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Gelenkknorpelschäden: Transplantation von körpereigenen Zellen 19.05.2011    

Hartnäckig hält sich das Vorurteil, Gelenkknorpelschäden seien nur auf altersbedingte Abnutzungen zurückzuführen - tatsächlich betreffen sie aber auch jüngere Menschen. Die Ursachen können verschieden sein: Zum einen kann das Knorpelgewebe durch (Sport)-Unfälle beschädigt werden, zum anderen aber auch durch die Knochenerkrankung Osteochondris Dissecans (OD), die vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene betrifft und in deren Verlauf es zu einer Freilegung des Gelenkkörpers kommt.

Der Gelenkknorpel hat im Körper eine wichtige Aufgabe: Er federt als eine Art "Stoßdämpfer" bei jeder Bewegung die Belastung ab und sorgt für eine freie Beweglichkeit der Gelenke. Umgekehrt wirkt sich die Beschädigung des Knorpelgewebes negativ auf den Bewegungsapparat aus und schränkt die Mobilität der Patienten ein. Knorpelgewebe kann sich nicht selbst heilen, da Knorpel im Gegensatz zu anderen Geweben nicht durchblutet ist und nur wenige Zellen enthält. Um einen daraus resultierenden vorzeitigen Gelenkverschleiß zu vermeiden und vor allem die Mobilität wieder herzustellen, war in der Vergangenheit oftmals die effektive aber auch aufwändige Implantation eines künstlichen Kniegelenks unvermeidbar. Nach intensiver Forschungstätigkeit in den letzten Jahren werden zur Behandlung posttraumatischer, d.h. durch Unfälle oder Verletzungen erworbener Knorpelschäden, heute überwiegend biologische Verfahren eingesetzt.

Transplantation macht wieder mobil
Eine mittlerweile bewährte Behandlungsmethode posttraumatisch verursachter Gelenkknorpelschäden ist die biologische Oberflächenrekonstruktion mit patienteneigenen Knorpelzellen (ACT, autologe Chondrozyten Transplantation), von der jährlich in Deutschland 2.000 stationär durchgeführt werden. Ziel dieser modernen Behandlungsmethode ist es, den Defekt vollständig auszuheilen und dem Patienten so den Ersatz des Kniegelenkes durch eine Prothese so lange wie möglich hinaus zu zögern.

Besonders bei Knorpeldefekten über vier Quadratzentimeter und Patienten zwischen 18 und 45 Jahren, ist die Knorpelzelltransplantation anderen Verfahren, zum Bespiel der Mosaikplastik, nachweislich in ihrer Wirksamkeit überlegen. [1]

Zunächst werden bei beiden Varianten im Rahmen einer Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) aus gesundem Gelenkknorpel Knorpelgewebeproben entnommen, aus der die Knorpelzellen zunächst isoliert und danach unter keimfreien Bedingungen über etwa drei Wochen (je nach Variante mit Patientenblut oder serumfrei) vermehrt werden. Nach Erreichen der für eine erfolgreiche Behandlung erforderlichen Zellzahl werden die patienteneigenen Zellen zum vorher vereinbarten Transplantationstermin an den behandelnden Arzt geschickt. Dort werden die Knorpelzellen im Verlauf eines operativen Eingriffs am offenen Gelenk auf eine spezielle Trägermembran aufgebracht und vorsichtig in den Defekt eingenäht. Sollte eine Transplantation nach Ablauf von drei Wochen nicht möglich sein, können die Knorpelzellen alternativ mit einem speziellen Verfahren eingefroren und für eine begrenzte Zeit bis zur Behandlung gelagert werden. Je nach Membran, wird die Matrix zusätzlich mit Hightech-Nahtmaterial oder einem fibrinhaltigen Kleber fixiert.

In den ersten sechs Wochen nach dem Eingriff sollten Betroffene das Gelenk durch Gehstützen entlasten. Danach dauert es noch einige Wochen, bis die Gelenke wieder voll belastet werden können. Die ACT stellt mit dem aus patienteneigenen Zellen hergestellten Transplantat und dessen besonders hoher Zellqualität eine sichere und zukunftsweisende Behandlungsmethode für Gelenkknorpelschäden dar. Die Behandlung mit der ACT wird grundsätzlich bei stationärer Durchführung im Rahmen des DRG-Systems über Zusatzentgelt von den Krankenkassen vergütet.


[1]
Bentley G, Biant LC, Carrington RW et.al., A prospective randomised comparison of autologus chondrcyte implantation versus mosaicplasty for osteochondral defects in knee, J Bone Joint Surg Br 85, 2003, S. 223-230.

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