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Gritt Liebing 01.12.2006    

"Ja zum Leben""Ja zum Leben"

Gritt Liebing
gelernte Bürokauffrau
41 Jahre

Ein aktives Leben trotz Defibrillator? "Klar!" sagt Gritt Liebing, die kürzlich den Berlin Marathon gelaufen ist und jetzt mitten in den Vorbereitungen für den "ironman Austria"-Triathlon 2007 steckt.

Vor rund acht Jahren merkte die gelernte Bürokauffrau zum ersten Mal, dass etwas mit ihrem Herzen nicht stimmt. "Ich konnte spüren, wie mein Herzschlag ins Stolpern geriet, manchmal bin ich sogar nachts davon aufgewacht." Eine Herzkatheteruntersuchung lieferte zunächst eine Erklärung: Vorhofflimmern. Dutzende so genannter kleiner "Herde" geben zusätzlich zum herzeigenen Schrittmacher Impulse ab und verursachen so einen unregelmäßigen Rhythmus. "Mein Arzt sagte mir, dass viele Menschen unter Vorhofflimmern leiden. Und ich müsse mir keine Sorgen machen."

Leben in Gefahr

Entgegen der beruhigenden Worte des Arztes verschlechterte sich der Zustand der heute 41-Jährigen in den folgenden Monaten rapide. Immer wieder verlor sie plötzlich das Bewusstsein, bis ein Zusammenbruch auf offener Straße sie schließlich in die Darmstädter Kliniken führte. Dort stellten die Ärzte das so genannte Brugada-Syndrom bei ihr fest. Bei dieser seltenen, angeborenen Krankheit kommt es immer wieder zu lebensgefährlichem Kammerflimmern: Die Hauptkammern des Herzens schlagen rasend schnell und können kein Blut mehr in den Kreislauf pumpen. Ohne sofortiges Einschreiten stirbt der Patient an Herz-Kreislauf-Versagen.

Heilsamer Schock

Behandelt wird Kammerflimmern per Defibrillation, also per Elektroschock. Im Regelfall normalisiert sich der Herzschlag dadurch sofort. "Bei Menschen wie mir kann das Kammerflimmern überall und jederzeit ohne jegliche Vorwarnung auftreten. Deshalb trage ich seit 1999 immer einen Defibrillator bei mir – unter der Haut." Das etwa streichholzschachtelgroße Gerät wird im Brustbereich implantiert und ist über eine Elektrode mit dem Herzen verbunden. Es erkennt gefährliche Rhythmusstörungen und reagiert mit dem lebensrettenden Schock. In Gritt Liebings Fall passiert das etwa einmal im Monat.

Jetzt erst recht

"Es ist nicht gerade angenehm, einen Elektroschock zu bekommen. Aber wenn ich leben will, gibt es für mich keine Alternative", sagt Frau Liebing. Ihren Beruf musste sie aufgeben, ihren Lebenswillen und Optimismus hat sie dagegen nicht eingebüßt. "Ich arbeite ehrenamtlich im Tierheim und engagiere mich in einer Defi-Selbsthilfegruppe. Es ist mir wichtig, anderen Betroffenen zu helfen. Denn die Zeit kurz nach der Diagnose ist besonders schwierig und die Patienten sind mit ihren Ängsten oft allein."

Und dann ist da natürlich noch der Sport: Marathon, 24-Stunden Lauf, Triathlon – für Gritt Liebing ist Ausdauersport schon immer Teil ihres Lebens gewesen. "Natürlich ist es nicht mehr so wie früher, ich bin bedeutend langsamer und muss auch viele Rückschläge in Kauf nehmen. 2003 zum Beispiel ging es mir gesundheitlich so schlecht, dass ich das ganze Jahr gar kein Sport machen konnte. Aber letztlich geht es mir auch nicht um Leistung, ich genieße es einfach, dass ich trotz des Defis noch so aktiv sein kann. Denn das ist für mich nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk."

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