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Wenn die Herzklappe verkalkt 10.11.2009    

Die Implantation einer künstlichen Herzklappe mittels Katheter kann eine moderne und schonende Alternative zur Operation am offenen Herzen sein

Wenn die Herzklappe verkalktEltville, 10.11.2009 (Aktion Meditech)
Für die meisten Menschen ist ihr Herzschlag selbstverständlich und geschieht unbemerkt. Und so verlieren sie auch keinen Gedanken darüber, wie das lebenswichtige Organ eigentlich funktioniert. Eine zentrale Rolle spielen die Herzklappen: Sie leiten das Blut durch den Körper indem sie sich öffnen und schließen, über 400 Millionen Mal im Jahr. Versagen sie - etwa durch Entzündungen, Verkalkungen oder angeborene Herzfehler - kann es zu einer lebensgefährlichen Herzschwäche kommen. Ist die gestörte Klappenfunktion mit Medikamenten nicht ausreichend zu behandeln, bleibt oft nur die Implantation einer neuen Herzklappe. Bisher war dies nur mittels einer großen Operation am offenen Herzen möglich. Die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) bietet nun eine neue und schonende Alternative.

An einer behandlungsbedürftigen Verkalkung der Aortenklappe (Aortenstenose) leiden vor allem ältere Patienten jenseits des 65. Lebensjahres. Das Blut staut sich bei ihnen vor der Klappe und der Herzmuskel muss immer stärker arbeiten, um das Blut in den Kreislauf zu pumpen. Durch die anhaltende Überlastung kann es zur Ausbildung einer Herzschwäche kommen. Deren Symptome sind deutlich und gefährlich: starke Atemnot, Herzenge (Angina pectoris) und kurzzeitige Bewusstlosigkeit. Ohne medizinische Überwachung kann es sogar zu einem plötzlichen Herzversagen kommen.

Medikamente können helfen - aber nicht immer

Verschiedene Therapien sollen helfen, die Betroffenen möglichst dauerhaft von den bedrohlichen Stenosen zu befreien und ihnen ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen. Häufig reicht eine medikamentöse Behandlung aus, versagt sie allerdings und können die Verengungen auch nicht mittels eines Kathetereingriffs wieder "aufgedehnt" werden, ist die Implantation einer neuen Herzklappe fast unumgänglich. Bisher war damit stets eine große Operation am "offenen Herzen" unter Verwendung einer Herz-Lungen-Maschine verbunden. Besonders für ältere Patienten ist dies sehr belastend: Die Narkose schwächt sie und anschließend müssen sie sich mindestens drei Monate lang schonen, bis Knochen und Wunde verheilt sind. Für ältere Hochrisikopatienten, die auch an Begleiterkrankungen leiden, empfiehlt sich die minimal-invasive TAVI.

Die Segel setzen

Bei dem unter Vollnarkose durchgeführten Eingriff, wird der Brustkorb des Patienten nicht geöffnet, sondern die neue Klappe über einen schmalen Einschnitt zwischen den Rippen eingesetzt. Dafür wird sie mittels eines Ballonkatheters bis zur verengten Stelle vorgeschoben und dort fest verankert. Die zusammengefaltete Herzklappe, die aus drei "Segeln" aus natürlichem Material besteht (zum Beispiel dem Herzbeutel eines Rindes), wird durch Injektion von Flüssigkeit in den Ballon aufgefaltet und die erkrankte Aortenklappe dadurch nach außen verdrängt. Die Prothese ist sofort einsatzbereit und nimmt ihre Klappentätigkeit auf.

Aussichtsreiche Zukunft

Mehr als 1.000 Aortenklappen wurden bislang an deutschen Universitätskliniken und Herzzentren per Katheter implantiert. Nach dem Eingriff bleibt der Patient in der Regel noch ein bis zwei Tage zur Beobachtung auf der Intensivstation. In der Folgezeit wird die Funktion der Bioprothese in festgelegten Abständen durch Ultraschalluntersuchungen kontrolliert. Um Thrombenbildung vorzubeugen, muss der Patient für wenige Monate blutverdünnende Medikamente und danach lebenslang Acetylsalicylsäure einnehmen.

Durch die TAVI können Lebensqualität und -dauer der zuvor als unzureichend therapierbar geltenden Patienten gesteigert werden: Die gute Verträglichkeit der Therapie belegen Daten eines großen Studienregisters. In einigen Jahren werden voraussichtlich weitere Operationsergebnisse die jetzigen positiven Beobachtungen bestätigen, sodass diese Technik eines Tages vermutlich zum Standard gehören wird.

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