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Tabuthema Inkontinenz: Schrittmacher setzt neue Impulse 19.05.2011    

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Harninkontinenz: Ein Blasenschrittmacher kann mit Hilfe von Stromimpulsen die natürliche Funktion der Blase wiederherstellen.
Scham! Dieses Gefühl ist vielen Menschen, die an Inkontinenz leiden, nicht unbekannt. Doch sich diese Scham von der Seele zu reden, das schaffen die meisten nicht so ohne weiteres, denn Inkontinenz ist auch heute noch ein Tabuthema. Die Fähigkeit, Blase und Darm kontrolliert zu entleeren, wird mit Kindern schon sehr früh trainiert. Viele Inkontinenz-Betroffene verschweigen ihr Leiden sogar ihrem Arzt und lassen so wertvolle Zeit für eine Behandlung verstreichen. Dabei gibt es - neben konservativen Therapieformen - nun eine neue Hoffnung: Ein kleiner Schrittmacher kann die natürlichen Funktionen von Blase und Darm bei vielen Patienten wieder herstellen.

Stilles Leid
Harn- und Stuhlinkontinenz sind keine lebensbedrohlichen Krankheiten. Dennoch machen sie Millionen von Menschen das Leben zur Hölle - und das in jedem Lebensalter. Das Risiko für eine Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter an. Mediziner bezeichnen Inkontinenz als die fehlende oder mangelnde Fähigkeit des Körpers, den Blasen- bzw. Darminhalt sicher zu speichern und willentlich zu entleeren. Verbreitete Formen des unwillkürlichen Harnverlusts sind die so genannte Belastungsinkontinenz sowie die Dranginkontinenz. Beide Ausprägungen sind auf eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur sowie auf Nerven- oder Muskelschäden zurück zu führen. Operationen oder Verletzungen können dafür auch verantwortlich sein. Bei der Stuhlinkontinenz ist eine Diagnose meist schwieriger zu stellen, da die Symptome mehrere Ursachen haben können. Grundsätzlich liegt aber immer eine Schädigung oder Veränderung der beteiligten Muskeln oder Nerven im Bereich des Afters vor. Konservative Therapien mit Beckenbodengymnastik oder Medikamenten erzielen gute Ergebnisse, doch einigen kann mit diesen herkömmlichen Mitteln nicht geholfen werden.

Den Nerv getroffen
Für Patienten, die bereits andere Therapien erfolglos probiert haben, kann die so genannte sakrale Neuromodulation ein neue Chance bedeuten: Bei diesem Verfahren werden die Nervenfasern, die Befehle vom Gehirn über das Rückenmark an Darm und Blase als elektrische Signale senden (Sakralnerven), durch einen so genannten Stimulator, also einen Schrittmacher, gesteuert. Denn bei den Erkrankten funktioniert die Signalübertragung "volle Blase" oder "voller Darm" an das Gehirn nicht mehr. Die Neuromodulation hilft, ungewollte oder sogar irrtümliche Mitteilungen, die über diese Nervenbahnen gesendet werden, zu korrigieren. Dabei nutzt sie schwache und ungefährliche elektrische Impulse zur Stimulation. Der Schrittmacher hat die Größe eines kleinen Mobiltelefons und wird während eines ca. einstündigen Eingriffs im Bauchbereich oder im Gesäß des Patienten implantiert. Von dort sendet er seine elektrischen Impulse an die jeweiligen Sakralnerven und verhindert einen unkontrollierten Harn- oder Stuhlverlust.

Den Drang wieder im Griff
Zusätzlichen Komfort und Sicherheit bietet ein kleines Programmiergerät. Damit kann der Patient die Stromstärke der Impulse in vorher mit dem Arzt festgelegten Grenzen selbst regulieren und wenn nötig, das Gerät kurzzeitig auch ganz ausschalten. Ein großer Schritt zurück in ein selbst bestimmtes Leben, bei dem die Betroffenen nicht immer ängstlich Ausschau nach der nächsten Toilette halten müssen.

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