilke und kürzlich die Moderatorin Illona Christen - sie alle durchlitten die Krankheit, die durch unterschiedliche Erreger ausgelöst wird. Die Sepsis fordert fast ebenso viele Todesopfer wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs: In Deutschland erkranken jährlich rund 154.000 Menschen, etwa 60.000 sterben an der Infektionskrankheit. Häufig trifft die tückische Infektion Patienten, deren Immunabwehr zum Beispiel nach einer schweren Operation oder Chemotherapie sehr geschwächt ist. Eine erhöhte Lebenserwartung und vermehrte operative Eingriffe erhöhen allerdings das Risiko für jeden an einer Sepsis zu erkranken. Die Bekämpfung der Sepsis ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Wichtig zur Diagnose ist vor allem die schnelle Untersuchung von Blutkulturen.

Meistens sind es Bakterien, in manchen Fällen auch Pilze, die zu einer zunächst örtlich begrenzten Infektion führen - beispielsweise eine Lungen- , Bauch- oder Harnwegsentzündung. Gelingt es dem Körper nicht, die Infektion in Schach zu halten und sie an Ort und Stelle zu bekämpfen, kann die Infektion im schlimmsten Falle binnen kürzester Zeit außer Kontrolle geraten.

Kampf gegen den eigenen Körper

Sobald die Erreger über das Blut in den gesamten Körper gelangen, startet die Immunabwehr einen massiven "Gegenangriff", bei dem Gifte freigesetzt werden. Diese sollen eigentlich helfen, die Erreger zu bekämpfen, greifen allerdings auch den Körper selbst an. "Das Tödliche an der Sepsis ist nicht die Infektion selbst, sondern die körpereigene Immunantwort", erklärt Professor Frank Martin Brunkhorst von der Universitätsklinik Jena, Generalsekretär der Deutschen Sepsis-Gesellschaft e.V. Die Abwehrstrategie führt zu einem Kreislaufzusammenbruch, dem so genannten "septischen Schock", dessen Folge Multiorganversagen ist: Da kein Sauerstoff mehr über das Blut zu den Organen transportiert wird, stellen diese nacheinander ihren Dienst ein. Am Ende steht dann unausweichlich der Tod des Betroffenen. Trotz moderner Technik und wissenschaftlicher Fortschritte ist die Medizin immer noch relativ machtlos im Kampf gegen diese Krankheit, vor allem wenn die Sepsis spät diagnostiziert wird und sich in einem fortgeschrittenen Stadium befindet.

Wettlauf gegen die Zeit

Der Faktor Zeit ist bei der Behandlung einer Sepsis entscheidend. Besonders fatal: Jede Stunde, die bei einer schweren Sepsis ungenutzt verstreicht, erhöht die Sterblichkeit um sieben Prozent. Je schneller dem Patienten also die passenden Antibiotika gegeben werden - man spricht hier auch von der "goldenen Stunde" - umso höher ist die Überlebenschance. Doch eine frühzeitige Diagnose ist im Fall der Sepsis nicht ganz einfach, die typischen Symptome wie Fieber, Unwohlsein und Verwirrtheit passen auf viele Erkrankungen. "Und eben auch auf die nahezu unbekannte Volkskrankheit Sepsis - das macht sie sehr heimtückisch", warnt der Experte.

Sobald ein erstzunehmender Verdacht besteht, werden dem Patienten umgehend Antibiotika verabreicht - breit gestreut da man den Erreger nicht kennt. Spezielle Blutkultursysteme können dann innerhalb der ersten 24 bis 72 Stunden nach der Infektion dabei helfen, die Bakterien oder Pilze im Blut nachzuweisen. Dafür wird dem Patienten zwei- bis dreimal ca. 5-10 ml Blut aus unterschiedlichen Venen entnommen. Die Blutprobe wird im Labor meist automatisch untersucht. Den behandelnden Ärzten und dem Laborpersonal können jederzeit per Fax, E-Mail, SMS oder Pieper alle Informationen zur Verfügung gestellt werden. Ist eine Blutkultur positiv, werden der Erreger und seine Resistenzen bestimmt und die Sepsistherapie individuell eingeleitet bzw. angepasst.

Was die Zukunft bringt

Wer eine Sepsis überlebt, leidet häufig an Folgeschäden wie chronischer Erschöpfung, Muskelschwäche und Depression. Angesichts der hohen Sterblichkeit und dem großem Leid für die Betroffenen ist es notwendig, die Suche nach effizienten Tests und neuen Medikamenten auf Hochtouren zu führen. Besonders vielversprechend ist das Schilddrüsenhormon Procalcitonin. "Dieser Biomarker ist sehr wichtig für die Sepsisdiagnose", so Professor Brunkhorst, denn "bei Gesunden ist er im Blut nicht nachweisbar, doch bei Sepsispatienten steigt er sehr früh überproportional an". Zusammen mit den automatisierten Blutkultursystemen für die Diagnose des verursachenden Erregers der Sepsis biete sich so mittlerweile eine gute Möglichkeiten zu der so wichtigen frühzeitigen Diagnose, so dass der "heimliche Killer" schnellstmöglich behandelt werden kann.

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